Unsere Link-Tipps im Dezember

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18. Dezember  Andere Länder, andere Mütter!

In Deutschland ist es immens schwer, als Frau berufstätige zu sein, dazu Kinder zu haben und sich auch noch um sie zu kümmern! Ein Kraftakt. Anders im Ausland: In Finnland gibt es ein Baby-Care-Paket, eine Slowenin findet Vollzeitjobs für Mütter selbstverständlich, die indische „working mum“ schmeißt nebenbei den Haushalt. Drei Frauen erzählen über ihr Leben zwischen Karriere und Krabbelgruppe.

 

18. Dezember  Warum immer mehr Frauen in den USA Waffen besitzen

Erklärendes Interview mit einer US-Journalistin zu der Frage, warum auch „Hausfrauen“ in den USA teilweise mehrere Schusswaffen zuhause haben und gern schießen. Die Mutter des Attentäters, der an einer Grundschule in der kleinen US-Stadt Newton 27 Menschen, darunter seine Mutter und 20 kleine Kinder, tötete, liebte Waffen. 

 

11. Dezember  Türkei schützt Frauen zu wenig vor männlicher Gewalt

Türkische Frauen werden offenbar immer häufiger Opfer familiärer Gewalt. Sie werden nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau geschlagen, vergewaltig, getötet. Selbst angesehene Politikerinnen werden von ihren Ehemännern verprügelt. Die Abgeordnete Fatma Salman Kotan hat ihr Leid jetzt öffentlich gemacht. 

In Indien sind Frauen und Mädchen ebenso von Geburt an männlicher Gewalt ausgesetzt. Einen sehr lesenswerten Kommentar hat dazu die ARD-Korrespondetin Sandra Petersmann geschrieben. Anlass: die bestialischen Vergewaltigung einer 23-jährigen Inderin. (Am 28. Dezember melden die Nachrichtenagenturen: Die junge Frau hat das Martyrium nicht überlebt. Sie starb im Krankenhaus nach mehreren Operationen an den Folgen der Vergewaltigung.)

 

10. Dezember  Frauenrechtlerin in Afghanistan erschossen

Nadschia Seddiki hatte den Posten als Frauenbeauftragte im Osten Afghanistans erst vor wenigen Monaten übernommen – jetzt ist sie tot. Die Direktorin der Frauenbehörde wurde von zwei Unbekannten auf dem Weg zur Arbeit erschossen. Auch die Deutsche Welle berichtete über die Gefahr, in der afghanische Frauen leben.   

Misshandlungen, Morde im Auftrag der Familie – das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen in Afghanistan ist erschütternd. Das beschreibt auch eine neue Studie der Vereinten Nationen

 

13. Dezember  „Frauen müssen die Männer auch machen lassen“

.. wenn aus einem Paar Eltern werden! Das sagt Volker Bausch. Er hat eine „Väterstudie“ initiiert und kommt zu aufrüttelnden Schlüssen, die sich manche Frau zu Herzen nehmen sollte. Lasst die Männer spielen und aus der klassischen Rollenverteilung fallen! Sehr Lesenswert!!

 

6. Dezember  „Hätte ich versagt, wären Männer eingesetzt worden“

Sehr interessantes und witziges Interview mit der langjährigen Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff — anlässlich des 60jährigen Jubiläums der Nachrichtensendung der ARD. 

 

15. November  Cola gibt es, aber keine Kondome

Coca-Cola ist beinahe an jeder Ecke der Erde zu haben – sogar in den unterentwickeltsten Regionen! Im Gegensatz zu Kondomen und Anti-Baby-Pillen. 222 Millionen Frauen in Entwicklungsländern haben derzeit keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. So steht es im  Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen. Die Folgen sind teilweise schrecklich: viele Frauen treiben aus Verzweiflung ab, oft unter verheerenden medizinischen und hygienischen Bedingungen. 

 

Und zu guter Letzt noch dieses Foto, das ich bei Flickr entdeckt habe. Peer Steinbrück, der sich als Kanzlerkandidat bewirbt, als Freund der Banker. Egal, wie wild sie zocken, sich verspekulieren, sich auf Kosten der Allgemeinheit ihre Vorteile sichern, wir zahlen für sie, dank Peer Steinbrück, dem Sozialdemokraten. Treffende Fotocollage.

Da hilft auch nicht Steinbrücks „Papier zur Zügelung der Finanzmärkte“. Dafür hätte er sich einsetzen müssen, als er Bundesfinanzminister war, stattdessen aber hat er börsennotierte Privatbanken wie die Hypo Real Estate auf Kosten der Steuerzahler rausgehauen.      

 

Batbank

Fotocollage von SnaPsi@flickr

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Wirtschaftskrimi „Söldner des Geldes“: Rasant, lässig, abgründig.

von Dani Parthum, November 2013 

Peter Beck’s Thriller „Söldner des Geldes“ beginnt brutal:

Ein Hubschrauber zerschellt in den Schweizer Bergen. An Bord: ein schwerreicher Scheich, als Bodyguard die umsichtige Ex-Polizistin Anna – Angestellte einer Schweizer Privatbank – und der Pilot. Anna hatte kurzfristig den Auftrag erhalten, den Scheich heil zu einem geheimen Ort zu bringen. Dabei war sie eigentlich mit ihrem Chef Tom Winter zu einem Liebeswochenende verabredet, Winter ist Sicherheitschef der Schweizer Privatbank. Auf Seite 2 des Buches stirbt Anna an der Seite des Scheichs im Crash.  

Winter ist tief getroffen. Der erfahrene Sicherheitschef ahnt schnell: auf den Scheich wurde ein Anschlag verübt und ausgerechnet Anna, die ihn beschützen sollte, hat die Minibrandbombe mit an Bord des Fluggeräts gebracht. Winter zieht los, um den Mord an beiden aufzuklären und wird dabei hineingezogen in ein international gewebtes Interessengeflecht aus Ölmilliarden, Infrastrukturprojekten, skrupellosen Fonds Managern und Korruption.

Beck schreibt lakonisch und trocken. Niemals zu viel. Und charakterisiert damit seinen Hauptprotagonisten Tom Winter. Winter sagt keinen Satz zu viel. Er beobachtet lieber, fragt zielsicher, zieht seine Schlüsse und handelt – manchmal brutal und rücksichtslos, aber immer sympathisch. Ein Draufgänger, der etwas von James Bond hat. Auch Winter entschließt sich Dinge zu tun, die der Kollege im Büro niemals tun würde: sich auf einem Golfplatz vier schießwütigen Ex-Soldaten zum Beispiel in den Weg zu stellen, dabei einem milliardenschweren Araber das Leben zu retten und seinen eigenen Kopf oben zu behalten.

Wer auf den britischen Superagenten James Bond steht und unterhaltsam in die Welt des großen Geldes blicken will, hat an Peter Becks Erstlingswerk „Söldner des Geldes“ viel Spaß.  

Ich habe ihn hintereinander weg gelesen, nicht zuletzt deshalb, weil ich wissen wollte, ob die zweite Schöne im Krimi, die exotische Inderin Fatima – Chefin einer Firma, die Atomkraftwerke plant und baut – nicht auch ein Geheimnis in sich trägt. Winter verliebt sich in Fatima im Laufe der Suche nach der Wahrheit und fragt sich immer wieder, wie es wohl weitergeht mit ihr und ihm … weil er doch gerade noch mit Anna eine gemeinsame Zukunft plante.  

Autor Peter Beck signiert sein Erstlingswerk

Autor Peter Beck signiert sein Erstlingswerk

 

Das Buch „Söldner des Geldes“ ist im emons-Verlag erschienen und kostet 10,90 Euro.  

 

 

 

 

 

 

Foto: facebook-profil von Peter Beck 

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Sie kämpft für Gleichberechtigung.

Die 80jährige Anwältin Lore Maria Peschel-Gutzeit hat Energie für drei. Gleichberechtigung ist ihr Lebensthema. Dafür setzt sie sich immer noch kraftvoll ein — die ehemalige Justizsenatorin von Berlin und Hamburg und Mutter dreier Kinder. Jetzt hat sie ein fesselndes Buch über ihr Leben geschrieben. Titel: „Selbstverständlich gleichberechtigt“. 
 

Dani Parthum, November 2012   

 

 

Frau Peschel-Gutzeit, Sie blicken auf ein selbstbestimmtes und sehr bewegtes Leben zurück: Sie haben den Krieg erlebt, große Widerstände im Beruf erfahren, waren Richterin und Justizsenatorin und haben sich immer für Gleichberechtigung eingesetzt. Vieles aus eigener Kraft. Und doch treten Sie für eine Frauenquote in Unternehmen ein. Was ist Ihr Argument pro Quote?

Ich habe mich ganz explizit für die Quote ausgesprochen und tue das bis heute. Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es bestimmte Bereiche im gesellschaftlichen Leben gibt, die ändern sich nicht, ohne dass das ein Gesetz angeordnet. Darauf zu warten, dass eine bessere Einsicht dazu führt, dass auch Großbetriebe und DAX-notierte Konzerne ihre Führungspositionen verstärkt mit Frauen besetzen, bedeutet Warten bis zum St. Nimmerleinstag!

Wie oft hat die Wirtschaft schon Selbstverpflichtungen ausgesprochen; wie oft spricht man davon, dass einige Unternehmen anfangen, Frauen auch in höhere Positionen zu bringen.

Nach wie vor aber besetzen bei den größeren Konzernen nur 2 Prozent Frauen die Führungspositionen, und das ist nicht hinnehmbar. Wir haben noch nie so eine große Zahl an gut ausgebildete Frauen gehabt wie jetzt.

Es gibt keine Begründung, keine Berechtigung, Frauen von diesen Positionen auszuschließen.

 

Wie erklären Sie sich, dass die Entscheider mehrheitlich männlich sind und auch heute nur vereinzelt weiblich?

Solange es Unternehmen überlassen ist, ob es Männer oder Frauen als Führungskräfte einstellt und es keinerlei Verpflichtungen bei der Besetzung von Posten gibt, auch das andere Geschlecht zu berücksichtigen, machen viele Firmen einfach so weiter, wie bisher. Sie finden Begründungen, wie: das finden wir effektiver mit Männern; da wissen wir, was wir haben; mit Frauen kommt Unruhe in die Firmen … Sie kennen alle diese Argumente, die in Wirklichkeit keine sind.

Dahinter steht wohl eine gewisse Furcht vor Veränderung. Und die wird es auch geben.

Denn Frauen führen anders als Männer, Frauen verursachen ein anderes Unternehmensklima. Nur, das ist nicht schädlich! Im Gegenteil. Es gibt sehr seriöse Studien, die zeigen, wenn Führungen großer Unternehmen als Team besetzt sind, mit Männern und Frauen, steigt nicht nur der Gewinn um ein Drittel, sondern das gesamte Klima der Firma bessert sich, wird meist sehr viel humaner.

 

Sie kämpft für die Gleichberechtigung auch mit ihren 80 Jahre noch: Lore Peschel-Gutzeit

 

Sie sagen von sich, Sie leben „selbstverständlich gleichberechtigt“, so haben Sie auch Ihr Buch genannt, das im Oktober erschienen ist. Was ist für Sie Gleichberechtigung?

Gleichberechtigung ist ja abgeleitet von Gerechtigkeit. Und ein Mensch, der ein Gerechtigkeitsbedürfnis hat wie ich, der kann nicht akzeptieren, dass die eine Hälfte der Menschheit weniger Rechte, weniger Entwicklungsmöglichkeiten hat, als die andere Hälfte – nämlich Frauen weniger in der Gesellschaft ausrichten können als Männer, ganz generell gesprochen. Das ist ein Phänomen, das wir alle kennen, Jahrtausende alt, aber dadurch wird es nicht besser und nicht gerechtfertigter.

Als ich diese Diskriminierung als junge Frau wahrgenommen habe, da dachte ich mir: Das kann nicht sein, dafür gibt es keine Berechtigung, und das habe ich auch ein Leben lang so gelebt.

Zwar haben wir in Artikel 3 des Grundgesetzes die Gleichberechtigung auch festgeschrieben. Was aber bis heute nicht dazu geführt hat, dass Frauen wirklich in allen Bereichen gleichgestellt sind, also die gleichen Entwicklungschancen haben wie Männer, sodass auch heute noch sehr viel zu tun ist für die Gleichberechtigung von Frauen.

 

Wie könnten wir denn endlich gleiche Chancen für Frauen und Männer erreichen?

Es gibt viele Instrumente, die schon gegriffen haben. Das sind die Gleichstellungsgesetze, die kennen Sie aus den Bewerbungen, den Anzeigen für Stellen, dass dort nicht mehr ausgeschrieben werden darf: wir suchen Männer, oder die Anzeige nur männlich formuliert ist. Dort müssen beide Geschlechter angesprochen werden. 

Auch die Parteien müssen damit anfangen. Die linken Parteien haben ja alle eine Quotierung eingeführt, damit Frauen die Chance, oder wie ich es nenne, einen Türöffner haben, sich fair um Führungspositionen zu bewerben. Ob sie es dann wirklich packen, das ist eine zweite Frage. Aber sie von vornherein auszuschließen, indem man nur Männer für die Posten benennt, das geht nicht, und das geht 60 Jahre nach Inkrafttreten des Artikel 3 Grundgesetz schon gar nicht!

 

Sie arbeiten in Berlin als Rechtsanwältin, kämpfen also immer noch für andere und für Gleichberechtigung. Was hat Sie geprägt?

Das weiß man ja selbst nie so ganz genau. Ich komme aber aus einer Familie, in der die Frauen sehr starke Frauen waren.

Meine Großmutter hat die Fabrik meines Großvaters geleitet, wenn der in den Tropen war. Sie hatten eine Rohrfabrik. Meine Großmutter hat Prokura verlangt und sie auch erhalten und dann die Fabrik allein geführt. Das war um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts undenkbar! Meine Mutter war ihr Leben lang berufstätig. Meine Tante, die Schwester meiner Mutter, hat ebenso studiert wie meine Mutter. Meine Schwester hat studiert genau wie ich.

Ich komme also aus einer Familie, in der es selbstverständlich ist, dass Frauen einen qualifizierten Beruf ergreifen und den auch ein Leben lang durchhalten und selbstverständlich ihren Platz in der Gesellschaft fordern und finden.

 

Würden Sie heute etwas anders machen, als Sie es getan haben?

Als meine Kinder klein waren, hatten wir noch sehr viel weniger Hilfen gesellschaftlicher Art, als das heute der Fall ist. Damals waren Kinder Privatsache. Deshalb hatte ich für mich eigentlich nie Zeit, weil ich für alles allein zuständig war. Sicher würde ich das ein oder andere heute anders machen.

Ich würde vielleicht versuchen, etwas mehr für mich selbst herauszuholen. Man darf sich aber nicht täuschen. Der Preis einer Frau dafür, dass sie Familie und Beruf hat und zwar beides so, dass es Freude macht, der Preis dafür ist, das für sie nicht so furchtbar viel Freizeit übrig bleibt. Aber das ist ein Preis, den frau zahlen kann für ihre Gleichberechtigung.

 

Lore Peschel-Gutzeit diskutiert gern über die Rechte der Frauen und Gleichberechtigung.

 

Wäre es nicht gut für die Gesellschaft, wenn wir alle etwas mehr Zeit für uns selbst und unsere Familie hätten und einen verantwortungsvollen Job dazu?

Was Sie schildern ist ein kleiner, aber schöner Traum. Ich bin übrigens bei Ihnen, ich fände es gut, wenn es z.B. Lebensarbeitszeitkonten gebe. Wenn man in Zeiten, in denen einen die Familie wirklich braucht, weniger arbeiten müsste, was man dann später nachholen könnte. Das wäre sicherlich eine sehr humane und machbare Maßnahme.

Man müsste nur anfangen und ich, um darauf zurückzukommen, könnte mir gut vorstellen, wenn Frauen über solche Dinge in Führungspositionen zu entscheiden hätten, würde sich an dieser Stelle auch sehr viel mehr ändern!

 

Was sollten junge Mädchen Ihrer Erfahrung nach lernen, um persönlichen und beruflichen Erfolg zu haben und um gleichberechtigt zu leben?

Ganz sicher brauchen sie ein unerschütterliches Selbstwertgefühl. Sie dürfen sich von Zurückweisungen nicht kränken lassen. Das ist leicht gesagt und schwer getan, dass weiß ich aus eigener Erfahrung sehr genau.

Aber die Erziehung zuhause muss dort ansetzen und muss jungen Frauen und Mädchen beibringen, in dem Bewusstsein zu leben, denselben Wert zu haben wie der Mann, der vor ihnen steht. Und dieses Bewusstsein kann man natürlich durch Erziehung begründen.

Man muss Frauen und Mädchen ermutigen, ermutigen, ermutigen.

Und wenn eine solche junge Frau so ermutigt erzogen ist, wird sie auch Widerstand leisten können, wenn man ihr alles Mögliche vorenthält. Dann wird sie sich einbringen können  und Gleichberechtigung einfordern.

Entscheidend ist, dass in der Erziehung nicht nur das Selbstwertgefühl eingepflanzt und gepflegt wird, sondern dass die Bereitschaft begründet und gepflegt wird, Konflikte auszuhalten. Sehr viele Frauen weichen Konflikten aus, weil sie ein Harmoniebedürfnis haben. Das ist auch in Ordnung. Aber allein mit Harmoniebedürfnis schaffe ich bisweilen einen Kampf um eine Position nicht. Ich muss bereit sein, in diese Schlacht zu ziehen.

 

Beobachten Sie, dass Eltern ihre Mädchen in diesem Sinn erziehen?

Mit Freude sehe ich, dass eine Reihe von Vätern sich darum bemüht, an der Kindererziehung teilzunehmen, dass sie sich nicht nur um die Jungs kümmern, sondern auch um die Mädchen. Das halte ich für unverzichtbar, weil ein Mädchen von einem Vater lernen kann, wie Hierarchien funktionieren. Das wissen viele Frauen nicht, deshalb können sie es auch nicht weitergeben. Ein Mann weiß das. Die wissen das seit Jahrtausenden. Und das muss Frau auch wissen, damit sie sich dort zurechtfindet.

Es gibt aber immer noch sehr viele traditionellen Familien, die Jungs und Mädchen sehr unterschiedlich erziehen. Nur das ist für eine junge Frau absolut hinderlich, wenn sie sich in dieser Welt aufgrund guter Ausbildung, die fast alle jungen Mädchen haben, zurechtfinden und vorankommen will.

Deswegen gibt es keine Alternative dazu, sich bewusst zu machen, was Mädchen anders als Jungen an Erziehung benötigen.

 

Lore Peschel-Gutzeits Buch, Selbstverständlich gleichberechtigt„, ist auf jeden Fall eine Empfehlung. Es ist bei Hoffmann und Campe erschienen. Und unter diesem Link finden Sie eine Buchbesprechung von mir für NDR Info.

Die agile Anwältin war außerdem im Oktober im WDR in der Sendung „Redezeit“ zu Gast. Hier können Sie das Gespräch nachhören:  WDR5 Redezeit mit Lore Maria Peschel-Gutzeit 

 

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Wahlkampf: Was US-Frauen über Barack und Mitt denken.

Am 6. November wählt die USA einen neuen Präsidenten. Ausgiebig wird deshalb im Land über die Kandidaten berichtet, ihre Fernsehduelle, über Fettnäpfchen, in die sie treten, und über die sogenannten „Swing States“. Das sind die neun US-Staaten, auf die es am ‘Election Day’ ankommen wird. Was aber denken Amerikas Frauen über Barack Obama und Mitt Romney, den schmutzigen Wahlkampf und das, was nach Auszählung der Wahlmänner-Stimmen kommen mag?

Frauen, schreibt das ‘New York Magazine’, seien die Wechselwähler in den „Swing States“. Sie sind damit wahlentscheidend.  Unser Autorin Stephanie Lavoie, die seit acht Jahren in den USA lebt, hat sich bei Sashimi und grünem Tee umgehört, wen ihre amerikanischen Freundinnen wählen werden: 

Einmal im Monat treffen wir uns in meinem Lieblingsrestaurant ‘Sky Sushi’ zum Mamas Lunch. Normalerweise plaudern wir bei unseren Dates ganz ungezwungen über Gott und die Welt, den Klamottenladen X und den Lehrer Y, über den neuesten ‘New York Times’-Bestseller oder die Pläne für die Thanksgiving-Ferien. Heute aber werde ich das Damen-Kränzchen zum Beben bringen. Dessen bin ich mir sicher! Denn wenn es um Demokraten und Republikaner und deren Wahlkampf geht, werden in den USA die besten Freunde zu Feinden.

 

Frauenrunde: bei Sashimi über den US-Wahlkampf, Barak und Mitt streiten

 

Dreckiger Wahlkampf in Deutschland … Wenn ich sowas höre, muss ich schmunzeln. Seitdem ich hier „drüben“ lebe, weiß ich, was wirklich ‘dirty’ ist! ‘Conservatives’ und ‘Liberals’ bekämpfen sich im wahrsten Sinne des Wortes bis auf‘s Blut. Und auch, wenn ich den US-Wahlkampf und die Machenschaften interessiert verfolge und mir logischerweise meine eigene Meinung gebildet habe, bin ich gewissermaßen froh darüber, dass ich als ‘Resident’ (im Gegensatz zum ‘Citizen’/Bürger) in diesem Land nicht wählen darf.

Ich wage es heute also, unser harmonisches Mittagessen zu ruinieren. Denn an diesem Tisch sitzen – außer mir – ein Obama-Fan und zwei Romney-Anhängerinnen. Und eins ist klar: Mit dem, was ich als nächstes sagen werde, werde ich geringstenfalls eine heftige Debatte entfachen!

“Wem gebt ihr denn eigentlich eure Stimme, es sind doch bald Wahlen?”

Rumms, das hat gesessen! Alle drei schauen von ihren Reis-Röllchen auf und mich aufmerksam an. Keine 30 Sekunden später möchte ich den Begriff “aufmerksam” durch das Adjektiv  “angriffslustig” ersetzen. Und los geht’s!

“Oh my god!”, sucht Liz noch nach geeigneten Worten und fuchtelt wild mit ihren Sushi-Stäbchen in der Luft herum, während es aus Eva ad hoc herausplatzt: “Romney… der Kerl ist eine absolute Witzfigur. Ein Wendehals wie er im Buche steht. Von mittig bis ganz rechts und wieder zurück in die Mitte, der hat jede republikanische Position schon mal eingenommen. Wie meinte der Präsident so schön – der leidet unter Romnesia.” Und sie lacht, während von rechts der Gegenangriff rollt. Denn Liz hat mittlerweile ihre Worte gefunden: “Nochmal vier Jahre dieser Affe Obama und unsere Arbeitslosenquote findet sich auf dem Rekordhoch von 82 wieder. (Anmerkung: Im November 1982 lag die ‚Unemployment Rate‘ bei 10.8%, momentan beträgt sie 7.8 %.) Nicht zu vergessen, die Spritpreise! Bald zahlen wir vier Dollar für den Gallon, horrend! Unser Land wurde immer als ‚Land of the Free‘ bezeichnet. Das ist doch längst Vergangenheit. Hier steigt niemand mehr vom Tellerwäscher zum Millionär auf, bald haben wir nur noch Tellerwäscher, weil sich keiner mehr entfalten kann.”  “Stichwort Obamacare”, mischt sich nun auch Carry ein. “Die zwingen uns einfach dazu eine Krankenversicherung zu kaufen. Ich möchte aber selbst entscheiden, was ich brauche und was nicht.”

“Sorry, genau da muss ich jetzt mal einhaken“, sage ich. „Für mich als Deutsche, die ein staatliches Gesundheitssystem gewohnt ist und die überdies bereits mehrfach bittere Erfahrungen mit dem absenten amerikanischen Gesundheitswesen gemacht hat, ist deine Aussage schwer zu begreifen. Warum bitte wehrt ihr euch so vehement gegen eine Krankenversicherung für alle?”

“Weil wir keine sozialistischen Verhältnisse wollen”, sprudelt es aus Carry heraus, meiner Bekannten mit einem Doktortitel in Geologie. “Demnächst zwingen sie uns dazu, frische Äpfel zu kaufen statt Apfelmus, weil das nachweislich gesünder ist. Im Big A. (gemeint ist Big Apple, also New York City.) haben sie vor kurzem Sodas größer als 16 Ounces (Softdrinks mit einer Größe von über 0.47 Litern) aus den Fast Food Restaurants und Kinos verbannt. Angeblich zu ungesund. Holy! Das muss doch jeder für sich entscheiden. Künftig schreiben sie uns auch noch vor, was wer wann im Fernsehen gucken darf, so wie in China.”

“Aber Fakt ist doch, rund 45 Millionen Amerikaner besitzen keine Krankenversicherung. Und wenn sie ernsthaft krank werden, müssen sie Hab und Gut verkaufen, um die immensen Kosten tragen zu können.”

“Naja, letztlich ist jeder seines Glückes Schmied”, interveniert Liz und versucht zu erklären, wie ihre Landsleute diesbezüglich ticken: “Das hat sicher mit unserem kulturellen Kern zu tun, dem Motiv der individuellen Freiheit, für die unser Land steht. Die Menschen wollen so viel wie möglich selbst entscheiden. Ganz ehrlich, ich will auch weniger Regierung in meinem Leben!”

“Okay, aber dann erkläre mir mal bitte, warum ich mir durch ‘Mr. Severely Conservative’ vorschreiben lassen soll, ob ich im furchtbaren Fall einer Vergewaltigung abtreiben lassen darf oder nicht?”, platzt es aus Eva heraus. “Na, diese Meinung vertreten ja nur die Ultra-Rechten, Richard Mourdock und einige Anhänger der Teaparty-Bewegung. (Anmerkung: Der US-Senatskandidat Mourdock hatte vor ein paar Tagen die Meinung aufgestellt, Abtreibungen seien gegen Gottes Willen, auch nach einer Vergewaltigung.) Gouverneur Romney befürwortet eine liberale Linie”, versucht Carry klarzustellen und bekommt sofort den Return von Eva: “Nein, das Problem ist doch, dass die Reps keine Einheit bilden und ihre Programm-Richtung ständig ändern. ‘Bullshitter’ Romney erinnert sich heute nicht mehr daran, welche Strategie er letzte Woche im Wahlkampf noch vorgetragen hat. Das ist absurd, was der macht.”

“Trotzdem hat er, je nachdem welcher Umfrage man Glauben schenken darf, in etwa die Hälfte der Stimmen auf seiner Seite. Für die Wahl wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Und hier am Tisch kann er offenbar Zweidrittel der Stimmen für sich verbuchen”, wende ich ein.

Eva: “Lustig, das ist wie bei uns Zuhause am Abendessens-Tisch. Mein Mann und meine Schwiegermutter sind konservativ, erzkonservativ, und ich bin liberal. Nach den Fernseh-Debatten habe ich jedwede Polit-Diskussion beim Dinner verboten. Da wären sonst die Fetzen, ach quatsch, da wäre sonst das Essen geflogen!”

“So heftig? Das finde ich erschreckend. Ich beobachte seit Wochen, wie sich auf Facebook beste Freunde attackieren, wenn es um die Wahl geht. Aber in der eigenen Familie …?”

