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Von wegen gleiche Chancen!

Es ist leider oft noch immer so: Kinder bremsen das berufliche Fortkommen von Frauen aus und Frauen managen ihre Karriere passiver als sie denken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung des Personaldienstleisters Accenture. Freilich ist es nicht so, dass beruftätige Mutter das nicht längst gewußt hätten. Aber es zu lesen, ist dann doch etwas anderes.

von Dani Parthum, 8. März 2012

Zügig durchblättert. Archivarin im Bundestag.

Zügig durchgeblättert. Archivarin im Bundestag.


Warum Kinder das berufliche Fortkommen bremsen? Darauf hat die Befragung von Accenture zwei Antworten: Zum einen, weil etwa ein Viertel der befragten Männer die Aussage bejahten: „Am Arbeitsplatz sind Frauen und Männer gleich“. Die Crux daran erklärt Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture so: Die Wahrnehmung, dass viele Männer glauben, die Chancengleichheit sei mittlerweile so gut wie erreicht, berge die Gefahr, dass Arbeitgeber nicht immer die richtige Personalentscheidung fällen. Sie nehmen die Leistung von Frauen deshalb nicht bewußt wahr, um sie zu fördern. Zum anderen ziehen Vorgesetzte Mütter in Teilzeit oft nicht in Betracht für Positionen mit mehr Verantwortung – oft aus falsch verstandener Rücksichtnahme, selbst wenn sie die besten Kandidatinnen dafür wären.

Da verwundert es nicht, dass immerhin fast die Hälfte der 100 befragten berufstätigen Frauen sagten: Ihr berufliches Fortkommen habe gelitten, seit sie Mütter sind. Bei den Vätern kreuzten 20 Prozent an, dass ihnen die Vaterschaft berufliche Nachteile eingebracht hat. Allerdings hat etwas weniger als die Hälfte der befragten Frauen und Männer angegeben, ihr Arbeitgeber unterstütze Frauen beim beruflichen Fortkommen vor allem in fachlicher Hinsicht durch Fortbildungen und andere Lernangebote. Woran es aber krankt, sind Initiativen, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.

Ein „Aber“ merkt dabei Ann-Kathrin Sauthoff-Bloch an, Leiterin des Frauennetzwerks bei Accenture. „Dass es an vielen Stellen in Berufsleben keine Chancengleichheit gibt, liegt nicht allein an der Sichtweise von Männern und gewachsenen Strukturen. Für verpasste Karrierechancen muss sich auch manche Frau an die eigene Nase fassen.“ So managen nur 55 der 100 befragten Frauen aktiv ihre Karriere. Sie sprechen mit ihren Vorgesetzten selten innerhalb eines Jahres darüber, wie es im Job weitergehen könnte. Die Männer tun das viel öfter! Männer sprechen auch häufiger als eine Frau eine Beförderung an. Dabei haben Frauen großen Erfolg, wenn sie ihre Aufstiegswünsche klar und deutlich gegenüber ihren Chefs ausdrückten, belegt die Umfrage ebenfalls.

„Viele Frauen glauben, dass Arbeit und Einsatz für sich sprechen, und automatisch belohnt werden“, sagt Ann-Kathrin Sauthoff-Bloch. „Das allein reicht in den meisten Fällen jedoch nicht.“ Männer holen sich zum Beispiel Rat für die eigene Karriere von ihren Vorgesetzten und signalisieren so Aufstiegswillen. Außerdem tauschen sie sich über Karriereperspektiven im Kollegenkreis aus.

 

Accenture hat für die Umfrage mit 100 berufstätigen Frauen und 100 berufstätigen Männer in mittelgroßen bis großen deutschen Unternehmen gesprochen, mit dem Schwerpunkt auf Angestellte. Die Befragung fand im November und Dezember 2011 statt.

Foto:  @Bundestag/Jonas Fischer/fotothek

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