“In einem Politik-System mit letztlich nur zwei Möglichkeiten ist das wohl so. Bei Dir daheim sieht das anders aus, da gibt es das Mehrparteiensystem und ein relativ großes Angebot, auch was die politische Mitte angeht. Bei uns bist Du entweder deutlich rechts oder deutlich links. Meistens ist das über Generationen in der Familie verankert. Auf jeden Fall braucht unser Land dringend frische Ideen und jemanden, der die Wirtschaft ankurbelt”, führt uns Liz zurück ins Gefecht.

“Und das geht mit Romney besser als mit Obama?”

“Are you kidding me? Frische Ideen und Fortschritt … Mit Gouverneur Romney an der Spitze würden wir die Uhren 50 Jahre zurückdrehen, vor allem was Frauen, Homos und Immigranten angeht. Nichts da mit frischem Wind”, ereifert sich Eva. “Es macht mich krank, wenn ich mir vorstelle, dass die Superreichen dann noch mehr Steuererleichterungen erhalten, nur damit sie noch reicher werden. Wenn Romney Präsi wird, wandere ich aus!”

“Klar! Als ob Du auch nur von hier nach Placerville ziehen würdest”, grinst Carry. (Anmerkung: Placerville heißt der von uns aus gesehen nächstgrößere Ort.) “Ich glaube sehr wohl, dass die Republikaner deutlich mehr davon verstehen, die Wirtschaft anzukurbeln und Stabilität in unser Land zu bringen. Romney hat es als Gouverneur von Massachusetts ja gezeigt. Außerdem wird er uns dazu verhelfen, dass wir in der Welt wieder was darstellen. Und dank unserer Einflussnahme wird es mehr Frieden geben. ‘Friede durch Stärke’ hat schon Ronald Reagan gefordert. Romney weiß das auszuführen!”

“What the….”, will sich Eva empören, bremst sich aber im gleichen Moment wieder: “Anstatt noch mehr Truppen in Krisengebiete zu schicken, bin ich dafür, dass wir uns lieber mal um unsere Veteranen kümmern. Davon gibt es nach all den Kriegen, bei denen wir mitgemischt haben, nämlich mehr als genug.”

“Bis dato sind gut 6.500 US-Soldaten in Afghanistan und im Irak gefallen. Es gab zahlreiche Schwerstverwundete und unzählige Frauen und Männer in Uniform, die mit bleibenden Schäden von ihrer Mission zurückkehrten.”

“Da hast Du recht, Stephanie, und das ist tragisch. Selbstverständlich will niemand Krieg. Aber davor müssen wir uns eben auch schützen, mit einem starken Präsidenten! Nicht mehr lang, und der Iran steht mit der Atombombe vor der Tür. Und irgendwelche Spinner sind gerade in diesem Moment, wo du dir Sashimi in den Mund schiebst, emsig dabei, Anschläge auf unser Land zu planen. Ich halte es für äußerst wichtig der Welt zu demonstrieren, dass wir mächtig und rigoros sind. Und dazu brauchen wir einen starken Mann an der Spitze. Obama ist meines Erachtens ein Duckmäuser und das birgt Gefahren”, meint Liz und ergänzt: “He totally sucked.”

“Was mir auffällt, ist dieses Bombardement mit Wahlwerbung. Ich habe heute früh bei NPR (im National Public Radio) gehört: Allein die letzten drei Wochen vor der Wahl laufen im US-Fernsehen ungefähr eine Million politische Werbespots. Okay, mein Mutterland ist deutlich kleiner und besteht nicht aus 50 Staaten, aber diese Zahl – etwa 43.000 TV-Ads pro Tag landesweit – ist für mich unfassbar.”

“Hier in Kalifornien ist es ja zum Glück nicht so krass. Das kommt, weil die uns längst abgeschrieben haben. Ist dir das aufgefallen, unserem Staat stattet keiner der werten Kandidaten beim Wahlkampf einen Besuch ab. Deshalb siehst du im Fernsehen vornehmlich lokale Spots. (Anmerkung: Der ‘Golden State’ gilt als sicherer Obama-Staat.)  Die Wahrheit ist: Ich würde durchdrehen, wenn ich im Zwei-Minuten-Takt mit den Hasstiraden der Demokraten zugemüllt werden würde, wie es in den Swing States passiert!”

“Wie bitte, Liz? Wer ist denn die Nummer eins in der Disziplin ‘mit Giftpfeilen schießen’? Das sind doch wohl Romney und das ganze Republikaner-Gesocks! Um aber auf Deinen Einwand zurückzukommen, Steph:  Wenn Du mich fragst, ist diese Extrem-Berieselung so kurz vor der Wahl ohnehin sinnlos. Entweder haben die Leute bereits gewählt oder sich zumindest für eine Partei entschieden. Die meisten sind eh registriert. Und wenn man nur zwei und dann auch noch zwei extrem voneinander abweichende Alternativen hat, legt man sich nicht erst drei Tage vorher fest.”

“Viele Amerikaner nehmen die Möglichkeit der Briefwahl wahr. In 34 von 50 Staaten gibt es zudem ‘Early Vote’. Das heißt, die Wahllokale sind bis zu 50 Tage vor dem eigentlichen Wahltag geöffnet. Habt ihr denn schon eure Stimme abgegeben?”

“Ich nicht. Ihr auch nicht, oder? Aber Obama hat gewählt, letzte Woche in seiner Heimatstadt Chicago.” “Na, hoffentlich für die Republikaner!”, grinst Carry. “Haha, das war ein Scherz! Also, ich habe tatsächlich auch noch nicht gewählt. Ich habe aber eine Menge Freunde, die den ‘Early Vote” nutzen. Denn unser Wahltag ist traditionell an einem Dienstag, und da hat das Gros der Leute weder Lust noch Zeit, sich in eine Schlange zu stellen, um drei Stunden später seine Stimme abgeben zu dürfen.” “Letztlich interessiert doch sowieso nur noch, was in Ohio passiert. Denn ohne Ohio ist seit 1960 noch kein Kandidat Präsident geworden, ein Republikaner übrigens noch nie.” 

Na dann! Das ist doch ein adäquates Schlusswort. Schauen wir am 6. November also gebannt 3.500 Kilometer weit gen Osten, nach Ohio! Jetzt widmen wir uns aber erstmal genussvoll einem Mochi-Eis.

Zur Abkühlung.

 

von:  Stephanie Lavoie, 31. Oktober 2012 

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Unsere Link-Tipps im Oktober

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30. Oktober  Wenn Frauen sich selbst dem Armutsrisiko ausliefern

Armutsrisiko Kind: Karin Steinbrenner hat ihren gut bezahlte Stelle als Filialleiterin einer Drogeriemarktkette aufgegeben, weil sie sich rund um die Uhr um ihren Sohn kümmern wollte. Sie hat sich damit einem enormen Armutsrisiko ausgesetzt. Denn ihre Beziehung zu ihrem Partner scheitert, weil sie ihn nicht in die Kinderbetreuung einbezieht und kaum Zeit für ihn hat. Das ZEIT-Magazin schildert den sozialen Abstieg einer Frau, die es eigentlich besser gewusst hat, und ihren Kampf zurück in ein Leben ohne Armut.    

 

21. Oktober  Der größte Feind der Frauen — sind die Frauen

Die 26-jährige Autorin und Bloggerin Laurie Penny hat eine Streitschrift gegen Schönheits- und Konsumwahn und Pornografie verfasst. Ihre These: „Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.“ 

 

21. Oktober  „Ihr letzter Rat, Frau Mitscherlich?“

Geheimste Fantasien, Treue und die Liebe im Alter: Als die zwei Autoren der Zeitung Die Welt die Psychoanalytikerin Margarethe Mitscherlich für ein Buchprojekt trafen, ahnten sie nicht, dass es das letzte Interview der renommierten Psychoanalytikerin sein würde. Die 94jährige Mitscherlich starb im Juni. Das letzte Interview mit ihr ist hier nachzulesen.

 

17. Oktober  Vorstände der DAX-Konzerne verdienten 2011 so viel wie nie

Nach wie vor hängen die Gehälter der Manager, die DAX-Konzerne führen, vor allem vom Gewinn ihres Unter­nehmens ab. Weil wirksame Obergrenzen fehlen, erhielten sie 2011 zum Teil Rekord-Gehälter — zwischen 18 und 3 Millionen verdienten sie. Nachzulesen bei den Böckler Impulsen.

 

17. Oktober  Vor allem Frauen in Deutschland von Armut bedroht

Fast 13 Millionen Menschen in Deutschland sind armutsgefährdet. Das größte Risiko für die Bedürftigkeit ist der Jobverlust. Diese Gefahr ist laut einer Statistik derzeit aber denkbar gering.

 

14. Oktober  Das F-Wort

Alle reden vom Fachkräftemangel. Aber ist der wirklich schon da und auch so schlimm? Wie ein Loch gestopft wird, das es vielleicht gar nicht gibt, davon berichtet Zeit-Online.

 

15. Oktober  Unternehmerinnen verfolgen andere Ziele als Unternehmer

Das besagt eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums. Weiblichen Firmenlenkern sei es tendenziell wichtiger als männlichen nach Unabhängigkeit zu streben und Privat- und Berufsleben miteinander zu vereinbaren, heißt es in der Studie. Unternehmerinnen wollten zudem sozial etwas leisten. Folge: Firmen mit Frauen als Inhabern wachsen langsamer, gehen aber auch nicht so schnell pleite. 

 

22. Oktober  Frau gewinnt Einparkmeisterschaft

Wir von SAKIDA wußten ja schon immer: Frauen sind Meisterinnen im Einparken. Eine Frau aus Düsseldorf hat das jetzt erneut bewiesen. Sie hat sich gegen die männliche Konkurrenz durchgesetzt und die „Einparkmeisterschaft” im bayerischen Landshut gewonnen — mit Plateauschuhen! 

 

24. Oktober  Die tollkühnen Concept Cars der 70er Jahre

Der Fotograf Rainer W. Schlegelmilch hat in seinem Leben zehntausende Bilder von Autos geschossen. Jetzt hat er einen Bildband mit Auto-Designstudien der 70er Jahre veröffentlicht. Über die schrillen, futuristischen und mutigen Modelle staunen selbst Nicht-Auto-Fans! Der Bildband ist zugleich ein Stück Zeitgeschichte, denn zu jedem Sportwagen räkelt sich ein „heißes Girl“. Cars and Babes. Die Rechnung geht erstaunlicherweise selbst heute noch auf.  

 

Und zum Schluss noch ein Filmtipp, den wir Ihnen ans Herz legen:

Arte hat am 4. September eine äußerst spannende und erkenntnisreiche  Dokumentation über die Machenschaften und Geschäfte des US-Geldhauses Goldman Sachs ausgestrahlt.
Titel: Eine Bank lenkt die Welt

Die Dokumentation zeigt, wie maßlos die „Goldmänner“ agieren und wie ihre Spekulationsgeschäfte ausgeufert sind — und die schwerste Finanzkrise seit 80 Jahren mitverursacht haben. Und, wie sie die dank ihrer politischen Verbindungen vor einer Pleite bewahrt worden sind. Auch gegen den Euro soll Goldman Sachs spekuliert haben und an der Wirtschaftskrise Griechenlands beteiligt sein.

 

[vimeo]http://vimeo.com/49061418[/vimeo]

 

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Die Sache mit der Sexualerziehung.

Wissen Sie noch, damals in der fünften Klasse, als der Bio-Lehrer Abbildungen der weiblichen und männlichen Geschlechtsteile zeigte und ein Kondom herumreichen ließ? Sexualkunde stand auf dem Plan und führte bei den meisten Schülern zu Kichern und roten Köpfen. Durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts sind deutsche Schulen seit dem 21.12.1977 gesetzlich zur Sexualerziehung verpflichtet. Doch sexuelle Aufklärung sollte nicht erst in der Pubertät und nicht nur durch die Schule stattfinden. Vor allem Eltern sind gefragt, damit Kinder ein positives Körpergefühl entwickeln und ihre Neugier befriedigen können.

Stephanie Lavoie, Mutter von zwei gewitzten Schulkindern, hat sich dieser diffizilen Aufgabe beherzt gestellt:

 

“Mami, was ist ein Blowjob?” Ich dachte, ich kippe vom Stuhl, als mein siebenjähriger Sohn neulich mit dieser Frage unser beschauliches Frühstück torpedierte. Zugegeben, mir fehlen selten die Worte. Aber da musste ich doch nach letzteren ringen. “Ähm … Ein Blowjob, ja … Das ist, wenn Mami Daddy etwas Gutes tut. Wenn sie ihm etwas besonderes schenkt, etwas, das er nicht täglich bekommt”, hörte ich mich sagen und meinen Sohn postwendend antworten: “Ach, du meinst, wie wenn Daddy dir Blumen mitbringt?” Bitte, bitte, lass ihn jetzt nicht noch mehr fragen, dachte ich und drehte das Fragespiel schnell um: “Ja, genau, so in etwa. Aber wo hast du denn dieses Wort aufgeschnappt?” “Och, zwei Jungs in der Eishalle haben sich darüber unterhalten”, nuschelte er mit vollem Nutella-Brötchen-Mund und damit war unser kurzzeitiger Exkurs in den Bereich Sexualaufklärung beendet.

Sexualerziehung -- mit Plüschtieren?

Sexualerziehung — mit Plüschtieren?

Zweifelsohne würde ich mich als kosmopolitische, unverklemmte Frau und Mutter bezeichnen. Ich nehme nur selten ein Blatt vor den Mund. Aber Themen wie Selbstbefriedigung, Samenerguss und sexueller Missbrauch bereiten auch mir Bauchschmerzen – zumindest, wenn ich darüber mit meinem Töchterlein reden soll. Meine Mom dachte damals, sie wäre ganz raffiniert bei ihrer Sexualerziehung. Irgendwann – ich muss so circa zehn Jahre alt gewesen sein – erspähte ich in meinem Bücherregal das Werk mit dem einfallsreichen Titel “Junge, Mädchen, Mann und Frau”. Klammheimlich hatte sie es dort platziert. Und es war nicht zu übersehen, dieses Meisterwerk der Sexualkunde. Orange war es! Orange: Die Farbe der Geselligkeit, die den Wunsch nach Einheit symbolisiert! Wie passend. Erhellend war dieser Klassiker gleichwohl nicht. Er sorgte vielmehr regelmäßig für Schamesröte in meinem Gesicht und dafür, dass meine Busen-Freundin Christiane auf einmal verstärkt bei mir spielen wollte – sonst waren wir meistens nachmittags bei ihr gewesen.

“Aus Sex entstehen Barbies. Äh: Babys!” So in etwa lässt sich zusammenfassen, was damals in unseren Köpfen vor sich ging. Der Schritt vom beschaulichen Vater/Mutter/Kind-Spiel über „wie mache ich mich für Junge X, Y, Z interessant“ bis hin zur Auswahl der ersten Antibabypille war gewaltig und nicht einfach zu bewerkstelligen. Schlau wäre gewesen, wenn ich mit den vielen Fragen, die die Lektüre des orangenen Buches bei mir generierten, einfach zu meiner Mom gegangen wäre. Auf diese Idee wollte mein vorpubertäres Hirn aber partout nicht kommen. Warum sie mich nie darauf angesprochen hat, ist uns beiden – die wir eine durchaus innige und offene Mutter-Tochter-Beziehung führen – bis dato ein Rätsel geblieben.

Gottlob existierte der Sexualkunde-Unterricht. Wir durften Kondome über den Daumen streifen und Tampons in rote Lebensmittelfarbe tauchen. Welch ein Spaß! Besonders gern erinnere ich mich an folgende kluge Frage einer Mitschülerin: “Können meine Eier beim Eisprung brechen?” Ich weiß bis heute nicht, ob sie das wirklich ernst gemeint hat. Das Gegröle unserer Klassenkameraden war ihr jedenfalls sicher. Von unserem Lehrer gab es für diese „alberne Frage“ indes einen Rüffel. Dr. Sommer von der Kult-Jugendzeitschrift „Bravo“ wäre hier garantiert der bessere Ansprechpartner gewesen!

Sexualerziehung mit Dr. Sommer

Dr. Sommer von der Bravo

Mal ganz im Ernst. Was gab es da schon, Anfang der 80er Jahre, in puncto Sexualerziehung, als ich die ersten Pickel zu kaschieren versuchte? Kein Google, kein Wikipedia, keine Diskussionen über gleichgeschlechtliche Ehen! In unserem Bertelsmann-Lexikon wurde weder der Ausdruck „French Kiss“ erklärt, noch der Begriff „Analsex“ definiert. Heutzutage werden die Internet-versierten Kids hinsichtlich solcher Termini nicht verschont. Haben Sie schon mal den Namen „Schneewittchen“ bei Youtube eingegeben? Nein? Glauben Sie ja nicht, dass Ihr Kind dort nur das Grimmsche Märchen von der schönen Königstochter und den sieben kleinen Männlein zu sehen bekommt!

Sexualerziehung: Was Du schon immer über Sex ... An Zwerge und derlei Märchengestalten glaubt meine Prinzessin schon lange nicht mehr. Also erwarb auch ich ein Aufklärungs-Buch, platzierte es auffällig auf dem Wohnzimmertisch und wartete. Prompt tappte mein Mäuschen in die Falle, fing an zu blättern und zu staunen. Und ich? Fing an zu schwitzen. Jetzt oder nie, machte ich mir Mut! Wir haben es uns auf unserer Couch gemütlich gemacht und gemeinsam die Sex-Fibel erforscht, zunächst verschämt und zaghaft, nach einer Weile mit Verve und Wissbegierde. Das erste Mal, Empfängnisverhütung, sexuell übertragbare Krankheiten, Missbrauch und Homosexualität – alles an einem Nachmittag! In altersgerechter Sprache versteht sich. Das war eine aufklärerische Meisterleistung! Und ich richtiggehend stolz auf mich. Auf mein kleines Mädchen freilich auch! Ganz ehrlich, wir hatten einen Heidenspass und mir sind wahre Geröllsteine von meinem (Mutter-)Herzen gerumpelt. War doch ganz unkompliziert, dachte ich, als das „Aufklärungs-Werk“ vollendet war und wir zwei Verbündete uns der Zubereitung unseres Abendessens widmeten.

Ich harre nun weiterer Fragen und bin zuversichtlich, es werden noch etliche folgen. Eins ist klar: Mein Sohnemann wird es mir dereinst nicht so einfach machen. Aber bis dahin gehen hoffentlich noch ein paar Jahre ins Land. Und ich kann mir in der Zwischenzeit eine elegantere Antwort zurechtlegen auf die eine Frage, die ich todsicher erneut hören werde: „Daddy und du, hattet ihr auch Geschlechtsverkehr, um mich zu bekommen?“

 

Einige Fakten zum Thema:

– Im Alter zwischen 12 und 13 Jahren wird die Mehrheit der „Keenies“ (Wortschöpfung des „Zeit Magazins“ für die Gruppe der 11- bis 14-Jährigen) geschlechtsreif; 12 Prozent aller Mädchen haben ihren ersten Sexualverkehr bereits mit 14 Jahren oder früher.

– Ein Drittel der Heranwachsenden ist mit einem Partner intim, noch bevor die Eltern mit ihnen über Verhütung, ungewollte Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten gesprochen haben.

– Immerhin: 9 von 10 Jugendliche sorgen beim ersten Mal für Verhütung: Zwei Drittel benutzen ein Kondom, der Rest verhütet mit der Pille.

– Sexualerziehung – im erweiterten Sinne – sollten Kinder von Geburt an erfahren. Dabei geht es in den ersten Lebensjahren nicht um aufklärende Wissensvermittlung, sondern um die „sinnliche“ Entwicklung durch Hautkontakt (z.B. Babymassage) und zärtliches Miteinander.

– „Sexualerziehung“, so die Bonner Psychologin Helga Tolle, “ist Sozialerziehung, Persönlichkeitserziehung und auch Wertevermittlung”. Kinder, die ihre sexuelle Neugier stillen können, entwickeln ein gesundes Selbstbewusstsein als Mädchen oder Junge.

– Ja und Nein sagen können, auch darum geht es. „Kinder, die früh lernen, was ihnen gut und weniger gut tut, sind gestärkt und sagen auch später in der Pubertät Nein, wenn ihnen etwas nicht gefällt”, sagt Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

 

Autorin: Stephanie Lavoie, 16. Oktober 2012

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Ina und Frau Müller.

Ohne die Wirtin Ursula Müller würde bei Inas Nacht nichts laufen. Sie ist mit ihrer Seemanns-Kneipe Schellfischposten Gastgeberin für Ina Müller, seit vielen Jahren. Ein Interview mit der 60jährigen über 12-Stunden-Drehtage, aufdringliche Touristen, Wunschgast Grönemeier und eine – manchmal – unausstehliche Ina.

von Dani Parthum

Ursula Müller vor ihrer Kneipe Schellfischposten

Ursula Müller vor ihrer Kneipe Schellfischposten

Im August haben die Aufzeichnungen der neuen Staffel Inas Nacht begonnen.  „Hinter den Kulissen von Inas Nacht. Bei der ersten durfte ich dabei sein und sie dauerte fast vier Stunden!

Frau Müller: Kai Pflaume war ja bei der ersten Aufzeichnung der neuen Staffel der erste Gast und mit dem hat sie sich ein bisschen verquatscht. Grundsätzlich dauert eine Aufzeichnung drei bis vier Stunden, ja. Es fängt gegen halb zehn, viertel vor zehn Uhr abends an und geht bis in die Früh. Es muss ja dämmern!

 

Quasselt sich Ina häufiger mit einigen ihrer Gäste fest?

Wenn das Gespräch gut läuft, dann kann das passieren, dass sie gerade mit dem ersten Gast, der immer länger bleibt, etwas lange redet. Da muss der Regisseur, der Axel, schon mal sagen, jetzt machen wir einen Break, und dann brieft er sie. Die anderen Gäste und die Gastmusiker stehen ja in den Startlöchern, warten draußen, manchmal stundenlang. Und einige sind auch schon böse geworden, weil sie so lange warten mußten. Aber nicht vor der Kamera, sondern draußen; da müssen dann andere das Fell hinhalten, nicht Ina. Wenn sie hier durch die Kneipentür treten, ist dann Showtime.

 

Nach drei Stunden, sagen wir gegen Mitternacht, wurden die Fragen von Ina an die Schauspielerin Jessica Schwarz, die nach Kai Pflaume kam, etwas dünn. Langweilst Du Dich manchmal?

Es kann sein, dass die Zeit irgendwann zu lang ist, ihr die Notizen ausgehen, das Schlusswort aber noch fehlt. Ich selbst kann aber vieles aus der Sendung gar nicht wiedergeben, weil ich arbeite und mich konzentrieren muss. Sehr oft will jemand etwas von mir, für die Musiker zum Beispiel. Dazu muss ich gucken, wie an den Tischen die Getränke aussehen: wer hat noch viel im Glas, wer hat schon ausgetrunken, steht die nächste Runde an? Dann kommt Ina beispielsweise mit einer Gesangseinlage, darauf muss ich achten. Es geht deshalb vieles an mir vorbei.

Viermal erneuere ich eigentlich immer die Getränke an den beiden Tischen für das kleine Publikum, meist 14 Gäste. Es gibt aber auch Sendungen, da trinken die Gäste was weg! Da rufen die schon immer rüber zur Theke: „Können wir noch ein Bier haben?“ 

 

Ulla Müller hinter dem Tresen ihres Schellfischposten

Ulla Müller hinter dem Tresen

Ina kann aber auch ordentlich trinken! Sie hatte an dem Abend, an dem ich dabei war, bestimmt sechs Bier? Ich wäre da längst blau!

Ja, ich auch. Aber das hält sich alles im Rahmen. Ina verträgt schon was. Aber sie trinkt aber auch nicht jedes Glas aus. Wenn das Bier warm geworden ist oder nicht mehr gut aussieht, dann tausche ich es aus. Für sie wird es nur immer dann kritisch, wenn sie einen Gesprächsgast hat, der gern Schnaps trinkt. (An dieser Stelle senkt Ulla Müller die Stimme …) Ina trinkt aber auch nicht immer mit Alkohol …

 

Bist Du mit Ina per Du?

Ja. Sie sagt zwar immer während der Sendung Frau Müller, aber sonst Ulla und per Du. Das hat sie sich so ausgedacht. Sie möchte Frau Müller sagen.

 

Ina dreht mit ihrem Team in einer Woche vier Sendungen ab. Was ja ganz schön anstrengend ist. Und Du stehst immer hinter dem Tresen und bedienst sie und ihre Gäste. Auch anstrengend?

Ja! Und wenn ich etwas gefragt werde, dann antworte ich auch. Ina kommt zwischen vier und fünf Uhr am Nachmittag, dann probt sie bis längstens 19 Uhr und da bin ich auch schon in der Kneipe. Anschließend isst Ina noch etwas, ruht sich im Hotel gegenüber aus, geht in die Maske. Und dann geht es bis vier Uhr früh … da hat sie ein gutes Programm – und ich auch!

Zwischen den Drehtagen liegt aber immer ein Tag Pause. Da mach ich dann gar nichts, obwohl die Kneipe offen ist. Ich ruhe mich aus, lege mich vor der Sendung schön lang. Und dann bin ich gut ausgeruht und kann lange mithalten. Vor halb vier, vier in der Früh nach dem Dreh komme ich nämlich nicht raus aus der Kneipe. Denn wenn abgedreht ist, bleiben noch manche vom Publikum sitzen und dann fängt die Crew an.

 

Mit einer Sause?

Na klar! Mal mehr, mal weniger. Kommt drauf an, wie die Jungs drauf sind. Bei der ersten Aufzeichnung jetzt im August waren die Jungs diesmal gleich weg. Vier Stunden die schwere Kamera auf der Schulter halten, das ist ganz schön heftig. Die Crew geht gewöhnlich ins Cafe gegenüber. Dort ist ein Raum reserviert für die Aftershowparty mit Gästen. Einmal bei jeder Sendestaffel kommen aber alle zu mir in den Schellfischposten. Ina bleibt dann sitzen, es wird brechend voll und das ist schön!

Ich kann gar nicht so schnell zapfen, wie die alle die Biere wegzischen.

 

Ina sagt selbst von sich, sie sei manchmal anstrengend und werde laut. Selbst erlebt?

Hm, das kann sie schon. Es gab eine Sendung, da hat mir ein Tontechniker gesagt: „Ina ist ja heute unausstehlich! Da hat schon jeder sein Fett weggekriegt.“ Da habe ich natürlich gehofft, ich kriege keinen Anranzer. Aber der Techniker  meinte: „Ne, die hat sich schon beruhigt.“

Ich habe auch schon mal erlebt, dass Sie einen Prominenten zusammengestaucht hat. Der kam an, und das klappte bei der Gesangsprobe nicht sofort, und da her er sich entschuldigt. Er sei gerade erst aus dem Flieger gestiegen und war lange unterwegs. Da hat Ina geantwortet: „Das ist keine Entschuldigung. Das hier ist ein Job. Ich muss auch fit sein!“ Die ist knallhart, das kann sie auch.

 

Wand mit Promifotos im winzigen Schellfischposten

Wand mit Promifotos im winzigen Schellfischposten

Lohnt es sich für Dich geschäftlich, Gastgeberin für Inas Nacht zu sein?

Wir vermieten die Räume an die Produktionsfirma. Die zahlen auch noch den Verzehr. Inas Nacht ist für uns generell eine gute Werbung. Dadurch kommen viele Leute, die sich die Kneipe ansehen möchten, darunter sind auch manche, die denken, Ina Müller sei jeden Tag hier. Ja wirklich! Die wundern sich dann, warum sie nicht hier im Schellfischposten sitzt.

Manche kommen aber auch nur rein und machen Fotos. Das finde ich nicht gut, das belastet alle. Deshalb haben wir ein Schild draußen aufgestellt, das wir das nicht wünschen. Jeder Gast kann gerne fotografieren, er sollte vorher fragen. Aber dieses Rein, Knipsen, raus, ne, das nimmt Gemütlichkeit.

Was mich freut ist, wenn Schaulustige die Köpfe reinstecken und sagen, hier ist es ja gemütlich, auch ohne Ina!

 

Seit sieben Jahren säuft, sabbelt und singt (so Ina’s Untertitel zur Sendung) Ina Müller jetzt schon bei Dir im Schellfischposten. Hast Du eine Lieblingssendung?

Ach, es gab so viele schöne Sendungen … was ich mitgenommen habe aus den Sendungen betrifft die Promis. Es gibt viele, bei denen ich vorher gesagt habe, naja, so sympathisch sind die sicher nicht. Und dann habe ich sie kennen gelernt und festgestellt, die sind richtig nett! Umgekehrt gibt es das aber auch. Zu mir sind die meisten richtig nett, bedanken sich bei mir für den guten Service.

 

Dann vielleicht einen Wunschgast?

Ich würde sehr gern Herbert Grönemeier hier haben, Udo Lindenberg und Udo Jürgens, der ist ja auch eine Legende. Über Lindenberg wurde schon öfter mal gesprochen als Gast für Inas Nacht, aber der Regisseur hat gesagt: „Was soll sie mit dem? Mit dem kann sie nicht schnacken. Udo nuschelt.“ Aber sie könnte ihn ja mal als Gesangseinlage einladen …

 

Wie bist Du überhaupt zu Deiner Kneipe, dem Schellfischposten, gekommen?

Die Seemanns-Kneipe ist der Traum meines Vaters. Mein Vater war während des Krieges bei der Marine. Das hat ihn so beeindruckt, dass er irgendwann mal eine Hafenkneipe haben wollte. Diesen Traum hat er sich mit dem Schellfischposten erfüllt.

Als Familie kamen wir Anfang der 60er Jahre von Düsseldorf hierher. Meine Eltern betrieben da in einer Nobelgegend eine Gastronomie. Als wir hierhin zogen, waren die Zeiten ziemlich rau. Die Arbeiter von den Fischkuttern zogen von Kneipe zu Kneipe und haben überall gesoffen. Und dann gingen die Schlägereien los. Wir waren aufgelöst, wir Mädels und meine Mutter, haben nur geheult.

Als meine Eltern gestorben sind vor 25 Jahren, haben mein Mann und ich die Kneipe zuerst verpachtet, was aber nicht funktioniert hat. Weil viel Herzblut an ihr hängt, wollten wir sie aber nicht aus den Händen geben. Und da haben wir uns gedacht: Wir machen das so nebenbei. Dass das aber soviel Arbeit ist, hätten wir aber nicht gedacht!

 

Du bist also gar nicht die geborene Wirtin?

Ich bin absolut nicht die geborene Wirtin! Ich habe viele Jahre als Zahnarzthelferin gearbeitet. Ich bin oft bei meinem Mann, einem Kapitän, auch auf dem Schiff mitgefahren. Dann kam unsere Tochter zur Welt, und irgendwann bin ich zuhause geblieben. Ich mochte gern Hausfrau und Mutter sein. Und als unsere Tochter alt genug war, verschwand unsere damalige Pächterin. Es passte also.

Als Wirtin bin ich wohl nicht genug Geschäftsfrau. Mir liegt daran, dass es menschlich zugeht. Dass ich zu meinen Stammgästen einen guten Kontakt habe, dass die Touristen und Fremden, die kommen, das Gefühl haben, hier hört ihnen jemand zu, hier wird gelacht.

Wenn ich ständig dran denken würde, wie viel Bier ich verkauft habe und das dieser und jener Gast noch eins trinken könnte, das würde nicht zu mir passen.

Ich wollte eigentlich gar nicht Wirtin sein. Es dauerte eine Weile, dann habe ich aber gemerkt, wie schön es ist, eine Kneipe zu betreiben.

 

Vorbereitungen für Inas Nacht vor dem Schellfischposten

Vorbereitungen für Inas Nacht vor dem Schellfischposten

 

Das heißt, Du schnackst gern mit Deinen Gästen — wie Ina Müller?

Ja! Es gibt aber auch Typen, die anstrengend werden, die einen vollquatschen. Denen sage ich dann: „Du schnackst mich hier so voll, jetzt ist mal genug. Halt mal den Rand!“ Das musste ich erst lernen. Das habe ich hier gelernt. Ich bin eigentlich eine ganz Ruhige, auch eher so ein bisschen gehemmt gewesen. Hier in der Kneipe, bin ich so frei geworden.

(Und hier geht es zum Bericht über die Aufzeichnung von Inas Nacht …  Hinter den Kulissen von Inas Nacht.

Der Schellfischposten nahe des Fischmarkts ist in Hamburg eine Institution. Die urig dekorierte Kneipe ist täglich ab 12 Uhr geöffnet, Sonntags ab 7 Uhr. Der Renner bei Wirtin Ulla Müller sind Pferdewurst und ihr handgefilterter Kaffee. Ihre Stammgäste schwören aber auch auf ihre frisch belegten Fischbrötchen und andere einfache Snacks. Ulla hat zwar eigentlich nie frei, manchmal aber knapst sie sich einen Vormittag ab, schläft dann lang, frühstückt auf ihrer Dach-Terrasse und guckt ins Grüne. Das entspannt.

 

Das Interview führte Dani Parthum am 13. August 2012
9. September 2012 

Fotos: Dani Parthum 

Kommentare deaktiviert für Ina und Frau Müller.

Hinter den Kulissen von Inas Nacht.

Die Entertainerin Ina Müller ist ein Knaller. Von vielen geliebt, von einigen für zu laut befunden, ist ihre Sendung Inas Nacht ein Quotenhit in der ARD geworden, ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis. Ich hatte jetzt das Glück, bei der Aufzeichnung der ersten neuen Sendestaffel in der ältesten Seemanns-Kneipe Hamburgs dabei sein zu können. Ein Late-Talk-Bericht.

Dani Parthum, 9. September 2012 

 

Eintritt zu Inas Nacht

 

Prolog.

Es dauert. Die Assistentin hatte per Mail gemahnt: Viertel vor neun sollen wir bitte da sein! 21:30 Uhr stehen wir immer noch vor der Kneipe, dem Schellfischposten, mein Mann und ich, zusammen mit 12 anderen Gästen. Wir 14 dürfen heute mit von der Partie sein in der winzigen  Seemannskneipe im Hamburger Hafen – als trinkende und klatschende Kulisse für Ina Müller. Und auch die heutigen Gäste bei Inas Nacht lungern vor’m Cafe gegenüber herum: Kai Pflaume im Freizeitlook, Jessica Schwarz gepflegt ungepflegt und Tim Bendzko entspannt, weil er heute mal nicht die Welt retten muss.

Dann endlich Sitzprobe für uns Gäste an den zwei Kneipen-Tischen, dazu die forsche Ansage des Regie-Assistenten: „Tisch eins! Ihr Drei fahrt mit Ina im Bus mit.“ Wir sind gemeint. Schön! Wirtin Ulla Müller (Ina und Frau Müller.) fragt noch schnell, was jeder während der Aufzeichnung trinken möchte (denn dieses Getränk bleibt immer das Gleiche). Und dann geht es raus in den hergerichteten, hellblauen VW-Kleinbus.

Inas kultiger VW-Bus

Wir schwitzen. Es ist August und weit über 25 Grad warm. Dann kommt Ina: kurz vor 22 Uhr steigt sie unter großem Hallo der umstehenden Neugierigen in den kultigen VW-Bus – aufgedreht, angespannt und verdammt hübsch. 

Äktschn.

Kleine Ehrenrunde um den Block. Ina legt gleich los mit Fragen, ob wir gut drauf seien und was wir singen wollen. Sie stimmt dann lauthals „All you need is love“ an und bittet uns, kräftig mitzusingen. Und das tun wir auch gern. Ich fühle mich wie auf einem Schulausflug. All-you-need-is-love-schmetternd fährt Ina vor den Schellfischposten, hält die Türen auf; wir steigen aus, gehen rein in die Kneipe, setzen uns hin, Bierchen hoch, anstoßen. Ina wird singend und moderierend von den Schaulustigen, die sich vor den offenen Fenstern drängeln, in die Kneipe geklatscht. Und dann wird mir klar, warum sie ausgerechnet den Beatles Gassenhauer als Eröffnungssong ihrer heutigen Inas Nacht Show gewählt hat. 

Kai.

Denn als ersten Gesprächsgast begrüßt Ina Kai Pflaume, der ja die Fernsehsendung „Nur die Liebe zählt“ moderierte. Superschlank, in Ringelpulli und Freizeithose, springt Kai von draußen in die Kneipe. „Hallo!“ Sonst trägt Pflaume Anzug. Heute Nacht nicht. Ina bestellt Bier, Kai Alsterwasser. Das bringt ihm sofort einen Spruch ein: „Du bestellst ja Mädchenbier!“ „Ich bin eben ’ne gute Freundin.“, kontert Kai. Der Shanti-Chor schmettert den ersten Tusch. Hohohohoho. Hey! Geht gut los.

Ina spricht mit Kai Pflaume

Ina plaudert mit Kai über Boxershorts, Frauen und seinen Titel „Mr. Informatik“

Zuerst will Ina alles über Kais Anzüge wissen. Dabei erfahren wir: Kai trägt gern Boss, weil er „optisch niemanden zur Last fallen“ möchte, kauft seiner Frau mehr Klamotten als sich selbst und hat in der DDR Boxershorts entworfen, seine Schwägerin hat sie genäht und Kai für 15 DDR-Mark das Stück verkauft. Damit machte er im Monat etwa 1.000 DDR-Mark (das war mehr als ein Ingenieur in der DDR verdient hat!) Und Kai verrät, dass er mit 18 während seines Informatikstudiums zum „Mister Informatik“ gewählt wurde. Das gefällt Ina – und dem Shanti-Chor. Tusch. Hohohohoho. Hey! 

Ablaufplan der Sendung für Ina, befestigt über der Klotür

Ablaufplan der Sendung über der Klotür

So geht es weiter: Ina fragt, macht Witze auf Kais Kosten. Der antwortet clever, sodass Ina manchmal die Spucke wegbleibt. Sie kommen ins Plaudern, das Bier wird warm. Unvermittelt ruft Ina: „Stop!“ Das Kommando für die Visagistin. Ein Schweißtuch der Inas Nacht Crew wandert auf Inas glänzendes Gesicht und ein kalter Waschlappen in ihren Nacken. „Fünf Minuten Pause!“, weist der Regisseur an. Während zwei Visagistinnen Inas Make-up richten, können die Kameramänner durchatmen. 

Schweiß und Enge.

Drei Kameras zeichnen die Sendung Inas Nacht im Schellfischposten auf, der etwa so groß ist wie ein Wohnzimmer. Eine Kamera hält auf Ina, eine filmt den Gesprächsgast und die dritte den Raum, Shanti-Chor und Kneipen-Gäste, also uns (bloß nicht in die Kamera sehen!!!). Überhaupt ist die bei Inas Nacht Kneipe gerammelt voll: Ein Regisseur, ein Assistent, der Ina Texttafeln hochhält, zwei Techniker, ein Producer, ein Fotograf, dazu die dreiköpfige Band. Und wir natürlich! 14 Gäste an zwei Tischen, Schenkel an Schenkel. Ellenbogen rein und nicht zappeln, heißt hier die Arbeits- und Sitzdevise, und Bauch einziehen! 

Während die Visagistin Ina trockentupft und sie mal durchatmet, bringt Wirtin Frau Müller die nächste Runde an den Tisch. Herrlich so ein kühles Bier! Prost und weiter geht’s. Jetzt will Ina mit Kai singen. Dazu stemmt sie sich auf den Kneipentisch, rutscht rüber, balanciert sich auf ihren 16-Zentimeter-Heels (!) aus und stopft fix die Bluse ordnend in den Rock, als wäre sie zuhause. Das Team grinst. Kai auch. Wir grinsen mit. Und Kai singt gar nicht mal übel.

Der Assistent hält für Ina den Liedtext hoch

Spickzettel. Der Assistent hält für Ina den Liedtext

Nach eineinhalb Stunden sabbeln und singen mit Kai strömt der Schweiß wieder. Pause! Drei Minuten. Die Visagistin rennt. Ina ordert bei Frau Müller „ … noch ’n frisch Gezapftes, bitte!“, und trinkt es auf ex. Dazu eine Zigarette und ein Gespräch mit dem Regisseur. Sind die Kameras aus, wird Ina ernst, konzentriert sich. Mit einem flotten Spruch zu Kai geht es weiter. Die Bierdeckelchen sind jetzt dran.

Der Assistent reicht Stifte und Bierdeckel herum, wir sollen uns Fragen an Kai ausdenken. Dazu serviert Frau Müller das nächste kalte Bierchen, Nr. 3. Prost in die Runde. Schon leicht angeschickert dichtet mein Mann dann so etwas wie: „Kai, gehst Du immer noch an den FKK-Strand?“ (war in der DDR üblich, nackig auf Rügen und Usedom zu liegen). Und … mir fällt nicht wirklich was witziges um kurz vor Mitternacht ein. Ich kapituliere. Der Assistent sammelt die Deckelchen ein – und steckt sie zu unserer Überraschung hinter andere Deckel, die er schon in der Hand hält. Diese nimmt Ina zuerst: Bierdeckelchen mit vorbereiteten Fragen? Also doch nicht alles so spontan hier in Inas Nacht? 

Bierdeckelchen für Kai

Wer spontan ist, ist Kai! Zwar gibt er sich wie immer als netter Kerl von nebenan, aber erstaunt mit seiner Schlagfertigkeit wohl auch gelegentlich Ina. Sie lacht dazu herzlich und der Shanti-Chor tuscht. Hohohohoho. Hey!

Dann kurz Hektik. Auftritt Tim Bendzko. Das ist der junge Musiker, der mit dem Titel „Muss nur noch kurz die Welt retten“ einen Sensationshit gelandet hat. Er bringt seinen Klavierspieler mit. Kai filmt mit dem  Smartphone Tims fünf-Minuten-Auftritt; er singt „Ich laufe“, Ina wippt mit dem Fuß mit und bevor ich mich in der Kuschelrockstimmung einrichten kann, ist Tim auch schon wieder weg. Das vierte Bier schwebt heran. Langsam wird das anstrengend … hier bei Inas Nacht. Ich vertrag ja nichts.

Jessica.

Ina legt nochmal einen Zahn zu und kündigt singend die Schauspielerin Jessica Schwarz an. Großes Hallo in der Runde für die schöne Frau in roter Bluse und dunklem Rock und ich freue mich auf Einblicke in das Schwarz’sche Schauspieler- und damit hoffentlich auch Seelenleben. Aber es kommt anders. (Jessica Schwarz hat Romy Schneider gespielt, sie war u.a. in den „Buddenbrooks“ zu sehen und in „Das Parfum“.)

Schwarz drückt Ina eine Flasche Kräuterlikör in die Hand, mit lieben Grüßen von ihrem Vater. Der sitzt wie „zufällig“ auch im Publikum, am Nachbartisch, dort, wo es besonders eng ist. Ina fängt mit ihm ein Gespräch an, Jessica steht daneben. Und über was redet Ina mit Vater Schwarz? Über seinen Kräuterlikör, den er herstellt und vertreibt und der schlappe 40 Euro kostet. Das ist nicht mehr nur Schleichwerbung, sondern ganz offensive Werbung. Und das um halb ein Uhr früh und bei der ARD?!?!?! Ob das gesendet wird? Jessica, um die es ja eigentlich gehen soll, ist dafür Stichwortgeberin. Und Ina hört gar nicht wieder auf, Vater Schwarz in das Gast-Gespräch einzubeziehen. Seltsamer Plot. 

Irgendwann lässt Ina dann doch vom Schwarz-Papa und wendet sich ihrem Gast Jessica zu und beginnt die Plauderei mit deren Kindheit – schon wieder geht es dabei um „Vati“ (so nennt Jessica ihren Vater), dass er einen Kiosk hatte und die kleine Jessica dort alle Zeitschriften ansehen durfte. Und dass sie schon als Kind immer vor der Kamera ihres Vatis posiert hat und er die geschossenen Fotos stolz herumzeigte. 

Ina und Jessica plaudern mit Papa Schwarz

Ina und Jessica plaudern mit Papa Schwarz

Mich überkommt Müdigkeit. Ist doch schon arg spät. Vom Posen für Vati fragt sich Ina zum Posen in New York für Modemagazine durch (Jessica Schwarz hat eine zeitlang als Fotomodell gearbeitet). Es geht um Magersucht, schlechte Bezahlung, WG-Erfahrungen und um ihr Hotel in Michelstadt. Die Frauen fabulieren. Wo bleibt das Schauspielerleben der wunderbaren Jessica Schwarz, frage ich mich? Ina scheinen die Fragen auszugehen, und auch die Schlagfertigkeit. Der Shanti-Chor steht sich die Beine in den Bauch (seit drei Stunden!) und findet keinen Anlass mehr, an dem er einen Tusch dazwischen schmettern könnte. Ich denke: „Hey!“ 

Es dauert.

Endlich geht es um Schwarz‘ neue Rolle als krebskranke Frau in dem Film „Heiter bis wolkig“. Für diese Rolle habe sie arg hungern müssen, erzählt sie. Unterstützt hat sie dabei ein Arzt und eine Art Hormontherapie. Irgendwie verstehe ich den Zusammenhang nicht. Bin ich kurz eingenickt? Ich bin wirklich müde. Na jedenfalls durfte die Schauspielerin schon gleich nach dieser anstrengenden Rolle wieder reinhauen, Pasta satt essen, weil sie für eine andere Filmfigur viel zu dünn geworden war. Wie anstrengend! 

So faszinierend Jessica Schwarz auf der Leinwand ist, so wenig Esprit versprüht sie heute bei Inas Nacht, jedenfalls für mich, jetzt so gegen 1 Uhr. Aber wer ist um diese Nachtzeit schon noch frisch! Der Dialog zwischen den beiden driftet teilweise ins Banale ab. Ina schwächelt. Der Assistent gähnt. Ich auch. 

Wirtin Müller bringt Bier-Runde fünf. Noch eins vertrage ich nicht, denke ich belustigt. Das Publikum vor der Tür hat sich auch ausgedünnt. Nur noch die ganz Wackeren halten durch. Dann singt Ina noch fix ein Lied mit Jessica, die eine erstaunliche Stimme hat. Kai hat Spaß und filmt mit seinem Handy. Die Bierdeckelchenrunde hält Ina kurz. Sie kann offenbar nicht mehr. Denn als der Regisseur sie fragt, ob sie noch die Abschlussband interviewen möchte, wiegelt sie ab: „Ich hab keine Fragen mehr!“ Also Pause.

Ina raucht und lauscht gespannt ihrem Regisseur

Ina raucht und lauscht gespannt ihrem Regisseur

Die Abschlussband baut auf. Ina raucht. Guckt ernst. Dann Ansage, die Band spielt auf; Ina, Jessica und Kai tanzen und dann ist Schluss.  

Nach drei Stunden sabbeln, saufen und singen hat es Ina Müller geschafft. Es ist 1:30 Uhr. Sie hat alles gegeben, mindestens sechs Bier getrunken, dazu am Schnaps genippt, einige Zigaretten geraucht und den Laden gerockt. Das alles durchzuhalten? Auch noch vier Tage hintereinander? Respekt!

 

Drei weitere Aufzeichnungen folgen in den nächsten Tagen; dann sind die ersten neuen Sendungen von Inas Nacht im Kasten. Im Oktober startet die neue Staffel von Inas Nacht. Aus den viereinhalb Stunden Aufzeichnung bleibt am Ende eine Stunde übrig.    

 

Inas Nacht in Hamburgs ältester Seemannskneipe Schellfischposten

Inas Nacht in Hamburgs ältester Seemannskneipe Schellfischposten

 

 

Ein Interview mit der Wirtin und Eigentümerin des Schellfischposten Ulla Müller über Ina, ihre Rolle bei Inas Nacht, lärmende Gäste und frische Brötchen könnten Sie hier lesen: Ina und Frau Müller.

Fotos:  Dani Parthum

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KommtEssen! Zu Lisa!

Die Biokiste dürfte den meisten Bewohnern deutscher Großstädte ein Begriff sein. Doch die ist eigentlich ein alter Hut. Das Rad in Sachen Essenslieferung hat sich weitergedreht – wie ich auf einer Veranstaltung der Handelskammer unlängst erfahren durfte. Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Mittelstand und Social Media lernte ich Lisa Rentrop kennen.

Die gebürtige Schwedin ist Managerin, zweifache Mutter und Geschäftsführerin der Plattform „KommtEssen.de„. Das Prinzip dahinter erscheint Menschen wie mir (Arbeit, Familie, wenig Zeit!) bestechend: Das Team hinter KommtEssen.de kreiert jede Woche neue Rezepte und liefert die Zutaten dazu am Montag Abend nach Hause. Also: Das Grübeln über einen abwechslungsreichen Speiseplan (Brot?) entfällt, einkaufen entfällt, einzig kochen muss man noch. Wie heißt es bei KommtEssen.de: „Wir wissen, wie schwer es nach einem anstrengenden Tag sein kann, nicht doch zu einem Kompromiss zu greifen, der Tiefkühlpizza etwa. Doch das sollte nicht Ihr Anspruch sein. Seien Sie wählerisch! Nur das Beste für Sie und Ihre Familie. Jeden Tag!“

von Sandra Coy, 4. September 2012

 

Lisa Rentrop liefert Zutaten und Rezepte für leckeres Essen nach Hause.

Lisa Rentrop, Gründerin von KommtEssen.de

 

Ich bestellte also umgehend 3 Mahlzeiten für die laufende Woche online und traf dann Lisa Rentrop auf einen Kaffee im Hamburger Schanzenviertel, denn dort ist die deutsche Zentrale von KommtEssen.de.

 

Lisa, Supermarkt Shopping macht Dir keinen Spaß?

Kommt drauf an, wie viel Zeit ich habe… Als meine Tochter geboren wurde, war für nichts mehr so richtig Zeit. Und da erinnerte ich mich an Kicki und Viktor Theander, meine Studienfreunde aus Stockholm. Die beiden haben vor fünf Jahren die Plattform „Middagsfrid“ (deutsch: Essensfrieden) in Schweden gegründet. In Skandinavien arbeiten die Frauen viel, das Konzept, Essen nach Hause zu liefern, läuft also sehr gut. Ich selbst profitiere ja auch davon. Ich arbeite täglich bis 15.00 Uhr, hole dann meine Tochter aus der Kita ab, spiele mit meinem (Baby)Sohn, und nach dem Abendessen setze ich mich wieder an den Schreibtisch zur „Graveyard-Schicht“ bis Mitternacht. Dazwischen habe ich Zeit für die Kinder, da ich ja u.a. nicht einkaufen muss. 

Wie funktioniert KommtEssen.de?

Die Kunden können zwischen verschiedenen Lebensmittel-Tüten wählen. Man kann zwischen 3Mahl, 4Mahl und 5Mahl wählen. Alle Rezepte und Zutaten werden am Montag Abend geliefert. Mit dabei sind immer ein vegetarisches Gericht, einmal Fisch, einmal Fleisch. Alle Zutaten sind frisch und regional. Außerdem gibt es auch noch die Obsttüte – zumindest in Hamburg. Ich hoffe, sie in anderen Städten auch bald anbieten zu können. KommtEssen.de ist ein Abo ohne Mindestlaufzeit, jederzeit kündbar mit nur 7 Tage Vorlauf.

Wo kauft ihr ein?

Wir erobern gewissermaßen jede Stadt neu. Ich brauche in der Hauptsache immer zwei Lieferanten; denn Gemüse und Fleisch kaufen wir lokal ein. In Hamburg zum Beispiel beziehen wir die Ware vom Gemüsegroßmarkt und direkt vom Schlachthof. Einzig Fisch bestellen wir aus Nachhaltigkeitsgründen zentral über die Deutsche See. Wir achten dabei auf Art, Bestand und Fischereimethode und lassen uns von der WWF beraten.

Wie funktioniert die Logistik? Es geht hier um frische Lebensmittel und nicht wie beispielsweise bei Tchibo um vakuumverpackten Kaffee, der ja nicht schnell verdirbt.

Die Logistik ist tatsächlich unsere größte Herausforderung. Wir machen in den Städten zuerst Kühlflächen ausfindig, denn Fisch und Fleisch müssen durchgehend gekühlt werden. Und dann arbeiten wir mit Logistikpartnern, die über kleine Kühlautos verfügen. Mit deren „aktiver Kälte“, das heißt die Autos sind gekühlt, fahren wir die Produkte zu den Kunden. Das spart Verpackung, denn wir wollen nicht viel Plastik und Styropor um unsere Waren wickeln. Deshalb muss auch der Gemüsehändler die Ware direkt nach Rezeptangabe abwiegen, wir wollen jeden überflüssigen Müll vermeiden. Die Lieferung geht an unseren Packstationen quer durch Deutschland, die Packleiter bilden wir aus.

Woher stammen die Rezepte? Diese Woche gibt es bei euch zum Beispiel Champignon Hack Pfanne mit Ajvarreis oder Spinat-Ziegenkäse-Lasagne mit Krautsalat. Nicht typisch schwedisch!

Die Rezepte erstellt ein Team unserer Mutterfirma in Schweden. Dort wird unter Leitung einer Ökotrophologin gekocht, getestet und erneut dran gefeilt. Die Schweden erstellen dann auch zentral die Wochenblätter mit den Gerichten. Das ist insofern manchmal ein Problem, da wir weder Rentier noch Elch hier bekommen… Doch wir Schweden sind ja weltoffen, es gibt Rezepte aus aller Herren Länder, nicht nur Köttbullar und Lachs, wie man es von Ikea kennt!

Weche Rolle spielen Social Media Plattformen bei KommtEssen?  Ihr habt eine Facebook Seite, plant ihr darüber hinaus Maßnahmen? Wie wichtig ist euch der Kunden-Dialog?

Unsere Kunden sind das Wichtigste, was wir haben. Ohne sie dürften wir ja diesen tollen Job nicht machen. Es ist also sehr wichtig, dass wir für unsere Kunden erreichbar sind, dass wir erfahren was gut ankommt und was weniger gut – um an uns arbeiten zu können. Hier sind die sozialen Plattformen wie Facebook, Twitter und Konsorten wichtig. Wir wollen da sein, wo sich unsere Kunden bewegen.

Dein Lieblingsessen?

Fisch! Lachs auf Salzbett, Sushi, und als vegetarisches Beispiel – sehr lecker – rote Linsensuppe mit Kokosmilch.

Hast du eine Vision für KommtEssen?

Wir wollen organisch wachsen, und ich möchte ein Unternehmen aufbauen, in dem jeder gerne arbeitet. Mich hat immer das Motto „Wir behandeln jeden mit Respekt!“ gereizt, unsere Arbeitskultur soll auch unseren Alltag positiv beeinflussen.

 

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Madame L’Oreal.

 

Entschuldigen Sie, haben Sie kurz Zeit?“

Nein, nicht ich. Bitte nicht ich. Ich hasse Umfragen, Probeschminken, Saft testen und Suppen auslöffeln.

Diese Menschen machen einen harten Job, um ihr Geld zu verdienen und ich habe absolute Hochachtung vor ihnen. Aber meine Bereitschaft, Umfragern und Probeschminkern das Leben durch Rede und Antwort meinerseits zu erleichtern, ist in diesem Fall absolut gar nicht vorhanden.

Kleine Käsehäppchen gehen meistens noch. Die sind lecker, manchmal zu würzig, kommen aber meistens zur rechten Zeit, nämlich wenn ich Hunger hab‘.

Immerhin schaffe ich es inzwischen, freundlich, aber entschieden abzulehnen.

Nein, danke. Tut mir leid. Ich möchte den neuen Lippenstift nicht ausprobieren.“

Ich rette mich nicht einmal mehr in Notlügen, von wegen keine Zeit, muß das Kind von der Schule abholen oder dem Gatten das Badewasser einlassen. Meine Kinder gehen nicht mehr zur Schule und mein Gatte weiß selber, wie er mit einer Mischbatterie umzugehen hat. Nein, ich sage offen und ehrlich, dass ich etwas nicht möchte. Nein!

Ich bin stolz auf mich.

Wieso bin ich eigentlich hier? Ich meine, was wollte ich im Drogeriemarkt? Ich gehe zügigen Schrittes an Madame L’Oreal vorbei.

Naja, ein ganz klein wenig schlechtes Gewissen hab ich schon – aber sie nickt mir freundlich und keineswegs nachtragend zu.

Ich versuche mich anhand der Produktschilder, die über den Regalen hängen, zu erinnern, was ich kaufen wollte.

Kosmetik. Genau – das war’s. Ich brauche einen neuen Kajalstift, Peacock, nr. 45. Der Stift, über den ich mich jedes Mal beim Anspitzen ärgere, weil er so schnell abbricht, entsprechend schnell sich verbraucht, der aber so genial zu meinen blauen Augen passt, dass ich immer wieder den teuren Preis bezahle. Selbst in den Kühlschrank legen hilft nix – alter Schauspieler Trick. Das Ding bröselt, wenn man es aus Versehen zu weit anspitzt.

Also – der Stift kommt in den Einkaufskorb. Und wenn ich schon mal hier bin: Duschgel, Taschentücher, Kaugummi, na, was Frau eben so braucht. Nein, keine Tampons, hab ich noch. Slipeinlagen? Nein, hat die Hautärztin von abgeraten, lieber Baumwollslips – die Hautärztin ist fast siebzig.

Freundlich lächelnd ziehe ich an Madame L’Oreal vorbei zu den Kassen. Unsere Augen begegnen sich. Eine kleine cappucinofarbene Welle kräuselt sich zu mir rüber. Ich mag sie. Zwei Frauen, die ihren Mann stehen, und dabei Frau bleiben. Fast tut es mir leid, dass ich nie Lippenstift benutze.

Ich stelle mich an einer der Kassen an. Das tue ich grundsätzlich dort, wo es am längsten dauert – auch wenn die Warteschlange die kürzeste von allen zu sein scheint. Denn entweder muß gerade die Papierrolle gewechselt werden, ein Kunde besteht auf dem Sonderangebotspreis, der aber nicht ausgezeichnet ist oder ein Kind kotzt an der Kasse, weil es den Riesenschoko-Osterhasen in einem Zug aufgegessen hat, noch bevor er bezahlt war. Nun kann nur noch das Stück Folie mit dem verschlüsselten Preis über den Scanner gezogen werden und es wird per Lautsprechertaste nach einer Kollegin mit Wischeimer und Feudel gerufen.

Ich spüre Madame L’Oreal`s warme Ausstrahlung in meinem Rücken.

Das ist es! Na klar! Sie ist doch die Fachfrau. Sie hat sicher eine Lösung für mein Problem. Wenn schon kein Lippenstifttest, dann wenigstens eine fachliche Information in Sachen Kosmetik.

Ich zögere kurz – wer gibt schon gern seinen Platz in der Warteschlange an der Kasse auf – dann verlasse ich zur unverhohlenen Begeisterung meiner Hintermänner und –frauen meine Position und gehe auf Madame L’Oreal zu. Sie schickt mir ein offenes und warmes Lächeln entgegen.

Entschuldigen Sie, haben Sie kurz Zeit?“

Sie ist einen guten Kopf kleiner als ich, hat mittellange, rotgefärbte Haare und ein perfektes Make up. Wimperntusche, Kajal, dunkelroter Lippenstift. Schätzungsweise vierzig plus. Sie trägt einen engen schwarzen Rock, der knapp über’m Knie endet und einen schwarzen hüftlangen Blazer. Ein weißer Blusenkragen blitzt aus dem Blazer hervor. Das klassische „Beratungs-Dienstleistungs-Ich-will-Dir-was-verkaufen“ Outfit. Steht ihr ausgezeichnet! Unterhalb der linken Blazerkragenecke ein Firmenschildchen mit Namen: Frau Muriaz. In den niedrigen schwarzen Pumps stecken kurze, etwas dralle Beine in naturfarbenen Seidenstrümpfen.

Sie nickt. Charmanter Augenaufschlag.

Vielleicht können Sie mir ja weiterhelfen. Haben Sie eine Idee, warum mein Kajalstift so schnell beim Anspitzen abbricht?“

Charmanter Augenaufschlag meinerseits.

Nun, wie lange benutzen Sie denn Ihren Anspitzer schon?“

Ihre dunkle, sanfte Stimme umhüllt den professionellen Inhalt ihrer Frage wie dunkle Schokolade ein Praliné. Leichter südländischer Akzent.

Ähm, ich glaube, 10 Jahre …?“

Ich dachte, Kajalanspitzer halten ewig und in dem Glauben, eine solche Anschaffung nur einmal im Leben machen zu müssen, hatte ich auf diese Extraausgabe aus der Kosmetik-Abteilung von 1,75 € seit Jahren verzichtet.

Madame L’Oreal schaut mich verständnisvoll an.

Probieren Sie es doch einmal mit einem neuen Anspitzer. Das könnte verhindern, dass der Stift so leicht abbricht.“

Pause.

Das ist eine gute Idee. Daran könnte es liegen.“

Hinten rechts im 2. Gang bei den Kosmetika.“

Sie reicht mir ihre Hand.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“

Danke! Das wünsche ich Ihnen auch. Und danke für den guten Tipp!“ Ich drücke ihre schmale Hand und registriere dabei den dunkelroten Nagellack, passend zum Lippenstift.

Zurück in die Kosmetik-Abteilung getänzelt erwähle ich einen durchsichtigen, neongrünen Anspitzer mit Auffangkästchen zu meinem master of desaster.

Warteschlange, die zweite. Wie ich bereits sagte: egal wo … aber nein, ich stehe an zweiter Stelle und nichts scheint mein Vorrücken in die Pole Position verhindern zu können. Gerade als es soweit ist, steht Madame L‘Oreal neben mir. In der Hand eine kleine Kosmetik-Clutch aus schwarzem Paillettenstoff – ein Werbegeschenk von L’Oreal.

Moment mal, ich hab doch gar keinen Lippenstift gekauft?

„Für Sie.“

Wir sehen uns an.

Die Papierrolle an der Kasse muß gewechselt werden.

 

von Britta Haarmann
22. August 2012

Foto: ©soup studio – Fotolia.com

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Sturm bezwingt Wasserfrau Diana Nyad.

Sie lag gut in der Zeit bei ihrem erneuten Rekordversuch, von Kuba nach Florida zu schwimmen. 166 Kilometer!  41 Stunden und 45 Minuten war die Extremschwimmerin Diana Nyad im Wasser. Sie fühlte sich gut. Dann zwang sie am frühen Dienstagmorgen ein heraufziehender Sturm zur Aufgabe ihres Marathons im Wasser — einen Tag vor ihrem 63. Geburtstag.

 

Diana Nyad bei ihrem zweiten Rekordversuch

 

Vor 34 Jahren hat die US-Extremsportlerin Diana Nyad es schon einmal gewagt, die 166 Kilometer zwischen der Karibikinsel Kuba und den Florida Keys zu durchschwimmen. Damals scheiterte sie. Ein Jahr später aber reichte ihre Kraft — Weltrekord!

Am Sonnabend, 18. August, hatte sich das  “magische Fenster”, auf das sie gewartete hatte, aufgetan. „Magisches Fenster“ nennt Nyad das Zusammenspiel von guter Verfassung, optimaler Wetter-Vorhersage und ruhiger See. “Ich weiss, dass ich frieren werde. Ich weiss, dass ich auf alle möglichen Arten von Quallen treffen werde und dass die Nächte lang sein werden. Aber diesmal werde ich es schaffen”, sagt Nyad noch voller Überzeugung vor dem mit ca. 60 Stunden anvisierten Höllentrip.

In dem Blog Extreme Dream können Sie Dianas Rekordversuch nachlesen.

SAKIDA hat im Juni über Diana Nyads Wahnsinnspläne berichtet. Hier können Sie den Artikel nachlesen: Die Wasserfrau.

20. August 2012

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Ausgewählte Lese-Tipps im August

 

27. August  Was Strom wirklich kostet ...

… steht nicht auf der Stromrechnung. Seit die erneuerbaren Energien gefördert werden, gibt es die EEG-Umlage, die alle privaten Stromkunden zahlen. Sie wird derzeit von einigen Politikern für die steigenden Strompreise verantwortlich gemacht. Was sie dabei nicht erwähnen: die Subventionen für Atom- und Kohlestrom erscheinen nicht auf der Stromabrechnung. Sie werden über Steuergelder finanziert. Den so genannten Kohlepfennig kennen wir. Und klar ist auch, wer die Lagerkosten für die strahlenden Atomfässer z.B. in der Asse zahlt — nicht die Energiekonzerne, sondern wir Steuerzahler. 

Würde man diese Kosten, die die Allgemeinheit zu tragen hat, AUCH wie die EEG-Umlage auf die Stromrechnung schreiben, kämen 10,2 Cent pro Kilowattstunde zusammen, also fast dreimal so viel wie die derzeitige EEG-Umlage. Das hat Greenpeace zusammen mit dem Verband der Windenergie errechnet. 

Die Studie zeigt: Seit 1970 wurde die Steinkohle-Verstromung mit fast 180 Milliarden Euro gefördert, die Braunkohle mit 65 Milliarden Euro, die Atomkraft mit 190 Milliarden. Die Subventionen für erneuerbare Energien betragen bis heute 54 Milliarden!  

Auch wenn die Studie von den Befürwortern der erneuerbaren Energien geschrieben ist, versachlichen die genannten Zahlen die aufgeheizte Diskussion.

 

29. August  Frauen bleiben rar in Aufsichtsräten 

In den Kontrollgremien deutscher Unternehmen sitzen noch immer viel mehr Männer als Frauen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat bei den im Deutschen Aktienindex gelisteten Konzernen nachgezählt. Heraus kam ein Frauenanteil, der nur sehr langsam. Viele Männer haben dagegen gleich mehrere Mandate.     

 

20. August  Verschleierte Frauen im ägyptischen Fernsehen 

Maria-TV heißt der neue Fernsehkanal für islamische Frauen in Ägypten. Dort hören ägyptische Frauen Botschaften wie:  „Wenn dein Mann dich keines Blickes würdigt, sei nicht verärgert“.  Für Ägypten ist das neu. Und für die Unabhängigkeit der Frauen ein Rückschritt. 

 

18. August  „Die Illusion ist, dass es so weitergeht.

Sarah Wagenknecht hat der taz ein Interview zur Finanzkrise, zum Bankencrash und zu ihrem Charme gegeben. Unbedingt lesen, auch wenn die beiden fragenden Journalisten gerade am Anfang des Interviews wenig Intelligenz, dafür viele Vorurteile zeigen.   

 

8. August   „Wenn der ESM in Kraft tritt, hat Deutschland das Heft aus der Hand gegeben“ 

Die beiden Juristen Jörg Zehetner und Bettina Brück gehen mit dem ESM, dem Europäischen Stabilitätsmechanismus, hart ins Gericht. Geht es nach ihnen, ist der ESM verfassungswidrig. Und er würde die Eurozone zu einem „Selbstbedienungsladen“ machen. 

          Dazu passt der Artikel bei Heise:
          „Versteckte Risiken in den ESM-Verträgen.  

 

14. August  Nachruf auf Helen Gurley Brown: die radikal exzentrische Feministin  

Sie hat die US-Frauenzeitschrift „Cosmopoliton“ maßgeblich mitgeprägt. Ihre zentrale These war: Sexuelle Freiheit kann nur mit finanzieller Unabhängigkeit einhergehen. Am 14. August ist sie mit 90 Jahren in New York gestorben. 

 

30. Juli  Von wegen: Frauen und Kinder zuerst bei Schiffsunglücken 

Bei Schiffsunglücken gibt es keine Gentlemen. Männer interessieren sich nicht für das Wohl von Frauen und Kindern, und auch die Crew rettet vor allem sich selbst. Das ist in einer neuen Studie zu lesen. Besonders egoistisch verhalten sich die sonst so höflichen Briten! Da sieh mal einer an!

 

5. August  Die hohe Kunst des Telefonsex 

Aufschlussreiches und amüsantes Interview mit „Phonebitch“, einer Anbieterin anonymen Telefonsex — und Buchautorin.  

 

2. August  Warum Frauen länger leben 

Nicht nur beim Menschen, auch bei vielen Tierarten leben die weiblichen Geschöpfe länger. Warum das so ist, glauben Wissenschaftler jetzt zu wissen – nachdem sie Taufliegen-DNA untersucht haben. 

 

 

 

 

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Die Redenschreiberin.

PolitikerInnen reden viel und oft. Vieles, was sie dabei sagen, haben sie aber gar nicht selbst formuliert. RedenschreiberInnen erledigen das. Ein diskreter Job. Fast immer bleiben sie im Hintergrund und ihre Namen unerwähnt. Dabei formen RedenschreiberInnen das Bild von Politikern in der Öffentlichkeit mit.

 Parlamentarische Rede vor der Bürgerschaft

 

SAKIDA hat mit einer Redenschreiberin gesprochen, die einer hochrangigen Hamburger Politikerin die Redemanuskripte entwirft. Sie möchte anonym bleiben. Bevor sie angefangen hat, für PolitikerInnen zu texten, war sie Journalistin und Moderatorin im Radio und Fernsehen.

von Dani Parthum,  14. August 2012

 

Haben alle Politiker und Politikerinnen jemanden, der für sie die Reden schreibt?

Viele, vor allem die, die in Regierungsverantwortung stehen. Diese Politiker haben wahnsinnig viele Termine. Da geht das gar nicht anders. Außerdem müssen Politiker Fähigkeiten haben, zu denen nicht unbedingt grimmepreisverdächtiges Schreiben und Reden gehört. Natürlich ist es klasse, wenn jemand ein rhetorisches Naturtalent ist. Aber das gibt es nicht oft. Viele Politiker sind Juristen, die gern Juristen-Fachjargon benutzen. Damit kann man bei einer Rede niemanden begeistern. Deshalb ist es normal, dass es Leute wie mich gibt. Redenschreiber gab es ja schon im alten Griechenland.

Für eine gute Rede von zehn Minuten brauche ich etwa zwei Tage á sechs bis acht Stunden. Da ist die Recherche mit drin. Von den Planungsstäben erhalte ich Thema und Fakten, und dann versuche ich, das mit einer politischen Botschaft zu versehen und in einen schönen Guss zu bringen.

 

Das heißt, Politiker sagen gar nicht klipp und klar, was in ihren Reden auftauchen soll?

Das ist unterschiedlich. Bei politischen Reden im Bundestag oder der Hamburgischen Bürgerschaft ist das so, bei einem Grußwort zum Beispiel für einen neuen Roboter aber ist das nicht unbedingt nötig. Kein Politiker hat Zeit, über jedes Thema selbst lange zu recherchieren. Er muss nur mit den nötigen Informationen versorgt werden, damit er sich auf den Termin insgesamt vorbereiten kann.

Aber da will er oder sie ja nicht nur sagen, der Roboter kann das und das, ist so schwer und braucht so und soviel Watt. Diese Fakten bekomme ich als Redenschreiberin geliefert und nutze sie für eine übergreifende Idee. Dabei versuche ich herauszustellen, was das Besondere an dem Roboter ist, wie sehr er das Land voranbringt, und dass diese Technologie ein kleines Beispiel für die große Innovationskraft der lokalen Wirtschaft ist – gefördert vom Land. Das letzte wäre in diesem Grußwort dann die politische Botschaft.

 

Im Film „The Queen“ feilt Premier Toni Blair mit seinem Redenschreiber an jedem Wort im Manuskript. Ist das auch bei Dir so?

Nein. Ich hatte aber auch noch keine Regierungserklärung! Bei solchen Reden geht es oft hin und her, habe ich bei meinem Kollegen beobachtet, der Regierungserklärungen schreibt. Da entscheidet der Redner ganz viel selbst, sowohl beim Inhalt als auch bei der Form.

Der Politiker, für den ich bis vor kurzem geschrieben habe (ein für Hamburg sehr wichtiger, Anmerkung SAKIDA), arbeitet sehr hart am Text, weil er weiß, dass er nicht soviel Präsenz hat wie andere Politiker. Deshalb ist in seinen Reden sehr viel von ihm drin. Ich bin oft zu seinen Veranstaltungen gegangen, um mir die Reden anzuhören und zu schauen, wie kommt er mit meinem Text klar. Er hat auch viele Artikel geschrieben, aus denen sein Denkgebäude hervorgeht, und das habe ich immer wieder aufscheinen lassen, seine Kernbotschaften.

Ich habe aber auch von Kollegen gehört, dass es Politiker gibt, die nehmen, was sie kriegen, gucken sich den Text nicht weiter an, fahren los und lesen ihre Rede ab.

 

Gelingt Dir eine Rede besser, wenn Du den Redner magst oder sympathisch findest?

Mögen ist einfacher. Der Politiker, für den ich bis vor kurzem gearbeitet habe, war schwieriger zu fassen. Da war eine Distanz da. Vielleicht, weil er ein Mann ist. Jetzt schreibe ich für eine Politikerin, das geht viel besser.

Es ist für mich auch leichter, wenn ein kontinuierlicher Kontakt herrscht, wenn ich Rücksprache halten kann. Im letzten Feedback hat sie mir beispielsweise gesagt, meine Reden seien tendenziell etwas zu lang. Das war eine gute Ansage, da weiß ich jetzt, ich kann gleich von vornherein zwei Minuten abziehen.

 

Das heißt, zum Job gehört auch, die Eigenheiten Deiner RednerInnen zu studieren.

Klar, das macht die Dienstleistung Redenschreiben aus: Dass sie möglichst genau auf den Kunden, die Kundin zugeschnitten ist. Redenschreiben ist ja etwas sehr Persönliches, fast Intimes. Als ich mich beworben habe für meine aktuelle Stelle, habe ich mir Videos mit der Politikerin auf Youtube angesehen. Im Bewerbungsgespräch wurde ich dann gefragt: Wie schätzen Sie sie ein, was ist sie für eine Rednerin? Und da habe ich meinen Eindruck geschildert, was ihre Vorzüge sind, nämlich ihre tiefe, warme Stimme, und dass sie sehr deutlich und ruhig spricht. Aber in dem Moment, in dem sie vom Manuskript lässt, fängt sie an zu schwimmen. Zumindest wirkt es so.

Außerdem will ich wissen, ob es zwischen uns passt – flammende Worte für den Wiedereinstieg in die Atomkraft würde ich nicht schreiben! Definitiv nicht. Und nicht zu vergessen, das Publikum!

 

Das Publikum?

Ich versuche immer genau zu recherchieren, wer da sitzt und zuhört und welche Erwartungen die Zuhörer an die RednerIn haben.

Vor allem: Welche Fragen stellt sich das jeweilige Publikum. Wenn ich mich in die Zuhörer hineinversetze und ihre Fragen notiere, dann ergibt sich schon eine Gliederung und ich weiß, wo ich die Zuhörer abhole und wohin ich sie führen will mit dem Text. Ich nehme die Fragen also vorweg, die im Publikum auftauchen können, nehme sie auf und beantworte sie in der Rede. Das ist superspannend!

 

Wie hast Du das Reden schreiben gelernt?

Ich habe in Tübingen „Allgemeine Rhetorik“ studiert. Da lernt man unter anderem dieses ganze theoretische Rhetorik-System aus der Antike kennen mit allen Arbeitsschritten und Redeteilen. Die man als RednerIn oder RedenschreiberIn aber natürlich brechen kann.

Ich habe kürzlich Peer Steinbrück, unseren Ex-Finanzminister, auf youtube gesehen, beim Blankeneser Neujahrsempfang. Ein lustiger, informeller Termin. Dort sprach er völlig frei, reihte Anekdoten aneinander und alle im Raum lagen unterm Tisch. Das ist begnadet! Steinbrück ist dabei überhaupt nicht stringent. Und trotzdem rockt er so eine Versammlung. Er ist witzig, intelligent, aktuell. Das kriegt kein Redenschreiber so hin.

Für meine Tätigkeit hat mir das Studium aber sehr geholfen. Für jede Art von Textproduktion gilt im Grunde: Ich brauche einen Anfang, einen Mittelteil, einen Schluss. Den Anfang kann ich auch weglassen, das nennt sich dann “in medias res”. Gut sind immer drei Gedanken, am besten finde ich ein Motiv oder Zitat. Das muss zur Botschaft der Rede passen, und das nehme ich als roten Faden immer wieder auf.

 

Wer sich selbst am Reden formulieren und halten versuchen will: Was sind die gröbsten Fehler?

Es gibt viele Fehler: zu schnell reden, an den Hörern vorbei reden, Sprache benutzen, die nicht zum Publikum passt. Und: Die Zuhörer langweilen. In dem man nur Fakten herunterbetet oder Fachchinesisch verwendet. Das passiert durchaus oft!

Ich habe auch viel mit Juristen zu tun, die in den Behörden zum Reden schreiben eingesetzt werden. Viele von denen produzieren Schriftdeutsch und schreiben nicht für das Hören. Da war meine Radiozeit natürlich eine sehr gut Schule.

Oft fehlt auch eine übergreifende Idee. Ich habe kürzlich eine Rede gegengelesen, die gespickt war mit Zahlen, weil es um einen Hochleistungsrechner ging. Fakten reihten sich an Fakten, ohne roten Faden. Das langweilte. Ich habe dann vorgeschlagen, den Text unter den Gedanken zu stellen: Bei uns im Land konnte man schon immer gut rechnen, das zeigt dieses und jenes. Damit kann jeder etwas anfangen, ein übergreifender Gedanke, die Metaebene der Rede.

 

Gehst Du staatstragend durchs Zimmer, wenn die Rede fertig ist und trägst sie laut vor?

Ich spreche schon vor mich hin, um aufzupassen, dass ich Sprechdeutsch fabriziere und nicht Lesedeutsch. Aber dafür gehe ich nicht durchs Zimmer. Ich versuche mir aber immer den Redner vorzustellen, also zurzeit meine Rednerin. Das gelingt mir bei ihr gut. Sie hat eine sehr charakteristische, ruhige Art zu sprechen. Und doch ist es manchmal so, dass ich mich dabei ertappe, dass ich mich im Geiste selber höre. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht für die ehemalige Moderatorin schreibe, sondern wirklich für „meine“ Politikerin.

 

Deine Stelle läuft in wenigen Monaten aus. Was dann?

Ich bereite gerade meine Selbständigkeit als Redenschreiberin vor. Demnächst geht mein “rednernotdienst” online: Ein 24-Stundenservice, der sowohl komplette Redetexte, Hilfe beim Texten als auch Rhetorikcoaching bietet.

Im Studium fand ich den Journalismus immer spannender, aber jetzt habe ich das Redenschreiben für mich entdeckt. Ich würde gern weiterhin Politikerinnen und Politikern Worte in den Mund legen. Je nachdem, welches Ressort ein Politiker inne hat, wird eine Rede zur Eröffnung der Sternwarte gebraucht, wo ich mit Astrophysik glänzen kann, oder eine Rede über Bildungspolitik; dazu Wahlkampfreden und die vielen Grußworte, gern auch vor dem berühmten Kaninchenzüchterverein. Diese Bandbreite ist unglaublich spannend! Außerdem möchte ich neue Auftraggeber in der Wirtschaft akquirieren.

 


 

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Frauenquote.

Die Juristinnen wollen es wissen: Wie steht es mit der Frauenquote in den Konzernen? Um das herauszufinden, besuchen sie die Hauptversammlungen der an den deutschen Börsen gelisteten Firmen und stellen Fragen. “Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung” nennt der Deutsche Juristinnenbund diese Aktion. Die Bilanz nach drei Jahren fällt nüchtern aus.

Ein Interview mit der Rechtsanwältin Birgit Kersten, die an der Aktion des Deutschen Juristinnenbundes e.V. maßgeblich mitarbeitet.

von Dani Parthum, 5. August 2012

 

Aktionärinnen fragen nach Frauenquote und Gleichberechtigung.

Klartext reden:  Juristin Birgit Kersten

Der Juristinnenbund besuchte als letztes Ende Juli die Hauptversammlung der Heidelberger Druckmaschinen AG. Ihr Fazit für dieses Jahr, Frau Kersten: mehr Gleichberechtigung, bessere Frauenquote?

Die Änderungen bewegen sich im einstelligen Bereich – das ist erfreulich, aber immer noch viel zu gering. Bei den DAX-30-Unternehmen sind in diesem Jahr gegenüber 2011 mehr Frauen in den Aufsichtsräten und Vorstände vertreten. Die Zahlen sind aber immer noch sehr niedrig. In den DAX-30-Unternehmen sind nur in 10 Unternehmen Frauen im Vorstand. Daran lässt sich ablesen, dass Frauen bei weitem noch nicht gleichberechtigt vertreten sind. Bei der Siemens AG und der Deutschen Telekom AG gibt es zurzeit jeweils 2 weibliche Vorstände. Das finden wir vorbildlich.

 

Und auf den anderen Führungsetagen unterhalb von Vorstand und Aufsichtsrat? Wo steht da die Frauenquote?

Das werten wir gerade aus. Wir waren auf 76 Hauptversammlungen und haben jeweils gefragt „Wie hoch ist der Frauenanteil in der Belegschaft?“ und “Wie hoch in den vier Führungspositionen unterhalb des Vorstands?“. Diese und andere Zahlen vergleichen wir nach der Auswertung mit den Vorjahren und publizieren sie in einer Studie, die wir am 28. November 2012 im Stiftungsforum der Allianz in Berlin vorstellen.

 

Können Sie schon sagen, wo sich am meisten tut? In den 30 DAX-Konzernen oder bei den kleineren Firmen, die im Tec-DAX und S-DAX gelistet sind? Im Mittelstand führen ja viele Frauen große Belegschaften.

Ich habe den Eindruck, dass mehr Neubestellungen im Aufsichtsrat und im Vorstand in den DAX-30-Unternehmen erfolgen, in den M-, Tec- und S-DAX-Unternehmen scheint es langsamer voranzugehen. Die DAX-30 stehen mehr unter öffentlicher und politischer Beobachtung. Sie werden ins Kanzleramt bestellt, müssen Ziele benennen und befürchten vielleicht auch, dass neue Regeln zur Gleichberechtigung von der EU-Kommission diktiert werden.

 

Sie stellen auf den Hauptversammlungen den Vorständen und Aufsichtsräten Fragen. Welche zum Beispiel?

Wir erarbeiten jedes Jahr einen Fragenkatalog. Dabei unterstützt uns Frau Professorin Victoria Koch-Rust von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. In diesem Jahr wollten wir vor allem die Ziele der Unternehmen hinterfragen, die sie sich auf dem Quotengipfel im Kanzleramt im vergangenen Jahr gesetzt haben. Darüber hinaus fragen wir nach Fördermaßnahmen für Frauen mit Ambitionen auf einen Aufsichtsrats- oder Vorstandsposten. Und wir fragen nach Boni, ob und wie diese an entsprechende Maßnahmen gekoppelt sind. Jeder Fragenkatalog wird darüber hinaus an das jeweilige Unternehmen angepasst, zum Beispiel, wenn in einer Firma ein männliches Vorstandsmitglied neu benannt worden ist, dann möchten wir wissen: „Hat auch eine Frau zur Auswahl gestanden?“.

Wir setzen auch Themen des vergangenen Jahres noch mal auf die Agenda. 2011 hatte sich der Deutsche Corporate Governance Kodex geändert – das sind Verhaltensregeln für gute Unternehmensführung. Die Firmen sollten Frauen im Vorstand berücksichtigen. Voriges Jahr mussten wir feststellen, dass wenig Bereitschaft bestand, am bestehenden Status etwas zu ändern. In diesem Jahr sah es etwas besser aus.

 

Frauenquote und Gleichberechtigung? Reine Männerriege bei der Bayer AG

Männer unter sich im Vorstand und Aufsichtsrat bei der Bayer AG

Wie reagieren die meist männlichen Aktionäre, Vorstände und Aufsichtsräte auf Ihre Fragen nach mehr Gleichberechtigung? Applaus oder „Chauvi“-Sprüche?

Die Aktion ist ja nicht mehr neu. Im ersten Jahr war das schon eine große Überraschung. Da kamen sowohl aus dem Publikum als auch vom Podium her teilweise Aussagen, die wir nicht gut fanden. Aber das hat sich gewandelt. Gleichberechtigung ist ein Thema geworden, das auf die Hauptversammlungen gehört, was akzeptiert und respektiert wird. Es kommt mal vereinzelt ein Buh-Ruf, aber auch viel positive Resonanz. Im ersten Jahr unserer Aktion, 2010, haben wir uns einiges anhören müssen, zum Beispiel: „Die Frauen sollen erstmal mit Lego spielen, bevor sie sich auf solche Positionen bewerben!“. Das gibt es nicht mehr. Manche Vorstände sagen heute schon eher: „Wir möchten auch mal gelobt werden! Es hat sich bei uns doch schon viel geändert!“ Andere wiederum konnten sich Sätze nicht verkneifen wie diesen: „Verschonen Sie uns bitte im nächsten Jahr mit Ihren Fragen!“

 

Erhalten Sie Flankenschutz von anderen Aktionären?

Wenn das Podium rein männlich besetzt ist, also Vorstand und Aufsichtsrat, wird das Thema Gleichberechtigung auch von Aktionärsschutzvereinigung aufgegriffen. Da bewegt sich etwas. In diesem Jahr haben auch die Belegschaftsaktionäre der Siemens AG selbst einen Antrag auf Satzungsänderung gestellt. Sie wollten, dass im Aufsichtsrat immer Frauen vertreten sein müssen. Der Antrag hat aber nicht ausreichend Stimmen erhalten. Immerhin haben aber über sechs Prozent der anwesenden Siemens-Aktionäre dafür gestimmt. Ein Achtungserfolg!

 

Wann wäre für den Juristinnenbund die Gleichberechtigung in den Unternehmen erreicht?

Unsere Forderung liegt tatsächlich bei „40 Prozent“ weiblicher Führungskräfte in allen Verantwortungsbereichen eines Unternehmens. Dann würden wir die Unternehmen sehr loben! (lacht)

 

Was erwarten Sie sich gesellschaftlich von einer Gleichberechtigung – nachhaltigeres Wirtschaften? Geht es Ihnen als Juristinnen auch darum?

Für uns ist der jetzige Zustand eine große Ressourcenverschwendung. Wir Frauen werden gut ausgebildet und dann geht es nicht mehr weiter. Auch bei Ingenieurinnen heißt es ja immer, es gibt zu wenige davon. Dabei stehen eine Menge Ingenieurinnen bereit! Es geht uns in erster Linie tatsächlich um die gleichberechtigte Teilhabe.

Die Frauen, die sagen, „Ich möchte Managerin werden“, „ … eine hohe Führungsposition erreichen“, „ … Vorstand werden“, die sollen auch die Möglichkeit dazu haben. An der Ausbildung liegt es nicht. Teilhabe: darum geht es. Alles andere sind positive Begleiterscheinungen.

Zum Beispiel, dass mit Frauen an den Schalthebeln der Macht eine andere Sicht in ein Unternehmen kommt und oft ein anderer Führungsstil. Das belegen Studien. Und: Gemischte Teams erzielen oft bessere wirtschaftliche Ergebnisse.

 

Sie fordern eine feste Frauenquote, Bundesfamilienministerin Schröder dagegen eine flexible. Und doch fördert das Ministerium sie finanziell. Wie passt das zusammen?

Es gibt ja einen Stufenplan der Bundesregierung. Es geht um Transparenz und um Berichtspflichten, die Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen und immer wieder nachzuhaken und dazu zu bewegen, freiwillig etwas zu tun. Dazu tragen wir bei. Deshalb werden wir gefördert. Mit unserer Forderung, unabhängig von unserem Projekt, halten wir nicht hinter dem Berg: Entgeltgleichheit, Quote, 40 Prozent Frauenanteil unter den Führungskräften.

 

Wie lange läuft die Kampagne „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ noch?

Ein Jahr werden wir noch gefördert. Im nächsten Jahr finden viele Aufsichtsratswahlen statt und da sollen sich die Vorstände und Aufsichtsräte noch einmal mit unseren Fragen und Anliegen auseinandersetzen müssen.

 

Hat das europäische Ausland uns in Sachen Gleichberechtigung in der Wirtschaft viel voraus?

Wer vorangeht ist Norwegen. Dort wurde 2008 ein Gesetz in Kraft gesetzt, das eine Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten festschreibt. In Spanien gibt es auch seit 2007 eine gesetzliche Verpflichtung für die Verwaltungsräte, und seit 2011 in Frankreich. Bis Anfang 2014 müssen in Frankreich 20 Prozent Frauen in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten vertreten sein, das heißt, bei fünf Männern jeweils eine Frau, ab 2017 sollen es 40 Prozent sein.

Die Quoten beziehen sich aber alle auf die Verwaltungs- oder Aufsichtsräte, nicht auf Vorstände oder Direktorenebene. Es ist ein Anfang.

Viele Länder arbeiten auch mit Corporate Governance-Regeln – das sind Empfehlungen für eine gute Unternehmensführung. Das reicht aber nicht. Die Bundesregierung hat 2001 mit den Spitzenverbänden der Privatwirtschaft vereinbart, dass die Wirtschaft sich eigene Ziele setzt, mehr Frauen zu fördern. Die Ergebnisse aber sind schlicht nicht sichtbar!

 

Wenn Sie sich für die Aktion interessieren, weil Sie beispielsweise auch Aktien deutscher Firmen halten, dann können Sie unter diesem Link alles zur Aktion des Juristinnenbundes e.V. lesen. Dort sind auch die Auswertungen der Jahre 2010 und 2011 zu finden. 

 

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So Bitte Nicht: 10 No-Gos.

Älter werden wir alle — geschenkt! Bitte aber mit Stil, sagt Uta König, selbst Anfang 60, lebenslustig, beruflich aktiv, mit zwei Laptops ausgestattet. Uta kennt selbst einige dieser „Begleiterscheinungen“ des Alters: die Falten, die schwindende Spannkraft an Po und Brüsten, die nicht mehr passen wollenden Klamotten und so manches Zipperlein. Und deshalb darf sie hier diese Zehn No-Gos aufschreiben — So Bitte Nicht! 

 

Zehn No-Gos 
für Frauen (und Männer) im gewissen Alter 

No-Gos im gewissen Alter: kurze Hose, Traeger-Tops

 

 

 

 

 

 

 

 

Erstes  
Früher war alles besser!
Wenn Sie junge Menschen vergraulen wollen, dann müssen Sie diesen Satz immer wieder in die Unterhaltung einstreuen. Irgendwann will ihn niemand mehr hören.

 

Zweites   
Sie sehen viel jünger aus!
Dummer Spruch, reserviert für Frauen ab 50.
Ältere Männer bleiben drahtig, sportlich fit. Auch eine Lüge.

 

Drittes
Wir mögen es sportlich-schick!
Alte Ehepaare zeigen sich im Urlaub gern im Partnerlook. Die unvorteilhaften Trainingsanzüge mit passender Schirmmütze werden ab 60 gern im Doppelpack gekauft.

 

Viertes
Kurze Hosen, das Outfit für heiße Tage!
Eine Zumutung! Die hässlichen Beine von Männern im fortgeschrittenen Alter

lassen sich problemlos unter luftigen langen Hosen verbergen.

 

Fünftes
Jammern über die welke Haut an den Oberarmen.
Hören Sie auf damit, tragen Sie lieber ein T-Shirt mit kleinem Ärmel!

 

Sechstes
Ein Vergrösserungsspiegel im Bad!
Entfernen Sie diesen. Ihre Stimmung wird sich morgens sofort heben, wenn Sie Ihre Falten nicht mehr scharf sehen!

 

Siebtes
Das Motto-T-Shirt der Tochter
Freuen Sie sich, wenn Tochter oder Enkelin ein T-Shirt aus Ihrem Schrank klaut. Widerstehen Sie aber der Versuchung, deren Kleiderschrank zu plündern. Als verkleidetes Knallbonbon wirken Sie nicht jung und nicht cool — nur peinlich.

 

Achtes
Hören Sie auf, mit Ihren Sex-Geschichten zu prahlen!
Es interessiert niemanden, ob Sie früher im Büro die „Sex-Biene“ oder der „tolle Hecht“ waren. Im günstigsten Fall ernten Sie ein paar Lacher.

 

Neuntes
Selbstmitleid? Schluss damit!
Wer ständig in sich hineinhorcht, jedes Wehwehchen als gesundheitlichen Gau wahrnimmt, ist auf dem besten Weg, sich den Stempel „ältlich“ zu verpassen.

 

Zehntes
Sie sind so jung, wie Sie sich fühlen!
Falsch. Sie bleiben 60, auch wenn Sie sich wie 20 fühlen. Die gute Nachricht ist aber: Gefühle kriegen keine Falten!

 

 

 

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Weiße Zähne und kolossale Pappbecher.

Kalifornien ist für die Hamburgerin Stephanie Lavoie immer ein Traumziel gewesen. Seit nunmehr fünf Jahren lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in dem, wie sie selbst sagt, „aufregendsten aller US-Staaten“. Jedes Jahr im Sommer kommt Stephanie für ein paar Wochen auf Deutschland-Besuch, wohnt in ihrer alten Studentenbude und beobachtet ihre Landsleute. Mit einem Lächeln hat sie für SAKIDA einiges notiert, was ihr dabei aufgefallen ist:

 

Gelbe Zähne. Die Deutschen haben gelbe Zähne!

Sogar meine super hippe Freundin, die für einen internationalen Modekonzern arbeitet und damit täglich im Dienste der Schönheit tätig ist, hat vergilbte Zähne. „Schon mal was von Wasserstoffperoxid gehört?“, möchte ich sie fragen, als wir uns in unserem Lieblings-Cafe zum ersten Mal wieder gegenüber sitzen. Aber die Frage verkneife ich mir dann doch lieber, gucke stattdessen zum Nachbartisch und registriere dort eine junge Frau, die ihren männlichen Begleiter anstrahlt. Auch sie hat auffallend gelbe Zähne. Oder sollte ich sagen „natürlich gelbe Zähne“?

 

Gelbe Beißcherchen

Gelbe Beißcherchen

Letztere scheint es in Kalifornien nicht zu geben. Dass im „Golden State“ der USA jeder mit chemisch gebleichten Beißerchen durch die Gegend rennt, fällt mir schon gar nicht mehr auf. Dass in Deutschland die meisten Menschen ein gelbliches Gebiss haben dafür umso mehr. Ästhetisch schön finde ich das nicht. Aber natürlicher ist es allemal. Und eigentlich bin ich ein ausgesprochen natürlicher Typ. Ich kann mich mit den obligatorischen „fake boobs“, den operativ gemachten Oberweiten, in meiner zweiten Heimat genauso wenig anfreunden, wie mit den vielen Botox-Gesichtern in Kalifornien!

 

Aber um nochmal auf das in Deutschland weit verbreitete Phänomen der vergilbten Zähne zurückzukommen – Rauchen sorgt bekanntlich auch für eine gelbe Verfärbung. Und das ist das nächste, was mir in meinem über alles geliebten Hamburg auffällt:

 

Die Leute rauchen. Und zwar in der Öffentlichkeit! Und es ist ihnen nicht einmal unangenehm! 

Mein Vater (vor Jahren an Lungenkrebs gestorben) hat früher pro Tag locker zwei Schachteln ohne Filter weggequarzt. Damit bin ich aufgewachsen. In den mittlerweile acht Jahren, die ich in den Vereinigten Staaten lebe, habe ich nicht ein einziges Mal jemanden in der Öffentlichkeit schmöken sehen. Natürlich gibt es auch in den USA Millionen von Rauchern. Auf offener Straße eine Zigarette zu rauchen, ist in Kalifornien allerdings verpönt. Und daran habe ich mich schnell gewöhnt.

 

Denken Sie nun bitte nicht, ich nörgele an allem rum, was mir beim alljährlichen Besuch in meinem Geburtsland auffällt! Während ich dies hier schreibe, süffele ich genüsslich mein 0,2l-Glas Bionade – ohne die zwölf Eiswürfel, die in Kalifornien jeden bestellten Softdrink verwässern. Geschmack dort drüben: Fehlanzeige!

 

Der 1-Liter-Kaffee-to-go-Becher

Der 1-Liter-Kaffee-to-go-Becher

Was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zählt, ist die Quantität. Starbucks hat in den USA gerade eine neue Becher-Größe eingeführt. „Coffee to go“ gibt’s dort jetzt im „Trenta“-Format. Der kolossale Pappbecher umfasst sagenhafte 916 ml. Das entspricht ziemlich genau dem Fassungsvermögen eines durchschnittlichen menschlichen Magens. Kein Wunder, dass die Amis immer auf Achse sind – bei dem Koffein-Konsum!

 

Wir Deutschen dagegen wissen noch, was es heißt zu genießen. Und was es heißt zu relaxen!

Schuften: ja! Aber sich was dafür gönnen eben auch! Hier wird einem nicht gleich die Rechnung auf den Tisch geknallt, wenn man den letzten Bissen seines Mahls in einem exquisiten Restaurant runtergeschluckt hat. Nach dem Verzehr des Essens darf der Gast noch verweilen. Wir Deutschen sitzen gern gemütlich beisammen und schwatzen. Das ist pure Lebensqualität.

 

Im Land der Gründlichkeit und Industrienormen bleibt auch mal das Smartphone zuhause liegen, ohne dass dessen BesitzerIn gleich in Panik ausbricht, weil er/sie nicht ständig die neuesten Push-Nachrichten und den aktuellen Facebook-Status der Freunde checken kann. Ich habe etliche kalifornische Bekannte, deren Iphone schon mal ins Klo gefallen ist. Sie haben richtig gelesen: ins Klo! Smartphone-Obsession nennt man das. Selbst auf der Toilette können die Amis nicht ohne.

 

Eine Studie hat gerade ergeben: Jeder fünfte US-Amerikaner greift nach dem Sex als erstes zum Iphone oder zum Blackberry. Keine Angst, ich werde das hier jetzt nicht ausführen, aber glauben Sie mir: Wenn mein Mann … Na, der könnte was erleben!

 

Ich gebe zu, manchmal bin auch ich ohne mein Smartphone aufgeschmissen. Neulich sind wir im Park, fragt mich meine Tochter: „Können Schmetterlinge eigentlich lachen?“ Im WiFi-durchsetzten Kalifornien (zu Deutsch: W-LAN) hätte ich die Antwort sofort gegoogelt. Hier in Deutschland lasse ich mein Iphone gerne mal auf dem Küchentisch liegen. Nicht erreichbar zu sein, dieser Zustand existiert im hektischen Amerika nicht. Ich stelle aber fest: Mitunter fühlt es sich tatsächlich gut an, mal nicht erreichbar zu sein!

 

Delikat und scharf -- und sehr deutsch.

Delikat und scharf — und sehr deutsch.

Apropos Supermarkt. Am ersten Sonntag unseres Deutschland-Aufenthalts standen wir doch prompt vor verschlossenen Ladentüren. Wer die meiste Zeit des Jahres im Land des „open 24/7“ lebt, vergisst gerne mal, dass die Verbraucher in Deutschland sonntags keine Lebensmittel erwerben können, außer im Notfall an der Tanke. Dabei ist der allgemeine deutsche Kühlschrank doch so klein. Und er verlangt ständig danach, gefüllt zu werden, vor allem, wenn man solch nimmersatte Kinder hat wie ich.

 

Mein deutscher „Liebherr“ ist nicht mal halb so groß wie unser Ami-Fridge (Refridgerator = Kühlschrank). Ich liebe dieses Teil, es ist so klassisch amerikanisch. Mit Eiswürfel-Maschine, versteht sich. Und es passt unglaublich viel rein: diverse Gallon (je 3,78 l) Milch genauso wie das gigantische Pickle-Glas (sensationelle 4 kg Gewürzgurken) und der Karton mit den 18 Eiern.

 

Alles ist groß in den Vereinigten Staaten, größer als anderswo. „Supersize“ nennen die Amerikaner das.

Selbst das gewöhnliche Huhn legt in den USA größere „mittelgroße“ Eier als seine deutschen Artgenossen. Die Ami-Eier haben (laut Nährwertangaben) allerdings weniger Kalorien und sind länger haltbar als die Eier hierzulande. Fünf Wochen aufbewahren – kein Problem! Meine Eierfrau auf dem Volksdorfer Wochenmarkt kann da nur angewidert den Kopf schütteln: „Aber das gibt’s doch gar nicht“, schnappt sie nach Luft, als ich ihr vom amerikanischen Super-Ei erzähle. Doch, das gibt’s, glauben Sie’s mir! Unmengen von Konservierungsstoffen machen es möglich. Aber ganz ehrlich, darüber möchte ich lieber gar nicht nachdenken.

 

Hach, es ist herrlich mal wieder in Deutschland zu sein!

Ich gönne mir jetzt erstmal eine schöne Scheibe Vollkornbrot mit Quark. Für mich ist das typisch deutsch! Vollkornbrot: können die Amis nicht. Quark: kennen die Amis nicht. Mmmm, lecker!  

 

von Stephanie Lavoie, Wahl-US-Bürgerin, Journalistin, geschrieben Mitte Juli 2012 irgendwo in Hamburg   

 

 

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Ausgewählte Lese-Tipps im Juli

 

24. Juli  Diese Frauen waren im Weltall

Aus Anlass des Todes der ersten US-Raumfahrerin Sally Ride (gestorben 23. Juli), hat die Huffington Post eine Bildergalerie aller Frauen zusammengestellt, die die Erde schon von oben gesehen haben. Starke, mutige, sympathische Frauen.  Der Klick lohnt sich. 

 

17. Juli  Frau an Spitze der Afrikanischen Union

Als erste Frau in der Geschichte der Afrikanischen Union ist Südafrikas Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma an die Spitze des Staatenbundes gewählt worden. Die 63 Jahre alte Ärztin gilt als ungeduldig und anspruchsvoll — und durchsetzungsstark. 

 

5. Juli  Wenn Frauen auf die große Macht verzichten

Anne-Marie Slaughter ist als Mitarbeiterin von Hillary Clinton zurückgetreten — der Kinder wegen. Feministinnen empfinden ihre Begründung als Verrat. Jetzt wehrt sie sich, denn am Herd steht sie trotzt ihres Rücktritts nicht. Ein gelungener Artikel über eine sehr reflektierte Frau. 

 

16. Juli  Wir korrupt geht es in Deutschland zu? Viel mehr, als wir ahnen.

Korruption schadet dem Gemeinwohl. Gemeinhin denken wir beim Stichwort Korruption an Griechenland oder Italien und an Bauunternehmer oder Konzerne, die sich Aufträge durch Bestechung besorgen, siehe Siemens. Doch das blendet aus, welche Entscheidungen die Politik zu Gunsten einzelner Interessen oder Personen getroffen hat — gerade in den vergangenen Jahren. Albrecht Müller mit Beispielen zur weit verbreiteten politischen Korruption in Deutschland .  

 

11. Juli  Das Märchen vom Strompreisanstieg

Die großen Stromkonzerne, viele Politiker und manche Journalisten behaupten immer wieder: Der Ausbau der deutschen Grünstromkapazitäten führe zu steigenden Strompreisen und drohe, sie weiter nach oben zu treiben. Eine Falschaussage, wie der   ECOreporter.de in zwei akribischen Analysen herausgearbeitet hat, zu lesen hier und hier kommentiert der Chefredakteur.

 

23. Mai  „Frauen schätzen Gleichheit“

Sagt die Ex-Politikerin und Gründerin des Familienservice Gisela Erler. DER ZEIT hat sie im Mai ein überaus lesenswertes Interview gegeben, in dem sie fordert: weniger Hierarchie, weniger Konkurrenz in Unternehmen; sie müssten sich mehr den weiblichen Eigenschaften anpassen.

 

16. Juli  Befristete Jobs sind vor allem Frauensache

Fast jeder zehnte Bundesbürger ist befristet beschäftigt. Bei Neueinstellungen sogar jeder zweite, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Betroffen davon: vor allem Frauen. 

 

Petra Joy gilt als „Frontfrau“ des weiblichen pornographischen Films. Im Interview mit Süddeutsche.de erklärt die Filmproduzentin, wie Sexfilme für Frauen funktionieren und warum das Buch „Shades of Grey“ eine antifeministische Mogelpackung ist.                      

 

10. Juli   Frauen im SUV haben mehr zu bieten

Wir SAKIDAs haben uns oft gefragt, wer sich diese dicken, die Straßen vollstopfenden Luxus-Geländewagen — genannt SUV (eSjUVie) — anschafft und warum?? Es sind vor allem Frauen über 40. Sagt der Werberat. Denn SUVs sind die Auto-gewordenen Lösung, sich weiterhin alle Möglichkeiten offenzuhalten. Da dann! 

 

.. und hier noch ein Gespräch über Eifersucht, geführt schon 2007, aber Eifersucht ist ja immer aktuell. Sehr lesenswert: 

9. November  Er hat eine andere – wie schön!

Kann man mehrere Menschen zur gleichen Zeit lieben? Paartherapeut Markus Bärlocher sagt: Kein Grund zur Trennung, sondern zur Freude.                       

 

 

  

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Die Kurzzeit-Väter.

Die Juni-Pressemeldung klingt gar nicht schlecht: Es gehen mehr Väter in Elternzeit, hat das Statistische Bundesamt für 2010 gezählt. Für jedes 4. geborene Kind hat der Vater Elterngeld in Anspruch genommen. Holen die Väter also auf beim ganztägigen Windeln wechseln, füttern, Babywiegen?

Das hat sich auch der Datenjournalisten Björn Schwentker gefragt, selbst noch bis vor kurzem engagierter Ganztagspapa einer wenige Monate alten Tochter.

 

Bjoern Schwentker

 

Björn, dass jeder 4. Vater eines Neugeborenen Elterngeld erhält, vier Jahre nach dessen Einführung, — ist das für Dich ein Grund zur Freude oder doch immer noch „nur ein Anfang“? 

Björn: Ein Anfang ist es. Es ist aber sehr ärgerlich, dass die 25,3 Prozent der Väter – so die genaue Zahl –, die 2010 Elterngeldzeit genommen haben, von Medien und Politik als Erfolg des Elterngeldes gefeiert werden. Das sollte ja einmal mehr Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern schaffen. Davon sind wir aber noch meilenweit entfernt, wenn man die Zahlen richtig interpretiert.


Wie steht es denn wirklich um die Gleichberechtigung am Wickeltisch?

Björn: Es nehmen zwar jedes Jahr ein bisschen mehr Papas Vaterzeit, aber dafür auch immer kürzer. Wenn man bedenkt: 25 Prozent der Väter haben 2010 im Schnitt nur etwas mehr als 3 Monate lang Elterngeld erhalten, die große Mehrheit der Papas – die übrigen 75 Prozent – haben keins erhalten. Dadurch kommt man im Bundesdurchschnitt auf gerade mal 0,85 Monate pro Neugeborenem. Und das ist ziemlich dürftig. Ich nenne das Land ohne Väter.

 

Trotzdem ist die Entwicklung doch positiv, wenn jedes Jahr mehr Männer zuhause bleiben … ?

Björn: Klar! Das ist toll, und das Elterngeld im Prinzip das richtige Instrument. Aber wo stehen wir in Deutschland denn heute? In den nordischen Ländern liegen die Quoten bei 90 Prozent. Dort sind Mann und Frau der gerechten Aufteilung der Elterngeldzeit viel näher: In Schweden zum Beispiel nehmen Männer knapp ein Viertel der insgesamt beantragten Zeit, in Island sogar ein Drittel. In Deutschland gerade mal 7 Prozent. 93 Prozent bleiben für die Mütter. Das ist fast alles.

 

Auch die Neuen Väter leben also das alte Rollenmodell. Liegt es an den Papas, den Mamas oder … der Stimmung in der Wirtschaft? 

Björn: Gute Frage. Es liegt an allem. Denn unser Rollenmodell ist eine kulturelle Frage. Und da spielt mit rein, wie repressiv Arbeitgeber immer noch mit Männern umgehen, die in Vaterzeit gehen wollen, wie schlecht die Kita-Situation immer noch ist, dass junge Väter immer noch glauben, alleine die Familie ernähren zu müssen, dass Frauen hingegen glauben, das Kind sei bei ihnen am besten aufgehoben, und vieles mehr. All das prägt, was als normal angesehen wird. Und weil wir uns nach unserer Vorstellung von Normalität verhalten, zementieren wir so das Rollenbild.

 

Das klingt, als sei keine Veränderung möglich – oder eben extrem langsam?

Björn: Doch, Kulturwandel ist möglich! Nur sind die alten Vorstellungen in Deutschland ganz besonders tief verwurzelt. Man denke an die aktuelle Debatte über das Betreuungsgeld, über die lange Diskussion, ob man Kindern eine „Verwahrung“ in Kitas überhaupt zumuten darf, oder an den berühmten deutschen Begriff der „Rabenmutter“. Wir schaffen es nur, von diesen Vorstellungen loszukommen, wenn die Politik eine starke Rolle dabei spielt und eine klare Richtung mit eindeutigen Regeln vorgibt.

 

Das versucht sie ja mit dem Elterngeld und den Partnermonaten. Zu zögerlich?

Björn: Offensichtlich reicht das nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir noch 40 Jahre auf eine einigermaßen vorzeigbare Gleichberechtigung wie in Schweden warten wollen. Dort gibt es das Elterngeld nämlich seit 1974. Wenn wir schneller mehr Papas in längerer Väterzeit sehen wollen, müssen wir mindestens den Anteil der Partnermonate an den 14 Elterngeld-Monaten erhöhen. Noch besser wäre ein Modell ähnlich dem in Island: Drei Monate sind dort ausschließlich für die Mütter und weitere drei nur für den Vater vorgesehen. Nochmal drei stehen zur freien Verfügung. Nach diesem Muster könnten wir unsere 14 Monate zum Beispiel 6 – 6 – 2 aufteilen.

 

Wären verpflichtende Vätermonate also eine Option?

Björn: Ja, absolut. Das dürfte momentan aber keine demokratische Mehrheit finden, und eine solche Pflicht wäre auch auf Dauer keine gute Lösung. Aber als vorübergehendes Instrument sprächen dafür ähnliche Gründe wie für die Frauenquote: Ohne tut sich einfach nicht genug.

 

Einige Deiner Geschlechtsgenossen dürften das gar nicht toll finden…

Björn: Ich glaube, die jungen Väter würden eine solche „Pflicht“ gar nicht als Zwang empfinden. Sie würden erst staunen, dann sehr schnell begreifen, was ihnen da geschenkt wurde, und sich freuen. Gezwungen würden wohl eher die Arbeitgeber, ihre Männer wirklich nach Hause gehen zu lassen. Mit einem tollen Effekt übrigens für die Chancen der Frauen auf dem Arbeitsmarkt: Denn der Vorteil der Männer aus Sicht der Unternehmen schrumpft dadurch. Wenn ein Kind kommt, sind auf einmal nicht nur die Frauen weg, sondern auch die Männer. Die Wirtschaft hätte gar keine Wahl, sie müsste familienfreundlich werden. Bis irgendwann kinderfrei so normal ist wie bezahlter Urlaub.

 

Dani Parthum, 28. Juni 2012

Björn sitzt übrigens Tür an Tür mit SAKIDA. Dani und er teilen sich mit vier anderen Journalisten eine Bürogemeinschaft in Hamburg. Björns Leidenschaft für demographische Zusammenhänge und Zahlen beeindruckt Dani immer wieder. Beide planen eine Serie darüber, wie die Rente der Zukunft aussehen könnte, müßte oder wird. Björns Demografie-Blog ist übrigens top, findet nicht nur Dani.

 

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Meine Kaffeefarm in Afrika.

Was macht eine mutige Frau, die ihre norddeutsche Heimat zu flach, kalt, langweilig findet? Sie wandert aus! Zum Kilimandscharo und gründet dort eine Kaffee-Farm.

 

Mutige Frau mit Kaffeefarm: Bente Luther-Medoch

Bente Luther-Medoch

Nur 10 Jahre später verkauft sie von ihrer Kaffeefarm einen mit allen Nachhaltigkeits-Siegeln geadelten Spitzenkaffee in alle Welt. Dies in Kürze die Geschichte von Bente Luther-Medoch, deren Paradies derzeit auch im TV-Spot eines großen deutschen Kaffeerösters zu sehen ist. Die unternehmungslustige Plönerin strahlt, wenn sie – auf Heimatbesuch  – von ihrer Farm in Afrika erzählt. Wenn sie auch mit Tanja Blixen, nichts, aber auch gar nichts zu tun haben will! Sandra Coy hat sie getroffen.

 

Bente, wie viele mühsame Jahre liegen hinter Dir?

Ich habe zehn Jahre gebraucht, um unsere Kaffeefarm Machare aufzubauen. Nach drei Jahren habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich auf dem richtigen Weg bin – jetzt nach zehn Jahren bin ich mit dem Ertrag wirklich zufrieden – und meine Kunden auch! 

 

Du hast zuvor ja schon viele Jobs und Berufe ausgeübt, aber den Kaffee-Anbau liest man ja nicht im Buch, wie hast Du das Farm-Management gelernt?

Doch, ein Stück weit lese ich das im Buch … Aber ganz am Anfang hat mir ein kenianischer Freund sehr viel Basiswissen über Kaffee beigebracht. Seitdem lese ich mir tatsächlich alles über Kaffee, Arabica-Pflanzen,  modernes Farm-Management, Zertifikation und Naturschutz  selber an. Geld für Berater hatten wir nie.

 

Du lebst mit Deinem Mann Ralph auf der Farm, teilt Ihr Euch die Arbeit?

Nicht wirklich. Unsere Arbeitsteilung ist klar: Mein Mann Ralph ist Händler und verkauft den Kaffee, den ich zuvor produziert habe. Wir könnten nicht zusammen arbeiten, dazu sind wir beide zu sehr Käpt’n!

 

Nachbarschaft in Afrika: Die Kaffeefarmerin im Kreis ihrer Nachbarn - alle Farmer wie sie.

Bente im Kreis ihrer Nachbarn – alle sind Farmer wie sie.

Weltweit reißen sich Kaffeekonzerne um Deinen Kaffee, wie erklärst Du Dir das?

Ich habe Jahre gebraucht, um meine jetzige Expertise zu erlangen. Ich bin jeden Tag auf dem Feld. Wir hatten nie Sponsoren, wir mussten fit und flexibel sein, um mit wenig Geld viel zu erreichen. Was unseren Kaffee so speziell macht, ist die Natur die ihn hier am Kilimandscharo umgibt. Die Urwaldnähe, die riesigen Schattenbäume, der vulkanische Boden und vor allem die Liebe, mit der er aufbereitet wird. Ich kann mir gut Dinge theoretisch ausmalen und diese dann umsetzen. Wie eine optimale Wasserversorgung oder Öfen, die wenig Holz verbrauchen. Damit kann ich auch meinen Nachbarn helfen. Diese haben mir schon oft gesagt, dass sie gern mit mir zusammen hier am Berg alt werden möchten, darauf bin ich stolz.

 

Woher rekrutierst Du für Deine Farm Arbeiter zur Erntezeit?

Alle meine Arbeiter haben auch eine eigene kleine Farm, aber ein Familienmitglied arbeitet meist bei mir. Wir haben 100 permanente Arbeiter, und noch einmal 200 on Top während der Erntezeit. Sie alle sind meine Nachbarn, alle kommen freiwillig und werden natürlich bezahlt. Wenn der Kaffee plötzlich schneller reif wird als gedacht und ich mehr Leute zum Pflücken brauche, hängen wir Rundbriefe an die Wände der Dorfläden. Und wer will kommt dann zu uns zum Arbeiten …

Wir hatten tatsächlich früher eine riesige Arbeiterhaus-Siedlung auf unserer Farm, da in der Kolonialzeit fast nur Arbeiter aus anderen Regionen hier arbeiteten. Damals, am Anfang des 19. Jahrhunderts, haben die Chaggas ( so nennt sich der Stamm hier am Kilimanjaro ) es vorgezogen, von ihren eigenen Farmen zu leben.

Inzwischen habe ich die Hälfte der Häuser abgerissen. In den verbliebenen haben die acht Arbeiter, die von weither kommen, jeder ihr eigenes Zimmer. Und wir haben den Lehrern der benachbarten Schulen Zimmer zur Verfügung gestellt. Aber wie gesagt: Die meisten meiner Arbeiter kommen heutzutage aus unserer direkten Nachbarschaft. Wir haben ein sehr freundliches Verhältnis zueinander und respektieren uns gegenseitig.

 

Der Name Tanja Blixen bereitet Dir keine Freude?

Nein! Ich möchte nicht mit Tanja Blixen verglichen werden. Damals ging es kolonial zu, ich aber arbeite komplett anders. Ich bin liberal. Mein Manager und seine Assistenten kommen aus unseren Nachbardörfern. Nur der Manager selbst hat einen 3monatigen Landwirtschaftskurs besucht … alle anderen hatten keine Berufsausbildung, bevor sie zu mir kamen. Alle Drei sind heute Teilhaber in unserer Firma. Ich verlange auch nie, dass meine Arbeiter oder Manager morgens um sieben beginnen. Ich entscheide nie über ihre Köpfe hinweg. Wenn wir uns uneinig sind, dann machen wir einen Versuch und entscheiden dann zusammen, wann dieser Versuch beendet ist.

 

Es gibt keine Rechtssicherheit in Afrika, die Farm am Kilimandscharo habt ihr nur geleast. Bereitet Dir das manchmal schlaflose Nächte?

Was man in Afrika lernt: Ruhig bleiben in Situationen, in denen man sonst panisch würde. In Afrika zum Beispiel hat man in der Tat keine Sicherheit, was das Investment betrifft. Zuweilen wird zum Beispiel ein neues Gesetz in Kraft gesetzt oder geändert, und das gerne zehn Jahre rückwirkend. Aber wir können es ja nicht ändern, unser ganzes Geld haben wir in Machare gesteckt.

 

Macht sich bei Euch der Klimawandel schon bemerkbar?

Oh ja, ein Riesen-Problem! In den letzten Jahren wurde am Kilimandscharo eine Hitze gemessen wie sonst nur in Somalia üblich. Es gibt weniger Wasser und Regen. Ich pflanze viele Schattenbäume, helfe meinen Nachbarn bei der Bewässerung. Wir stecken unser ganzes „Kaffeegeld“ in neue Bewässerungssysteme, um überhaupt weitermachen zu können.

 

Schönes Afrika: Kaffee-Farmerin Bente auf Stippvisite bei den Nachbarn.

Stippvisite bei den Nachbarn am Kilimandscharo.

Ein typischer Tag auf Deiner Farm Machare verläuft wie?

Der beginnt in jedem Fall mit Kaffee, den mein Mann Ralph kocht. Unseren Kaffee natürlich! Dazu wählt er Rohkaffee aus unseren Beständen aus und röstet die Bohnen selber. Wir lieben dreifachen Espresso mit ein wenig Milch. Wir stehen mit dem Sonnaufgang um 6.15 Uhr auf. Ich mache zunächst eine Stunde Sport auf der Terrasse, dazu nutze ich Sport-DVDs, Kickboxen zum Beispiel, auch Jazzdance. Dann esse ich ein Müsli – und trinke Kaffee –  und ab geht’s auf die Farm. Alle Arbeiter haben dort ihren eigenen Aufgabenbereich. Ich beaufsichtige nicht, ich befehle nicht – ich diskutiere aber. Vor allem mit meinem Farm-Manager .

Um 13.00 Uhr gibt es Mittagessen. Ich bevorzuge Quark mit Früchten und einen starken Kaffee. Das in Tansania übliche Milch-Zucker Gemisch (siehe oben) ist nichts für mich. Die Tansanier essen meist eine Art Maispolenta – mit oder ohne gekochte Bananen, die so ähnlich wie Kartoffeln schmecken. Dazu gibt es frische Avocados oder Bananen von unserer Farm. Nach dem Essen geht es bei den Pflanzen weiter bis etwa 18.30 Uhr, also bis zum Sonnenuntergang. Meine Mitarbeiter arbeiten natürlich nicht so lange, die Kollegen der Frühschicht haben ab 15.30 Uhr frei, die der Spätschicht um 18.30 Uhr wie ich.

Um 19.00 Uhr essen Ralph und ich, entweder alleine oder mit Besuchern. Später sitzen wir noch auf der Terrasse und reden oder lesen. Einen Fernseher haben wir nicht, dafür einen Beamer. Ab und zu nutzen wir diesen, um Filme auf der Leinwand zu gucken.

 

Ihr führt eine offene, gastfreundliche Farm. Kochst Du selbst?

Oh ja! Mein Mann kauft einmal pro Woche in der Stadt Moshi ein, Gemüse und Obst ziehen wir selbst in unserem Garten, etwa Bohnen, Erbsen, Spinat, Gurken, Spargel, Salat, Kürbis, Avocados und Erdbeeren! Ich kann gut kochen, indisch, afrikanisch, deutsch – alles mögliche. Wir haben ein offenes Haus mit einem großen Freundeskreis, oft sind Leute da. Manche machen eine Tour auf den Kilimandscharo oder eine Safari.

 

Afrika ist fern: Kaffefarmerin Bente zuhause in Hamburg.

Heimatbesuch. In Hamburg herrscht ein anderer Dresscode…

Könntest Du Dir vorstellen nach Deutschland zurück zu kehren?

Nein, das wollen wir beide nicht, jedenfalls nicht freiwillig …

 

Was unterscheidet Dich Deutsche von Deinen tansanischen Freundinnen?

Ich möchte nicht mit den Frauen in Tansania tauschen. Meine Freundinnen dort sind vielen afrikanischen „Kulturzwängen“ unterworfen. Sie müssen etwa auf jede Beerdigung, egal ob sie den Verstorbenen gut kannten oder nicht. 1.000 Menschen auf einer Beerdigung sind keine Seltenheit, das gleiche gilt für Hochzeiten, Konfirmationen, etc. Geht man nicht hin, sind die anderen beleidigt. Aber immerhin: Schlank muss hier niemand sein, im Gegenteil. Frauen sollten schon einige Kurven zu bieten haben. Interessant auch: Obgleich immer die Männer die Hausherren sind, gibt es mittlerweile auch etliche Frauen in hohen Positionen, in der Verwaltung und in Banken zum Beispiel.

 

Viele würden Dein Leben als Inbegriff von Freiheit sehen. Du nicht, warum?

Manches ist in Deutschland wesentlich freier. Ich kann abends zum Beispiel nicht mal so einfach in die Stadt fahren, denn die Menschen auf dem Land gehen früh ins Bett. Kein Wunder, ab 19.00 Uhr ist es stockdunkel. Nach 21.00 Uhr sind nur noch Betrunkene unterwegs. Hätte ich eine Autopanne – und die hat man hier öfter, da wir nur alte Autos fahren –  müsste ich den Reifen mit einer Taschenlampe im Finsteren wechseln. Eine echte Herausforderung, denn Straßenbeleuchtung gibt es hier oben am Kilimandscharo nicht. Und auf die Hilfe der Betrunkenen angewiesen zu sein, ist auch nicht hilfreich, da diese denken, Weiße sind immer mit Taschen voller Geld unterwegs. Diese Art von Freiheit ohne Angst überall unterwegs sein zu können gibt es in Deutschland, in Afrika nicht. In unserem Ort allerdings kann ich mich jeder Zeit alleine bewegen. In Afrika gilt einfach die Regel: Nach Einbruch der Dunkelheit zu Hause bleiben oder mit dem Auto fahren (und keine Panne haben).  

 

Du lebst am Kilimandscharo abgeschieden, aber weiß Gott nicht hinter dem Mond. iPad statt Schreibblock ist ein Muss?

Moderne Kommunikatonsmittel und Werkzeuge, die mir die Arbeit erleichern sind mir sehr wichtig: iPad, Wireless Lan, Apple Computer. Die Arbeiter unterschreiben sogar auf dem iPad – und wer nicht schreiben kann wird fotografiert. Denn: Ich hasse Papier!

 

Welchen Dresscode gibt es denn auf der Farm? Afrikanische Frauen arbeiten ja oft im Kostüm!

Das stimmt, ist aber nichts für mich! In meinem Kleiderschrank hängen 6 Arbeitshosen, Cargohosen mit vielen Taschen, dazu Hemden, Stiefel und Flipflops. Ich habe eine deutsche und eine afrikanische Garderobe. Abends ist es mir wichtig aus den Arbeitsklamotten rauszukommen, Kleider trage ich übrigens nie.

 

 

 

Vor wenigen Wochen stand ein 70-köpfiges Filmteam vor Deiner Tür? Wie hat sich das Leben auf der Farm da verändert?

Die Dreharbeiten haben viel Spaß gemacht! Aber ich hätte gerne mehr von den Arbeitern im Spot gesehen. Es war natürlich nicht ganz einfach, 25mal hintereinander das gleiche Lächeln hinzubekommen. Das mache ich ja wahrlich nicht jeden Tag. Auf der Farm sagen jetzt alle gerne „Äktschn!“ Ich habe mich gut mit der Tchibo Filialdame Nicole Margraf verstanden, wir haben nach wie vor Kontakt. Allerdings war die Verständigung während des Drehs schwierig, da wir ja immer verkabelt waren. Alle konnten mithören … Was auch Vorteile hatte! Zum Schluss hatte ich mich nämlich so an die Verkabelung gewöhnt, dass ich mir das Leben angenehmer machen konnte. Ich sagte also wie zu mir selbst, dass jetzt ein Stück Schokolade wirklich toll wäre, und tatsächlich, wir mussten nicht lange warten …

 

Vermisst Du manchmal Produkte aus der Heimat?

Früher vermisste ich das Radio, das ist ja heute kein Problem mehr dank Internet. Auch vermisse ich manche Joghurts oder mal eine Ausstellung zu besuchen. Bücher nehme ich aus Deutschland per Koffer mit. Denn Bringdienste wie Zalando, Amazon und Tchibo  liefern hier am Berg natürlich nicht … Auch wenn sie meinen Kaffee überall anders verkaufen!

 

Sandra Coy, 27. Juni 2012


 

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Ausgewählte Lese-Tipps im Juni

 

8. Juni   Jede vierte Frau in Deutschland wird misshandelt

Überall in Deutschland demütigen, quälen, vergewaltigen, verprügeln und – im Extremfall – töten Männer ihre Partnerinnen. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums hat jede vierte Frau in Deutschland sexuelle oder körperliche Gewalt durch ihren (Ex-) Partner oder einen nahen Vertrauten erlebt. 

In Kolumbien gehört die Gewalt gegen Frauen fast zum Normalen. Jetzt wehren sich die Kolumbianerinnen immer hörbarer. Und werden langsam ernst genommen, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet.

 

11. Juni  Die Mär vom Fachkräftemangel

Würde in der Wirtschaft tatsächlich schon heute ein großer Fachkräftemangel herrschen, würden sie ganz andere Löhne und Gehälter zahlen. NOCH haben die beobachteten Schwierigkeiten mancher Firmen, bestimmte Fachkräfte zu rekrutieren, nichts mit dem demografischen Wandel zu tun. Eine erhellende Studie des DIW.

 

5. Juni  Als Frau in Afghanistan lernst du, dich zu hassen.“ 

Sahar Guls Kindheit endet, als sie 14 Jahre alt ist. Ihr Bruder hat Schulden beim Kartenspiel gemacht, und um die zu begleichen, verkauft er seine Schwester an die Familie seines Gläubigers, für 5.000 Dollar. Damit beginnt das Martyrium von Sahar. Sie wird gefoltert, misshandelt. Als sie sich wehren kann, zeigt sie ihn an und bekommt überraschend Recht. 

 

19. Juni  Die Geschlechterlüge

Frauen sind doch nicht anders …und Männer auch nicht. Das behauptet jedenfalls die Neurowissenschaftlerin Cordelia Fine in ihrem Buch „Die Geschlechterlüge“

 

8. Juni  Freundschaft zwischen Frauen und Männer? Geht nicht. 

Auf die Frage, ob Freundschaften zwischen Frauen und Männern möglich sind, gibt es zwei Antworten: Ja und Nein. Ja sagen die meisten Frauen. Nein die meisten Männer. Eine Studie und Umfrage kommen zum gleichen Ergebnis, zu lesen hier. 

 

11. Juni  Rentenalter: Ist 67 das neue 65?

Rente mit 67? In Deutschland gibt es ja immer wieder Gezeter darum. Wann gehen die Menschen in anderen Ländern dieser Welt in Pension? Das hat der Datenjournalist Björn Schwentker gebloggt.

 

UND:    
20. Juni  Johnny Depp ist wieder Solo 

Hält denn überhaupt noch eine dieser glamourösen Hollywood-Ehen? 

 

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Gut im Geschäft.

Drei Frauen, drei ausgefallene Geschäftsideen: Sex-Coach, Maltherapie, Design. Ideen, die anderen weiterhelfen. Und von denen sich leben lässt.    

Immer mehr Frauen trauen sich zu, beruflich selbständig zu sein, ein Produkt oder eine Dienstleistung anzubieten und sich damit zu behaupten — so wie diese vier. Sie haben die ersten, schwierigen Jahre überstanden und sich etabliert. SAKIDA ist auf der Hamburger Messe „That’s my business“ auf sie aufmerksam geworden!  

Vanessa del Rae — Elegant und sexy auf High Heels

Ich zeige Frauen, wie sie auf hochhackigen Schuhen elegant laufen und sich sexy bewegen können. Auch die Frau mit 70 kann das noch lernen. Hochhackige Schuhe, also High Heels, gehen ab 12 Zentimeter Absatzhöhe los. Für viele sind schon 6 Zentimeter hoch, weil sie flache Schuhe gewöhnt sind.

Sobald eine Frau aber auf hohen Schuhen steht, hat sie eine andere Ausstrahlung, weil sich die Haltung verändert. Die Frau streckt sich, ihr Gesicht öffnet sich, sie strahlt, sie ist größer und hat einen anderen Überblick. Und das heißt auch: Sie zeigt sich und wird gesehen, weil sie sich sofort anders bewegt. Außerdem läuft eine Frau auf hohen Schuhen anders als auf flachen. Bei flachen laufen wir eher parallel und mit großen Schritten, auf High Heels setzt man einen Fuß vor den anderen bei kleinen Schritten. Das üben wir im Workshop.

Wenn ich weglaufen muss? Dann ziehe ich die Heels einfach aus. Ich zeige den Frauen im Workshop aber auch, was sie für ihre Füße tun müssen, damit Füße und Wirbelsäule und Sprunggelenke nicht leiden. Und: wie die Schuhe beschaffen sein müssen. Ich selbst trage meist 6-8 Zentimeter.

Natürlich sehen Frauen in flachen Schuhen auch weiblich aus. Wenn eine Frau aber Spaß daran hat, Hochhackig zu tragen, dann soll sie es tun. Und wenn die Frauen es für ihre Liebsten tun, weil er es gerne hat, warum nicht?

Ich möchte, dass Frauen sich ihrer Weiblichkeit wieder bewusst werden und sie zeigen. In unserer männergeprägten Welt ist Weiblichkeit oft negativ besetzt, wirkt für manche aufreizend. Dass Frauen ihre Weiblichkeit selbstbewusst leben, das ist mein Anliegen. Ich will ihre Fantasie anregen, sie ermuntern, ihre Wünsche zuzulassen und sie auszuleben. Für mich ist es wunderschön zu sehen, welche Veränderung mit den Frauen einhergehen, die bei mir in die Workshops kommen.

Nach 30 Jahren Krankenschwester wollte ich mich beruflich verändern, weil mein Privatleben durcheinander geraten war. Während der Coachingausbildung hat sich dann herausgestellt, dass Sex mein Thema ist. Durch die Coaching-Ausbildung habe ich selbst viel gelernt, bin selbst durch alles gegangen und es hat mein Leben prächtiger, bunter, leichter gemacht – und das gebe ich jetzt weiter – als Sex-Coach.

Sex sells, ja, ich lebe seit vier Jahren von meiner Geschäftsidee.

Svenia Dörr – mit Begeisterung zum passenden Mediendesign

Ich, die Frau Dörr, mache Logos, Webseiten, Printdesign und alles das, was Firmen für einen starken Auftritt brauchen – und das mit viel Liebe zum Detail. Ich gehe dabei stark auf meine Kunden ein, um mich von ihnen für ihre Produkte begeistern zu lassen. Begeisterung für die Marke, die Dienstleistung, das jeweilige Produkt ist wichtig, auch auf Seiten meiner Kunden, damit die Werbemittel wie das Logo, die Website, die ich dann entwerfe, konzipiere und gestalte, dass diese die Begeisterung auch ausstrahlen und Käufer anlocken. Das ist mein Anliegen — und mein Geschäft!

Manchmal bin ich da auch ein bisschen Coach und helfe durch meine Fragen meinen Kunden auf die Sprünge, sich über ihre eigene Geschäftsidee klar zu werden. Meine Kunden sind alt eingesessene Firmen, die einen frischen Auftritt brauchen, aber auch Gründer kommen zu mir – und das aus allen Branchen. Das gefällt mir. Und es ist großartig, wenn meine Kunden mir vertrauen und ehrlich sagen, wenn ihnen etwas nicht gefällt.

Ich habe Mediengestalterin gelernt, war eine Weile in Australien, habe dort frei für eine kleine Agentur gearbeitet und bin dann nach Hamburg zu einer Kreativagentur gegangen. Und als es Zeit wurde für etwas Neues habe ich „Frau Dörr Mediendesign“ gegründet. Das ist jetzt vier Jahre her. Der Job war nicht in Gefahr, aber es bestand die Gefahr, mich zu langweilen.

Ich bin sehr froh, mich für die Selbständigkeit entschieden zu haben und habe es keinen Tag bereut. Ich habe tolle Kunden. Existenzängste habe ich nicht, aber manchmal denke ich schon, wie geht es jetzt weiter mit meinem Geschäft? Ich nutze solche Unsicherheiten dann, um über mich selbst zu lachen und darin das Positive zu sehen. Bei Auftragsflauten gehe ich eben mal zur Alster oder brüte über neuen Ideen.

Warum Frau Dörr als Marke? Weil ich das bin. Ich wollte keinen Bohei um meinen Firmennamen machen, keinen Fantasienamen. Und dann habe ich mich gefragt, was bin ich? Als was will ich auftreten? Und dann kam es mir in den Kopf: Ich bin die Frau Dörr!

Britta Kuhlmann –  fordert mit Malen das Unbewusste heraus

Mit Bildern lässt sich viel bewirken. Malen hat den Vorteil: Es ist nonverbal und geht ins Unbewußte. Wir denken in Bildern, träumen in Bildern. Und hier setze ich mit der Maltherapie an.

Wer zu mir kommt hat ein Anliegen. Das kann alles sein: zuviel Stress, jemand möchte abnehmen, nicht mehr rauchen, über seine Scheidung hinwegkommen oder die Beziehung verbessern, Malen hilft auch gegen Panikattacken, Flugangst oder, um ein Trauma aufzuzarbeiten. Also alles, was wir als gesunder Mensch mit uns herumschleppen und loswerden wollen. Meist hat jeder was davon.

Dieses Anliegen wird in einem Glaubenssatz formuliert. Anschließend suche ich gemeinsam mit den Ratsuchenden eine Metapher dafür, ein Sinnbild, aber kein Symbol. Das kann eine geometrische Form sein, ein Tier, ein Gefäß. Es gibt 25 verschiedene Kategorien, und dann malen sie dieses Sinnbild. Sie malen es aber nicht mit ihrer Führungshand, sondern mit der jeweils anderen, also Linkshänder malen mit rechts und umgekehrt. Warum? Ich will, dass sie nicht soviel Kontrolle haben, die kreative, intuitive Seite soll berührt werden, dann ist die Wirkung größer. Das habe ich mir nicht ausgedacht, das hat man empirisch an einer Universität untersucht, was mehr wirkt.

Durch das Malen lösen sich Blockaden, das Problem kann abgearbeitet oder das jeweilige Ziel angegangen werden. Es ist eine Arbeit mit dem Unbewußten. Und das geht automatisch. Es ist total locker, man braucht nicht viel denken, durch das Malen kommen die Leute mit sich wieder in Kontakt.

Das Bild nehmen meine Kunden aber nicht mit nach Hause. Das Malen ist die Therapie. Sie ist sehr effektiv. Ich arbeite oft in Einzelsitzungen, schon seit 2005. Das heißt, ich bin erfahren mit dieser Therapieform. Und wenn jemand anfängt zu malen, dann habe ich schon eine Ahnung. Ich sehe unheimlich viel. Studiert habe ich Kunsttherapie, dazu Malerei und Grafik, und ich bin Heilpraktikerin. Dazu habe ich mich durch zahlreiche psychotherapeuthische Fortbildungen weiterqualifiziert.

Der Erfolg spricht für sich. Ich lebe von meiner Arbeit, ohne Werbung betreiben zu müssen. Die Maltherapie ist ein reines Empfehlungsgeschäft.

von Dani Parthum, 20. Juni 2012
Fotos: Dani Parthum

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Die Happy-End-Believerin.

Die Richterin Sabine König sagt: Die Welt ist konfliktfähiger geworden. Zumindest die junge Generation. Ihr ist deshalb nicht bang vor der Zukunft.

Dabei erleben wir ein Jahrzehnt schwelender Kriege: Syrien, Afghanistan, die Drogenkriege in Mexiko und den Bürgerkrieg in Myanmar. Dazu den Terror Al Kaidas. Für die Konfliktforscherin Sabine König ist der weltweite Frieden dennoch vor allem eines: eine Frage der Zeit.

 

Frau König, als langjährige Zivilrichterin in Hamburg und außergerichtliche Konfliktschlichterin sagen Sie: Wir werden konfliktfähiger. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung gerade auch angesichts der aktuellen Kriege wie in Syrien?

Die Konflikte rühren nach meiner Einschätzung daher, dass mehr Menschen in der Welt leben, und aus dem Zusammenleben heraus mehr Konflikte entstehen. Gleichzeitig aber wächst die Fähigkeit, in konstruktiver Weise damit umzugehen. So nehme ich wahr: Dieses auf der Erfahrung unserer frühen Vorfahren beruhende steinzeitliche Verhalten – der andere bedroht mich, dann haue ich ihm zuerst die Keule über den Kopf, dann bleibe ich am Leben – hat sich weiterentwickelt. Es hat zunächst über die Jahrhunderte eine Verrechtlichung stattgefunden. Und es ist inzwischen normal geworden, dass ich mir ein „Win-Win“ denken kann, unter anderem über den Weg der Mediation. Dabei erfahre ich, dass ich nicht den anderen fertig machen muss, um als Sieger aus einem Konflikt hervorzugehen, sondern beide gewinnen.

 

Ein Beispiel?

Mediation, also Konfliktschlichtung, ist nicht nur eine Mode, die aus den USA kommt, sondern es gibt hier weltweit eine Entwicklung. Eine Freundin von mir, die aus Australien stammt und jetzt in Hongkong als Professorin unterrichtet, hat sogar für die Salomonischen Inseln in der Südsee ein Mediationsgesetz mit entwickelt. Die Europäische Kommission fördert zudem stark konsensuale Verfahren. Oder nehmen Sie die Schulprojekte, in denen Konfliktschlichter solche Projekte anbieten und die Kinder diese Kompetenzen erlernen. Diese Generation macht sich schon heute lustig darüber, wenn wir Alten uns so albern streiten.

Wobei in der großen Politik, so wie sie in den Medien dargestellt ist, die Art und Weise, Konflikte zu lösen, noch viel altmodischer ist, als es in vielen Bereichen gelebt wird. Es wird in vielen Bereichen schon viel mehr kooperiert, Ergebnisse werden im Konsens getroffen. Aber das macht nicht so gute Schlagzeilen.

Unsere Informationskultur hat sich nicht entsprechend mit verändert. Diese ist noch sehr darauf orientiert, über Konflikte zu berichten statt über die guten Lösungen, die erzielt worden sind. Die bekommen längst nicht so viel mediale Aufmerksamkeit. Aber sie finden aus meiner Sicht öfter statt als in der Zeitung steht. 

 

Es ist also vor allem die junge Generation, die konfliktfähiger ist – in Europa? Oder stellen Sie das weltweit fest, Sie reisen ja viel, China, Asien, Afrika, Tibet, USA …

Das sehe ich überall bei den jungen Menschen. Die sind im Global Village angekommen. Die wissen, wir haben nur eine Erde, und das finden die ganz normal. Sie haben ein gutes Gefühl für Fairness, und die Streitigkeiten der älteren Generationen sind für die junge Generation Geschichten von gestern. Beispielsweise, dass unsere Urgroßeltern 1870 Frankreich als Erzfeind gesehen haben. Ich habe ja selbst Kinder, die Mitte 20 sind – die denken auf eine ganz andere Art. Wir erleben – aus meiner persönlichen Sicht –, dass sich die Ideale der Bürgerlichen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ in weiten Teilen der Welt durchsetzen.

Es wird freilich auch wieder Rückschritte geben … Aber, um es mit Victor Hugo zu sagen: „Nichts ist so stark, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Ein Taxifahrer aus dem Orient meinte neulich zu mir: „Egal, welche Hautfarbe wir haben, wir haben alle dieselbe Farbe Blut.“ Das ist etwas, was immer mehr Menschen akzeptieren, bzw. immer mehr Menschen akzeptieren nicht mehr, dass man Menschen anders behandelt, nur weil sie ein anderes Geschlecht haben, eine andere Hautfarbe oder ethnische Herkunft. Meine Wahrnehmung der jungen Menschen ab etwa Mitte 20 ist, dass sie die Geschichte Geschichte sein lassen und in einer Welt leben möchten, die für alle lebenswert ist.

 

Noch aber erleben wir viele Kriege und Konflikte, wie den zwischen Israel und Palästina. Da wünscht man sich auch mal erfolgreiche Mediationsverfahren!

Die gibt es, sogar ganz viele! Der Harvard-Prof. Herbert Kehlmann z.B., gebürtiger Österreicher, ein herausragender Sozialpsychologe, Direktor des Programms für Internationale Konfliktanalyse und Konfliktlösung, ist da ganz aktiv. Oder der Hamburger Professor Alexander Redlich arbeitet viel in dem Bereich. Oder nehmen Sie den Dirigenten Daniel Barenboim, israelischer und palästinensischer Staatsbürger. Er spielt am 29. Juli 2012 mit seinem palästinensisch-israelischem Orchester auf der Waldbühne in Berlin Beethoven!

 

Israel und Palästina bekriegen sich aber weiterhin … an Frieden nicht zu denken!

Für mich ist der Agentenaustausch, der im Oktober des vergangenen Jahres stattgefunden hat, der Beginn des Endes des Nahostkonfliktes. Die Palästinenser hatten damals den israelischen Soldat Gilad Schalit gehen lassen und Israel hatte im Gegenzug über Tausend palästinensische Häftlinge auf freien Fuß gesetzt. Das ist meine persönliche Meinung.

Das ist so wie der historische Agentenaustausch zwischen Ost und West auf der Glienicker Brücke, dann kam der Kniefall Willy Brands in Warschau 1970 und dann das Ende des Kalten Kriegs mit dem Fall der Mauer Ende der 80er Jahre. Da ist ein Prozess in Gang gesetzt worden.

Ein Generationenwechsel wird dazu führen, dass die Menschen erkennen, dass sie besser dran sind, wenn sie kooperieren und nicht überkommene Feindbilder aufrechterhalten.

 

Und doch heißt es immer wieder: Wir steuern auf Rohstoffkriege zu (Öl, Wasser), einen Krieg der Religionen und einer wachsenden Terrorgefahr. Ängste der Alten oder doch mögliche Zukunft?

Mein Mantra ist immer: Wer an Bildung spart, investiert in Einfalt. Es gibt kein anderes Mittel gegen Dummheit als Bildung. Und wenn wir den jungen Menschen mehr Bildungschancen geben, dann werden sie das Ding schon schaukeln. Da bin ich gelassen. Aber dieses WENN ist wichtig. Wir müssen ihnen Bildungschancen geben, und da sind die neuen technischen Mittel klasse dafür. Deswegen bin ich ein „Happy-End-Believer.“ Natürlich geht die Welt unter, aber die alte. Und die neue, die entsteht, wird eine andere sein und sie wird so sein, dass hoffentlich weniger Menschen Hunger haben und weniger Angst vor Krieg. Und es weniger Kinder gibt, die ohne Eltern aufwachsen müssen. Dafür bin ich gerne bereit zu arbeiten, aber alle müssen ein bisschen was dafür tun.

Und ich finde, wir sind auf einem guten Weg. Auch die Vereinten Nationen mausern sich. Sie sind viel, viel besser, als ihr Ruf, genauso wie die Europäische Union. Da zeichnen die Medien ein Bild, das nicht dem entspricht, was und wie dort gearbeitet wird. Auch dafür sind die neuen Medien klasse, weil jeder die Chance hat, sich unmittelbar zu informieren und zu berichten.

 

Sabine König ist Richterin für Zivil- und Familienrecht am Amtsgericht Hamburg, sowie seit vielen Jahren aktive Mediatorin. Für eineinhalb Jahre hat sie sich von ihrem Richteramt beurlauben lassen. Die fünfsprachige Schnelldenkerin will durchatmen, sich mit ihrer Leidenschaft, der Konfliktforschung, beschäftigen und reisen, um andere Menschen zu treffen und ihre Lebensgeschichten zu hören. Ihre Doktorarbeit hat sie gerade eingereicht. Und dann schreibt sie noch an einem Buch. Sabine König hat vier Kinder großgezogen und lebt in Hamburg. 

 

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Die Wasserfrau.

Die Extremsportlerin Diana Nyad will es diesen Sommer endlich schaffen. Von Kuba nach Florida in zweieinhalb Tagen zu schwimmen ist ihr Ziel. Als 62jährige!    

von Stephanie Lavoie, 12. Juni 2012

 

Diana Nyad

 

Diana Nyad singt. Songs von den Beatles, Bob Dylan und Janis Joplin. Sie hat ein Repertoire von 65 Liedern, die sie immer wieder in ihrem Kopf abspult. Deren exakte Länge sie kennt. Nach denen sie ihre Züge, ihre Einheiten zählt, wenn sie schwimmt – stundenlang, in tiefen, unbekannten Gewässern. Diana Nyad ist 62 Jahre alt und Marathonschwimmerin. Sie ist in der Internationalen Hall of Fame der Schwimmer vertreten und hat die Insel Manhattan ihrer Heimatstadt New York umrundet.

 

Rekordtour — von Kuba nach Florida schwimmen

In diesem Sommer startet die US-Amerikanerin ihren vierten und letzten Versuch, von Kuba nach Florida zu schwimmen. Sie will damit ein Zeichen setzen für die Verständigung, um Kuba und die USA symbolisch miteinander zu verbinden. 34 Jahre ist es her, dass Nyad sich von Havanna aus zum ersten Mal auf die gut 166 Kilometer lange Strecke machte. Damals zwangen sie schwere See und ungünstige Strömungen zur Aufgabe, nachdem sie bereits 41 Stunden geschwommen war.

 

Diana Nyad auf Rekordjagd

 

Ein Jahr später setzte Nyad den Weltrekord für die grösste je von einer Frau im offenen Meer geschwommene Distanz. Ohne Hilfsmittel – einen schützenden Hai-Käfig etwa, oder Flossen – und nur im obligatorischen Schwimmanzug kraulte die damals 30 Jahre alte Extremsportlerin die 164 Kilometer lange Strecke von Bimini auf den Bahamas nach Juno Beach/Florida. Das war also eine vergleichbare Distanz wie bei ihrem Versuch ein Jahr zuvor. Allerdings ist das Meer an dieser Stelle deutlich ruhiger und damit leichter zu durchschwimmen.

 

Diana Nyads Entschluss: Nie wieder ins Meer

Okay, das habe ich geschafft, ich fühle mich grossartig. Und nun will ich niemals mehr auch nur einen Zug schwimmen”, beschloss die zähe New Yorkerin im Anschluss. 30 Jahre lang hat sie ihr Vorhaben eingehalten, sich mit Squash fit gehalten, als Sportjournalistin gearbeitet und ein Buch geschrieben. “Ich habe die Jahrzehnte nicht damit verbracht, dem gescheiterten Versuch nachzutrauern, sondern mich anderen Aufgaben gewidmet”, betont Nyad in Interviews. Getreu dem Motto des kubanischen Poeten Jose Marti “Wer ausprobiert, hat schon Erfolg gehabt!” wertete sie das Erlebnis des ersten, gescheiterten Versuchs schlichtweg als eine ihr Leben bereichernde Erfahrung. Nyad setzte sich neue, andere Ziele.

 

Das Bedürfnis an die eigenen Grenzen zu gehen blieb jedoch ihr ständiger Begleiter. So manches Mal legte sie spontan 160 Kilometer auf ihrem Rennrad zurück. Einmal widerstand sie einen kompletten Tag lang dem Durst – machte morgens ausführlich Sport, bevor sie von der amerikanischen Westküste an die Ostküste flog, ins Hotel fuhr und dort ein Bad genoss – ohne auch nur einen einzigen Schluck zu trinken.

 

Mit 60 kam für Diana Nyad die große Leere

Nyad führte ein abwechslungsreiches Leben. Doch als sich ihr 60. Geburtstag näherte, fühlte die vielbeschäftigte Amerikanerin plötzlich eine grosse Leere. Ihre langjährige Beziehung zu einer Frau, die Nyad als die Liebe ihres Lebens bezeichnet, hatte bereits 1994 ein Ende gefunden. Der Verlust von Vater und Mutter in den darauffolgenden Jahren schmerzte sie dazu. Single und kinderlos suchte Nyad nach einer neuen Herausforderung, einem Ziel. Sie stieg wieder in den Pool.

 

Zunächst wollte ich herauszufinden, ob ich überhaupt noch schwimmen kann.” Sie sei in all den Jahren der Pool-Abstinenz gewiss nicht faul gewesen, betont Nyad und streicht sich über das sonnengegerbte Gesicht. “Ich glaube nur einfach, ich habe eine Menge Zeit mit innerer Unruhe und Fragen nach dem Warum verschwendet.” Auf einmal war er wieder da: Der Hunger! Und der Anreiz, es noch einmal von Kuba nach Florida zu versuchen – 30 Jahre nach dem ersten Versuch.

 

Ein brutaler Sport 

Marathonschwimmen ist der einsamste Sport der Welt”, sagt Nyad in gebrochenem Deutsch (sie spricht auch ein wenig Spanisch und Französisch). Und wenn es nicht einsam ist, ist es furchtbar: Wundreibung, Übelkeit, Unterkühlung, Durchfall, Schlafmangel, geschwollene Lippen und ein entzündeter Mund sind beim Extremschwimmen Standard. Und mehr als zehn Kilogramm Gewichtsverlust nach 40 Stunden des Schwimmens ist keine Seltenheit. Während ihrer Marathontouren lässt sich Nyad deshalb aus Begleitbooten Erdnussbutter-Sandwiches und Nudeln reichen.

 

Diana Nyads Narben

 

Bereits im vergangenen Jahr hat sie versucht, ihren grossen Traum endlich wahr werden zu lassen, zweimal sogar. Im August musste sie nach fast der Hälfte der Strecke aufgeben, weil sie an Schulterschmerzen und Asthma litt. Einen Monat später wurde die 62-jährige von Quallen gestoppt, deren Gift ihren Herzschlag merklich verlangsamten. Die Spuren der Feuerquallen sind geblieben – noch heute zieren diverse Narben ihre Arme. Doch das wird sie nicht daran hindern, es noch ein viertes Mal zu probieren. Ihre nach dem dritten Versuch im Müll versenkte Schwimm-Ausstattung hat sie “kurz bevor die Müllmänner kamen” wieder aus der Tonne gefischt. Seit Monaten trainiert sie auf Hochtouren und fühlt sich besser denn je: “Körperlich bin ich fast genauso fit wie vor 30 Jahren, mental bin ich um einiges stärker als damals”, spricht Nyad sich selbst Mut zu.

 

Das magische Fenster für die Rekordtour

Nun wartet sie auf DIE drei, vier Tage, die Nyad das “magische Fenster” nennt, einem Zusammenspiel von guter Verfassung, optimaler Wetter-Vorhersage und ruhiger See. Dieses „Fenster“ könnte sich Anfang August öffnen, vielleicht aber auch — ganz spontan — schon früher, wenn Diana Nyad das Gefühl hat, es stimmt gerade alles. “Ich weiss, dass ich frieren werde. Ich weiss, dass ich auf alle möglichen Arten von Quallen treffen werde und dass die Nächte lang sein werden. Aber diesmal werde ich es schaffen”, sagt Nyad voller Überzeugung vor dem mit ca. 60 Stunden, also zweieinhalb Tage, anvisierten Höllentrip. Ihre drei abgebrochenen Versuche sieht sie heute im Übrigen nicht als Scheitern, sondern als Teil ihres Trainings, als “Generalprobe für das ganz grosse Ding”.

 

18. August 2012
Es ist soweit: Diana Nyad schwimmt wieder! Das „magische Fenster“ hat sich geöffnet und sie ihren Rekordversuch gestartet. Und es sieht gut aus, nach zwei Tagen im Wasser. Hier können Sie ihre strapaziöse Tour mit verfolgen.

Unsere Autorin, die deutsche Sportjournalistin Stephanie Lavoie, lebt seit einigen Jahren in den USA, Kalifornien. Sie ist fasziniert von Diana Nyads Persönlichkeit und ihrer lebhaftenArt. Für sie ist sie eine Inspirationsquelle!   

 

Fotos: Catherine Opie, Christi Barli, Webseite von Diana Nyad Xtreme Dream 

 

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Die blaue Kleidfrau.

Meike Winnemuth liebt Mutproben. Deshalb ist sie Journalistin geworden. Ein Jahr lang hat sie es mit nur EINEM Kleid ausgehalten! Ein Experiment mit Folgen.

Ein Jahr, ein Kleid? Ein blaues. Für viele Frauen unvorstellbar. Für Winnemuth dagegen eine Offenbarung. Das Experiment ist jetzt eineinhalb Jahre her. Doch erst jetzt ist die Kolumnistin des Süddeutschen Magazins wieder in Hamburg. Denn sie war zwischenzeitlich unterwegs. Ein Jahr um die Welt. Noch eine Mutprobe. 

SAKIDA hat die 51-jährige in ihrer Altbauwohnung im quirligen Viertel St. Georg besucht — auf drei Tassen Tee.      

 

 

Haben Sie Ihr blaues Kleid noch und ziehen Sie es manchmal an?

Winnemuth: Ich hatte ja drei davon. Eines ist in das Archiv der Designerin Katharina Hovman zurückgegangen, eines habe ich auf der Webseite an die Fans vom „kleinen Blauen“ verlost. Das hat eine ganz bezaubernde 67-jährige Dame gewonnen, die mir dann gleich ein Foto von sich im Kleinen Blauen geschickt hat. Und eines habe ich behalten. Es hat sich aber bis jetzt nicht ergeben, dass ich es anziehe.

Ich bin ja gleich nach Abschluss des Projekts zu meiner Weltreise aufgebrochen – übrigens mit einer Garderobe, die mir ebenfalls Katharina Hovman geschneidert hat. Es sind neun Kleidungsstücke in blau und petrol, die multipel miteinander kombinierbar sind und aus dem gleichen stretchigen Stoff wie das Kleine Blaue, einer Funktionsfaser, die sich wunderbar in jedem Waschbecken waschen lässt. Das passt alles in einen ziemlich kleinen Koffer. (Meike Winnemuth hat über ihre Reiseerlebnisse hier gebloggt.

 

 

 

 

Hat sich durch dieses eine Jahr mit einem Kleid ihr Kleidungsstil geändert und hängen jetzt nur noch – sagen wir – 10 Klamotten in Ihrem begehbaren Schrank?

Winnemuth: Es sind schon ein paar mehr Stücke, gerade zum Kombinieren. Mein Kleidungsstil hat sich aber gewaltig geändert. Ich habe gelernt, mit wie wenig man tatsächlich auskommen kann. Ich habe es sogar noch besser auf der Reise gelernt als während des Jahres mit dem „kleinen Blauen“. Da war der Impetus auch eher: Wie kann man ein Kleidungsstück so verändern, das man jeden Tag anders aussieht? Dabei ist mir klar geworden, dass man es wirklich gut aushält mit dem einen Ding, und dass man sich nicht langweilt oder sich beschränkt fühlt. Man kann sich als Frau verdammt gut ausdrücken mit einem Kleid, indem sie es abwandelt. Im Reisejahr bin ich mit einem 20-Kilo-Koffer gereist und hatte mir vorgenommen – und auch zu einem guten Teil durchgehalten –, dass immer ein Teil rausfliegt, wenn ein neues dazukommt. Das habe ich auch als ein gutes Prinzip für meinen Kleiderschrank übernommen.

 

Das heißt auch, Sie geben jetzt weniger Geld für Kleidung aus?

Winnemuth: Deutlich weniger. Ich überlege mir bei jedem Ding zehnmal, ob ich es wirklich brauche und haben will oder ob das jetzt nur ein Lust- oder Frustkauf ist, so ein Samstagsmorgenskauf, bei dem man einfach, weil man nichts besseres zu tun hat, in die Stadt latscht und aus Langeweile etwas kauft. Das habe ich mir wirklich abgewöhnt. Diese Jeans hier trage ich zurzeit fast jeden Tag, das nervt mich überhaupt nicht. Ich kann damit überall hin. Gestern zum Beispiel war ich damit in Düsseldorf zu einem offiziellen Termin, dann ziehe ich dazu ein Jackett an, fertig.

Die Journalistin in ihrer Küche. An der Tapete dürfen ihre Gäste einen Gruß zurücklassen.

Die Journalistin in ihren Lieblingsjeans.  An der Tapete dürfen Gäste einen Gruß zurücklassen.

 

Färbt dieser Minimalismus zusehends auf Ihr Leben ab?

Winnemuth: Ja! Das Kleid war ein Sandkorn in der Auster, ein Störfaktor, der viele Dinge in Gang gesetzt hat. Das war eigentlich ein lustig gemeintes Experiment für ein Jahr. Ich experimentiere ja öfter mal mit solchen Ideen und schaue, was die für Konsequenzen für mein Leben haben. Nun sehen Sie mich hier in diesem Palast sitzen (Meike Winnemuth wohnt allein in einer 200 Quadratmeter Altbau-Wohnung), der mir überhaupt nicht mehr passt. Er ist mir zu groß geworden, es ist alles zu viel, zu voll. Passt gar nicht mehr zu der Person, die ich in diesen zwei Jahren geworden bin. Ich reise – auch im übertragenen Sinn – mit leichtem Gepäck und möchte das fortsetzen.

Das Wunderbare ist ja: Man verkleinert seinen Besitz und erweitert damit gleichzeitig seine Perspektive. Heute Nachmittag zum Beispiel besichtige ich eine Eineinhalb-Zimmerwohnung, weil ich mich in so einer reduzierten Umgebung zurzeit wohler fühle. So sehr ich meine Wohnung liebe, die voll ist mit Erinnerungen – das ist ja auch der Vorteil, vielleicht der einzige, von Besitztümern, dass sie mit Emotionen aufgeladen sind –, aber zurzeit passt für mich was anderes besser, eine konzentriertere Art zu leben und zu wohnen.

 

Hat diese neue Sicht auf das Leben nicht auch etwas mit dem Älterwerden zu tun?

Winnemuth: Auf jeden Fall. Ich habe viele Jahre meines Leben lustig vor mich hin konsumiert. Jetzt, mit 52, komme ich in die Phase, in der ich alles auf den Prüfstand stelle. Mit 20 oder 30 will man noch alles haben. Erst später stellt man sich die Frage nach den wahren Bedürfnissen.

Ich finde dieses Mittelalter, in dem ich jetzt bin, total toll. Es beginnt jetzt eine bullshitfreie Zone. Ich muss das Spiel nicht mehr mitmachen, wenn es nicht mehr meins ist. Ich kann die Regeln selbst bestimmen. Niemand kann mich aufhalten. Ich bin auch nicht mehr wie noch mit 40 von der Akzeptanz meiner Umgebung abhängig, sondern merke, dass ich mich mehr und mehr davon frei mache, was andere denken. Das ist eine Entwicklung, die eindeutig mit dem Alter zusammenhängt.

 

Sie haben ja vieles ausprobiert. Sie haben z.B. 1997 mir Ihrem Mann und Kollegen Peter Praschl für die Zeitschrift AMICA den Sexmarkt getestet, mit ihm eine „Ultimative Gebrauchsanweisung für das Leben zu zweit“ geschrieben, dazu einen Roman …

Winnemuth: Ich war neugierig! Und bin es noch. Ich will ganz viel wissen, und das meiste erfährt man, indem man es selber macht. Ich war immer ein großer Fan davon, Dinge am eigenen Leib auszuprobieren.

 

Sind Sie und Peter Praschl noch ein Paar?

Winnemuth: Nein, er hat mich vor sechs Jahren für eine andere verlassen. Ich habe furchtbar getrauert, denn er war wirklich die Liebe meines Lebens, aber gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel Energie die Trennung freigesetzt hat. Ich habe Dinge durchgezogen, die ich nie gemacht hätte, wenn ich noch in dieser Beziehung gewesen wäre. Wäre ich zum Beispiel ein Jahr allein um die Welt gezogen? Vermutlich nicht! Und das gilt für vieles andere in meinem Leben auch, das ich nie gemacht hätte, wenn es diese sehr enge, hermetische Beziehung weiter gegeben hätte. So entsetzlich die Trennung war: Sie hat ein Platz für ein wunderbares, bereicherndes neues Leben geschaffen.

 

Waren Sie immer eher Single oder in einer Partnerschaft?

Winnemuth: Eher in Partnerschaften. Die vergangenen sechs Jahre ist die erste längere Strecke, die ich allein lebe. Aber ich mag es gerade sehr gern, Single zu sein, es entspricht meiner derzeitigen Lebensphase. Mich jetzt an einen Mann zu binden, wäre das Grauen für mich. Klingt blöd, ist aber so. Es wird sicher auch mal wieder anders sein, aber derzeit fehlt mich nichts. Zudem habe ich eine Menge Männerfreunde, mit denen ich trinken gehe oder verreise. Meinen ältesten Freund Michael kenne ich seit 36 Jahren – es ist toll, den immer noch im Leben zu haben. Und eine Bohrmaschine kann ich auch selber in die Hand nehmen.

 

Verlassenen Frauen würden Sie also sagen: Durchstarten!?

Winnemuth: Was denn sonst? Ich finde es normal, dass sich Menschen mit Mitte 40 oder 50 fragen: Will ich dieses Leben noch? Das gilt für Frauen und Männer. Wenn sie dann zu dem Schluss kommen, ihr Leben noch mal auf andere Füße zu stellen, dann müssen sie gehen. Das geschieht ja nicht aus Gemeinheit, sondern aus einem echten Bedürfnis. Wenn man in so einer Situation dann die vordergründig Leidtragende, weil Verlassene ist, sollte man das als Chance betrachten, sein eigenes Leben mal auf den Prüfstand zu stellen.

 

Schon die nächste Mutprobe in Planung?

Winnemuth: Noch nicht. Ich bin gerade damit beschäftigt, das Buch zur Reise zu schreiben. Das war eigentlich nicht geplant, aber es gab Anfragen von mehreren Verlagen. Ich habe zunächst gesagt, ist doch schon alles geschrieben. Kam dann aber im November zu dem Schluss: Da ist doch noch eine Menge übrig, was ich aufschreiben könnte. Gerade die Frage: Was passiert mit einem, wenn man sich ein Jahr lang absolute Freiheit gönnt? Ich hatte den Luxus zu tun, was ich wollte, ich hatte das Geld dazu und die Zeit – es ist ja selten, dass beides zusammenkommt. Und natürlich die Ungebundenheit. Ich habe das auf meine Weise gefüllt und bin einfach meiner Neugier und meinen Gelüsten gefolgt.

Hätte ich gedacht, dass ich in Sydney metzgern lerne und Ukulele spielen? In Buenos Aires habe ich Spanisch gelernt, in Israel Tauchen. Es war ein ungeheurer Schatz, diese neuen Erfahrungen machen zu dürfen. Jetzt bin ich erst mal damit beschäftigt, hier wieder anzukommen und zu überlegen, wie ich die erlebte Freiheit und Selbstbestimmtheit in meinen Alltag integriere. Das ist erstaunlich anstrengend. Im August ist Abgabetermin für das Buch. Was ich danach mache, weiß ich nicht. Aber das wird sich schon ergeben. Klar arbeite ich weiter, schreibe Reportagen, Kolumnen, verdiene Geld. Aber die eigentliche Frage, über die ich nach diesem Jahr nachdenke: WIE will ich leben? Eine große Frage! Oft eine, die man sich im Alltag nicht stellt. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich mir erlauben kann, darüber mal nachzudenken.

 

Meike Winnemuth ist studierte Germanistin und hat die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg absolviert. Sie arbeitete für RTL, schrieb und schreibt für den Stern, AMICA, Myself und GeoSaison; sie war Redaktionsleiterin und stellvertretende Chefredakteurin bei Park Avenue und stellvertretende Chefredakteurin bei der Cosmopolitan. Zurzeit schreibt sie als freie Autorin u.a. regelmäßig für das SZ Magazin und für Architektur & Wohnen.

Wer Meike Winnemuths Weltreise nacherleben möchte: „Vor mir die Welt. 12 Städte in 12 Monaten“  Für ihren Blog ist die Journalistin für den Grimme-Online-Award 2012 nominiert. 

Dani Parthum, 14. Mai 2012

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Ausgewählte Lese-Tipps im Mai / Juni

Fundstücke im Netz:

 

11. Juni  Rentenalter: Ist 67 das neue 65?

Rente mit 67? In Deutschland gibt es ja immer wieder Gezeter darum. Wann gehen die Menschen in anderen Ländern dieser Welt in Pension? Das hat der Datenjournalist Björn Schwentker gebloggt.

 

23. Mai  Manal al-Sharif: „Sie haben sich mit der falschen Frau angelegt.“ 

Manal al-Sharif ist Saudi-Arabierin — und fährt Auto. Eine Frau am Steuer? Was in Europa völlig normal ist, ist in ihrem Land ein Affront (empfinden die Männer dort so). Manal al-Sharif wurde mit ihrer Unerschrockenheit zur Symbolfigur der weiblichen Emanzipation. Dem britischen Journalist Guy Adams erzählte al-Sharif, die nur sehr selten Interviews gibt, von ihrem Kampf für Gleichstellung, gegen Hass und Vorurteile und dass sie sich nicht einschüchtern lässt. Ein sehr mitreißender Bericht der britischen Zeitung The Independent. 

 

25. Mai   Lobbywächter rügen Macht der Genfood-Industrie

Haben Nahrungsmittelkonzerne deutsche Behörden unterwandert? Zahlreiche Mitglieder wissenschaftlicher Gremien, die gentechnisch veränderte Lebensmittel bewerten, sollen jedenfalls mit der Industrie verbandelt sein. Eine Analyse bei Spiegel-Online.

 

30. Mai  Afghanistan I:  Erstmals wird eine Frau Ortsvorsteherin

Zarifa Qazizadah ist 50 Jahre alt und Mutter von 15 (!) Kindern. Und: Sie will das Leben ihrer Dorfbewohner verbessern. Deshalb hat sie sich zur Wahl gestellt und ist tatsächlich gewählt worden. Jetzt will sie ins nationale Parlament, berichten Huffington Post und Deutsche Welle (engl).


25. Mai  Afghanistan II:  Viele junge Frauen fliehen

Aus Furcht vor einer erneuten Machtübernahme der Taliban kehren immer mehr junge, gut ausgebildete Frauen Afghanistan den Rücken. Denn ihnen ist klar: Wenn 2014 die ausländischen Truppen abziehen, könnte sich die Situation für die weibliche Bevölkerung weiter verschlechtern. Hier weiterlesen.

 

26. Mai  „Die Frau hat dem Mann nicht hinterherzulaufen“

Sagt die Amerikanerin Dana Schwieger. Sie ist nach der Trennung von Til Schweiger alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Ein Gespräch über Muttersein, ihr Unternehmen „bellybutton“ und Til als Ehemann — in Welt Online.

 

31. Mai  Rauchen schadet Frauen mehr als Männern 

Wenn Frauen an Lungenkrebs oder anderen Atemwegstumoren erkranken, verlieren sie deutlich mehr Lebensjahre als Männer, wie das Statistische Bundesamt am Weltnichtrauchertag berichtet. Während Männer im Schnitt 3 Jahre früher starben, verkürzte sich das Leben von Frauen im Schnitt um mehr als 10 Jahre. Weiterlesen.

  

23. Mai  Vaterzeit scheitert häufig am Geld

Immer mehr Väter nehmen Elternmonate. Aber nicht alle Familien können sich das finanziell erlauben. Mütter sind nach wie vor die Hauptverantwortlichen in Sachen Kindererziehung. Einige Gründe schildert die Hans-Böckler-Stiftung

 

15. Mai  Vergeben will gelernt sein

Vergeben und Vergessen – das sagt sich einfach: Tatsächlich wir uns schwer damit, besonders bei Seitensprüngen oder dem Verlassenwerden. Frauen können übrigens noch weniger vergeben als Männer, schreibt Die Welt.

 

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Mehr Frauen in die Wissenschaft!

Sie hatten sich viel vorgenommen, im Herbst 2006. Sieben Wissenschafts-organisationen schlossen sich vor sechs Jahren zusammen, um die Chancenungleichheit von Frauen in der Wissenschaft zu beenden, darunter federführend der Wissenschaftsrat, aber auch die Deutsche Forschungs-gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft und die Hochschulrektorenkonferenz. Sie wollten dafür eintreten, dass bis 2011 der Anteil von Frauen an Führungs-positionen in der Wissenschaft deutlich erhöht wird.

 

Denn die Ungleichbehandlung in der Wissenschaft ist haaresträubend. Während heutzutage mehr Frauen ein Studium aufnehmen und es abschließen, entfallen auch in etwa die Hälfte der Promotionen auf WissenschaftlerInnen. Der Anteil der ProfessorInnen aber beträgt dann weniger als 15 Prozent! Das heißt: Von zehn Professorenstellen sind noch nicht mal zwei mit Frauen besetzt.

 

An diesem Auseinanderdriften der Chancen konnte auch die Offensive in den vergangenen fünf Jahren nichts ändern. Sie ist gescheitert und das Fazit ernüchternd, das der Wissenschaftsrat in seiner Bestandsaufnahme Ende Mai gezogen hat.

 

Zwar hat sich die Zahl der ProfessorInnen etwas erhöht. Aber eben nur etwas und nicht deutlich. Und beim Blick auf die Besoldungsgruppe, also wie die WissenschaftlerInnen bezahlt werden, stellt sich zudem heraus: Je besser eine Professorenstelle dotiert ist, desto seltener hat sie eine Frau inne.

 

Der Rat will jetzt die Hochschulen und Forschungseinrichtungen auffordern, Quoten einzuführen. In den Gremien der Unis und auch außeruniversitären Einrichtungen sollen zum Beispiel bei zehn Gremiums-Mitgliedern mindestens vier Frauen darunter sein.

 

Als Hauptproblem der Chancenungleichheit hat der Wissenschaftsrat festgestellt: die Karriere als WissenschaftlerIn sei „unzureichend planbar“. Das heißt: nach der Promotion, und vielleicht auch Habilitation, wissen WissenschaftlerInnen nicht, wie es beruflich weitergeht. Es gibt kaum Planungssicherheit. Eine feste Stelle an den Unis und Forschungseinrichtung ist zur Seltenheit geworden. An ihre Stelle sind befristete Verträge getreten.

 

Wie der Wissenschaftsrat und die anderen Forschungseinrichtungen allerdings ganz praktisch die Chancen für Frauen im Wissenschaftsbetrieb verbessern wollen, dazu haben sie nicht viel geschrieben. 

 

Dani Parthum, 30. Mai 2012

 

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Kirsten, 48, Ideenmanagerin, Chorsängerin, St.Paulianerin

Kirsten

 

Kirsten fällt auf! Kein Wunder, die 48jährige Ideenmanagerin hat nicht nur beruflich mit täglich neuen Ideen zu tun, sie selbst steckt voll davon. Die quirlige St. Pauli-Bewohnerin trägt Konfektionsgröße 42/44 und kleidet sich gemäß ihrem Lifestyle: drüber & drunter! In diesem Fall heißt das: Schuhe: Zalando; Strümpfe: Techniker Krankenkasse (!); Hose: Peek & Cloppenburg; Kleid: Second Hand; Bluse: H&M; Jacke: 10 Jahre alt, Herkunft nicht mehr bekannt; Ketten: Flohmarkt.

Am Liebsten geht Kirsten mit ihrer Freundin Franka einkaufen. Bevorzugtes Jagdrevier: Timmendorf! Warum Franka eine tolle Shoppingbegleitung ist? Na, sie hat Geduld und Geschmack und scheut sich nicht, die Stirn zu runzeln, wenn Kirsten etwas gar nicht steht…

 

Franka und Kirsten

 

 

 

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Sie kann Boss.

Marion Knaths hat die Männer durchschaut. Sie war Vorstand eines US-Großkonzerns und weiß, wie Frauen die gläserne Decke durchbrechen können. Ihr Wissen gibt sie als Führungskräftecoach an Frauen weiter. Wenn die androgyn wirkende Knaths als Rednerin auf Bühnen steht, wie zuletzt bei der WoManPower 2012 in Hannover, wird es amüsant. Und wahrhaftig. Knaths erzählt pointiert und mitreißend – und mit einer klaren Botschaft: Frauen, lasst euch nicht ausbremsen von den Männern, sondern spielt mit. 

 

Charismatische Rednerin -- Marion Knaths

sheboss heißt Knaths Firma — der Name ist Programm. Um „Boss“ zu werden, müssen Frauen sichtbar sein für Vorgesetzte und Kollegen, sagt Knaths. Wie das geht? Sich das eigene Rollenverhalten  bewusst und männliches Kommunikationsverhalten zu nutzen machen.

 

Frauen fragen, Männer machen Ansagen

Ein früh gelerntes Rollenverhalten steht vielen Frauen im Job im Weg. Knaths erklärt das in ihren Vorträgen in charmanter Weise so: Mädchen spielen gern Rollenspiele, Jungs Fußball. Beim Rollenspielen gibt es nichts zu gewinnen, dafür viel zu verlieren. Ein Mädchen kann von den anderen ausgeschlossen werden. Also achten sie später auch als gestandene Frauen darauf, alle einzubeziehen und gemocht zu werden. Anders bei den Fußball spielenden Jungs. Da sagt schon erstmal ein Trainer, wo es langgeht. Im Wettkampf läuft die Mannschaft als Team auf, da ist es egal, ob einer gemocht wird oder nicht. Was zählt sind Sieg und Lob vom Trainer – und den Kumpels! Entsprechend kommunizierten Mädchen und Jungs als Erwachsene.

Frauen fragen, damit sich alle einbezogen fühlen, und Männer machen Ansagen, wie früher ihre Trainer. Dass dadurch Missverständnisse entstehen, liegt auf der Hand, so Knath.

„Eine ernstgemeinte Frage ist bei sehr vielen Männern deshalb eine Rarität! Weil für sie gilt: Wer fragt, verliert!“ Knaths empfiehlt deshalb Frauen, sich diese Art zunutze zu machen, ohne sich zu verbiegen.

Ihr Tipp: Anweisungen an Männer nicht freundlich als Frage formulieren, sondern als Ansage. Wie das geht? Am Satzende mit der Stimme runter statt hoch. Das wirkt kompetent und freundlich.

Also nicht:  Herr Martin, bearbeiten Sie bitte bis morgen 10 Uhr das Dossier? (Stimme hoch) 
Sondern:  Herr Martin, bearbeiten Sie bitte bis morgen 10 Uhr das Dossier! (Stimme runter)

 

Timing wichtig

Konferenzen sind für Frauen oft ein Graus, eine Zeitverschwendung. Sie wollen schnell die Agenda abarbeiten, Zack-zack über alles reden und dann weiter. Anders die männlichen Kollegen. Sie tun erst einmal reihum ihre Ansichten kund, auch wenn sich die Argumente wiederholen. Solange der Chef ein Mann ist und das toleriert, hat Frau keine Chance, das zu ändern, so Knaths und meint: über sich ergehen lassen und auch etwas sagen, geistreich muss es gar nicht sein. Machen die Männer ja auch nicht jedes Mal. Und dann warten, Männer reden lassen, deren Lösungen und Einwände anhören. Und erst, wenn sich die Argumente zu einem bestimmten Zeitpunkt im Kreis zu drehen beginnen oder eine Lösung nicht greifbar ist, die eigene Idee oder einen Redebeitrag beisteuern – mit fester Stimme.

Und wenn sich ein Kollege die Idee schnappt und als seine verkauft, was ja oft vorkommen soll, reinhaken, die eigene Freude kundtun, dass der Kollege IHRE Idee offensichtlich gut findet, und dann die eigene Problemlösung mit anderen Worten noch einmal darlegen.

Wer gleich am Anfang mit seinen Ideen punkten will, um die Diskussion in die gewünschte Richtung zu lenken, geht oft unter, hat Knaths beobachtet, wird von Kollegen ignoriert, nicht ernst genommen. Und noch etwas ist wichtig gerade in Konferenzen: die Hierarchie einhalten.

 

Immer an die „Nummer Eins“

Die Nummer Eins ist der Chef oder die Chefin. Wer als Frau in einer Männerrunde — oder von Männern dominierten Runde — gehört und gesehen werden will, spricht nicht in die Runde, mit Blickkontakt reihum, sondern direkt die Nummer eins an. Das betont Marion Knaths immer und immer wieder. Denn die Nummer Eins ist wie früher der Trainer, der sagt, wo es langgeht, der lobt und tadelt. Ist die Idee, der Redebeitrag beim Chef angekommen, reagieren auch die Kollegen darauf, vorher meist nicht.

 

und schön wiederholen!

Auch wenn es einem vielleicht doof vorkommt! Um in der Hierarchie aufzusteigen, ist es in Konferenzen und Mitarbeitertreffen mit Chefbeteiligung enorm wichtig, einen „wahrnehmbaren Beitrag für’s Team zu leisten“, sagt Marion Knaths. Das müsse nicht grimmepreisverdächtig sein. Es genügt, die guten Ideen oder eine gute Idee der KollegInnen zu wiederholen und besonders herauszustreichen. Beim Chef bleibt dann hängen: die Kollegin ist engagiert!

 

Über Erfolge sprechen

Klappern gehört bekanntermaßen zum Handwerk. Wer die oberen Sprossen der Karriereleiter erreichen will, sollte das Klappern beherrschen. Erfolgreich gemeisterte Projekt gegenüber Kollegen unbedingt ansprechen, den eigenen Anteil daran herausstellen, sagt Knaths, auch wenn es schwerfällt und ungewohnt ist. Männer tun das ständig. Nur wenn auch frau über ihre Erfolge spricht, wird sie von Kollegen und Vorgesetzten wahrgenommen. Und:

 

Prestigeträchtige Aufgaben übernehmen

Und die Fleißarbeiten anderen überlassen, zum Beispiel dem neuen, jungen Kollegen. Oder dem Kollegen, der ständig alles besser weiß, vielleicht mit den Worten: „Sie können das doch viel gründlicher erledigen als ich, Herr Müller, Sie mit Ihrem Überblick!“ Wie kann dann der Kollege die Fleißarbeit ablehnen? Und Sie haben Zeit für Aufgaben, die wichtig sind für Team und Firma.

 

Frau-Sein ist gut, Mädchen-Sein Schrott

Noch so ein Erfahrungsschatz. Sich dem männlichen Kommunikationsverhalten anzupassen, bedeutet auf keinen Fall, die eigene Weiblichkeit und Persönlichkeit aufzugeben, sondern nur, sich im Job den Gegebenheiten anzupassen. Das ist professionell! Das Mädchen in uns, das gluckst, die Beine im Stand kreuzt, den Kollegen den Vortritt lässt, immer hilfsbereit und nett ist und bei Gesprächen mit geneigtem Kopf ständig lächelt – bleibe besser zuhause, appelliert Knaths.

 

Das war suboptimal

Und geht mal etwas gründlich in die Hose, läuft zum Beispiel eine Präsentation wirklich schlecht, hat frau in einer wichtigen Debatte einen Black Out oder irgendeinen Fehler gemacht – nicht lange hadern, sich den Fehler besser verzeihen und ihn innerlich mit den Worten kommentieren (so macht das auch Knaths): „Das war suboptimal!!“ Ein Satz von Gerhard Schröder im Interview mit der „ZEIT“ auf die Frage, wie er sein Auftreten in der Elefantenrunde 2005 im Nachhinein einschätzt.

Suboptimal! Was für eine grandiose Verharmlosung. Schröder war in der Elefantenrunde am Wahlabend außer Rand und Band, wirkte angetrunken. Elefantenrunde wird die  Fernsehdebatte bei der ARD genannt. Zwei Journalisten befragen nach der Wahl die Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien. Schröder als Noch-Bundeskanzler konnte sich in dieser Sendung nicht zu seiner Wahlniederlage bekennen, er beharrte darauf, dass ER natürlich Kanzler bleibe und „der eigentliche Verlierer dieser Wahl doch Frau Merkel“ sei! „Niemand außer mir kann eine stabile Regierung bilden!“, wetterte er selbstgerecht. Und machte sich unvorstellbar lächerlich.

Jede Frau hätte sich für diesen Auftritt vor Scham monatelang nicht mehr auf die Straße getraut. Schröder aber, das Alphaltier, findet seinen Auftritt lediglich „suboptimal“!

Natürlich verhalten sich Frauen und Männern nicht alle und ständig so stereotyp, wie Marion Knaths das in ihren Vorträgen anspricht. In der Zuspitzung aber liegt viel Wahrheit.

 

Wir Frauen sind lernfähig!

Mit diesen Worten beendet die Beraterin Marion Knaths bei der WoManPower ihren Vortrag über die zwei Seiten der Gläsernen Decke. Recht hat sie. 

 

Begehrte Fachfrau Knaths bei der WoManPower 2012

 

Marion Knaths hat es geschafft, sich in der Männerwelt eines Großkonzerns zu behaupten — als Vorstandsmitglied, gerade einmal 34 Jahre alt. Sie stellte auf ihrem Weg nach oben aber fest, dass viele ihrer Kolleginnen an die so genannte Gläserne Decke stießen und nicht im Unternehmen aufstiegen wie sie. An der Fachkompetenz habe es jedenfalls nicht gelegen, bemerkte Knaths, sondern an der Rolle, die die Frauen spielten und wie sie in der männlich dominierten Hierarchie kommunizierten, verbal und nonverbal. Nach einer überstandenen Krebserkrankung legte Marion Knaths ein Sabbatical-Jahr ein. Den Vorstandsjob quittierte sie anschließend und gründete ihre eigene Firma sheboss. Seither bietet sie Führungskräfteseminare an — von Frauen für Frauen.  

 

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Ausgewählte Lese-Tipps im Mai

Fundstücke im Netz:

 

15. Mai  Goldinventur? Bundesbank vertraut blind

Deutschlands Goldreserven liegen größtenteils in New York bei der dortigen Zentralbank — Goldbarren im Wert von zurzeit rund 133 Milliarden Euro. Deutschlands Goldreserven lagern zudem in London und Paris. Und das seit Jahrzehnten. Nie aber hat die Bundesbank sie nachgezählt, so wie jede Kauffrau das einmal im Jahr mit ihren Beständen macht. Und auch jetzt weigert sich die Bundesbank und widersetzt sich der Forderung des Rechnungshofs, einmal nachzuzählen. Kommentar im Handelsblatt.

 

14. Mai  So scharf war die Erde noch nie

Diese atemberaubenden Fotos unserer Erde hat ein russischer Wettersatellit aufgenommen. Derart hochauflösende Aufnahmen gab es noch nie. Zu sehen bei der Huffington Post

 

12. Mai   Sex und Liebe: Was Paare zusammenhält

Glück, Zufriedenheit, gemeinsame Interessen? Von wegen. Wer eine stabile Beziehung will, braucht: wenig Sex, konstantes Unglück, Resignation und unsichere Partner. „Tut uns leid, ist so“ – schreibt das SZ Magazin und berichtet über neue Erkenntnisse aus Psychologie und Medizin.

 

10. Mai  „Bild dir bloß nicht zu viel ein“

Für die Journalistin Wibke Bruhns war Willy Brandt eine Hoffnung, Grass ist für sie ein alter eitler Herr, ihr eigenes Alter empfindet sie als vierte Jahreszeit und die Arbeit von  Angela Merkel findet sie — überraschenderweise — hervorragend. Ein Interview mit ihr in der taz

 

8. Mai  Lufthansas First Lady 

Mit Simone Menne rückt erstmals eine Frau in den Vorstand der Lufthansa. Einige Kollegen trauten ihr diesen Schritt nicht zu. Über die erste First Lady der Fluggesellschaft berichtet die FTD.

 

9. Mai  Renten driften stärker auseinander 

Zwar gehen heute weniger Menschen direkt von der Arbeitslosigkeit in den Ruhestand als in der Zeit von 2005 bis 2009. Doch nach wie vor ist mehr als jeder zehnte Neurentner von langjähriger Arbeitslosigkeit betroffen. Das Risiko der Altersarmut für diese Gruppe hat zugenommen. Über die Mär der großen Chancen der Alten auf dem Arbeitsmarkt.

 

9. Mai  Gewerkschaftsmitglied zu sein, zahlt sich aus

Arbeitgeber entlassen Gewerkschaftsmitglieder deutlich seltener als Nicht-Mitglieder. Für Frauen soll sich die Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft besonders lohnen, schreibt die Hans-Böckler-Stiftung hier.

 

9. Mai  Rigoroser Sparkurs in Europa mit katastrophalen Folgen

Das Spardiktat von Merkel und Sarkozy für die Krisenländer der Eurozone hat nach Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verheerende Folgen für den Arbeitsmarkt. Statt zu deregulieren sollte die Staatengemeinschaft die Arbeitnehmerrechte und den Staat stärken. 

 

13. April  „Bloß nicht abschreiben“

Sibylle Berg ist eine großartige Autorin. In diesem Interview mit dem Standard spricht sie über doofe Journalisten, Drecksmedien und ihre Internetsucht. Sie entzaubert sich dabei allerdings, denn sie sagt von sich, sie wolle alles verstehen, dafür lese sie vor allem Twitter. 

 

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Ich liebe Autos!

von Kirsten Kahler, 7. Mai 2012

Ich bin ja sooo emanzipiert! Ich gebe gern den Ton an, ich gehe Konfrontationen nicht aus dem Weg, und ich liebe Autos. Ja, ich liebe Autos! Ich fahre sie gern, ich mag diese Technik, die Geschwindigkeit, das Metall, das Motorengeräusch, die Wucht. Immer wenn jemand fragt: „Bist Du typisch Frau bezüglich Autos?“, sage ich: „Nein, ich doch nicht!“

 

 

Ja, ja. Eben gerade wollte ich losfahren und entdecke: der linke Vorderreifen ist platt. Na, super! Ersatzreifen ist im Kofferraum. Radkreuz und Wagenheber auch. Und? 

Ziehe ich die Radkappe ab? Setze ich den Wagenheber an und drehe das Auto hoch? Schiebe ich das Werkzeug auf die Radmuttern? Setze ich meine volle Körperkraft ein, um die Schrauben los zu drehen? Wuchte ich den Ersatzreifen aus dem Kofferraum? NEIN!

 

Ich schaue mich um, ob zufällig in der Nachbarschaft ein Mann zu sehen ist – was natürlich nicht der Fall ist – und rufe den ADAC.

 

Jetzt warte ich auf den Gelben Engel, damit er mir den Reifen aufzieht. Und rechtfertige mich vor mir selbst damit, dass der Ersatzreifen bestimmt zu schwer für mich wäre. Und dass ich die Radmuttern am Ende garantiert nicht fest genug angezogen hätte. Viel zu gefährlich also … Peinlich. Ich weiß genau, dass es genug Männer mit meiner Statur gibt, die ihren Reifen einfach gewechselt hätten.

 

Bin ich also emanzipiert? Ich glaube, darüber sollte ich nachdenken.
Ah, es klingelt. Ich muss zur Tür!

 …

Eben war der ADAC-Mann da. „Es ist nur der Reifen“, sagte ich ganz zerknirscht zu ihm, „ich kann das leider nicht. Typisch Frau!“
Seine Antwort: „Müssen Sie auch nicht. Sonst werden wir ja arbeitslos!“ Charmeur, dachte ich bei mir. Und dann passierte Folgendes:

 

Der Ersatzreifen wurde NICHT aus dem Kofferraum gewuchtet, das Auto NICHT aufgebockt, KEIN Radkreuz gedreht. Stattdessen setzte der ADAC-Mann den Reifen unter Überdruck, zog den hineingefahrenen Nagel mit einer Zange heraus und drückte (mit deutlichem Kraftaufwand) einen Gummiflicken in den Mantel. Jetzt ist alles wieder gut. Ich kann einfach weiterfahren und brauche keinen neuen Reifen.

 

Kein Nachbar hätte das tun können.
Und ich auch nicht.
Schon wegen der Werkzeuge.

Siehste!

 

Fotos: Tom Salt

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