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Übersetzungshilfe für Bankerblala.

Der Schweizer Autor und Publizist Renè Zeyer hat sich mal wieder an den Computer gesetzt und mit „Cash oder Crash“ ein unterhaltsames, kleines Nachschlagewerk zustande gebracht. Worum es darin geht? Um sein Lieblingsthema: die Finanzindustrie und ihr Gebahren.

von Dani Parthum,  7.Dezember 2011

Bares oder Wahres!

Bares oder Wahres!

Zeyer will die Banker, wie schon in seinem vorherigen Buch „Bank, Banker Bankrott“ entlarven, als das, was sie seiner Meinung nach sind: die größten Abzocker unserer Tage. Deshalb der Untertitel des Buches: Abzocker durchschauen. Eine Gebrauchsanweisung.

Um die Banker vorzuführen, nimmt er sich ihre Sprache vor. Zeyer beschreibt sie als „aufgeschäumtes Wortblasengewäsch“, das „von so genannten Finanzexperten herausgeblasen wird“. Dazu kommt: 95 Prozent aller Geschäfte, die von Banken betrieben werden, seien so überflüssig wie ein Kropf. Überflüssig für Wirtschaft und Gesellschaft! Denn hinter den meisten Finanzbegriffen stehen oft keine Geschäfte, die die Wirtschaft absichern und sie mit Geld versorgen, sondern Geschäfte, von denen vor allem Bankvorstände profitieren, einige Mitarbeiter und die Aktionäre. Beispiel Derivate: Einst als sinnvolles Termingeschäft entwickelt, mit denen zum Beispiel Bauern eine schlechte Ernte abfedern können, führen sie heute als Zins-, Kredit- und Aktienderivate ein irres Eigenleben, ohne realen Bezug zur Wirtschaft. Allen sei dabei eines gemeinsam, schreibt Zeyer in seinem Wörterbuch: Was einer an ihnen verdient, verliert ein anderer. Und wer gewinnt dabei immer? Die Banken.

Und so dekliniert der Publizist den Bankerjargon durch und erklärt, was hinter Begriffen wie Analyst, Bilanz, Leerverkäufe, Rating-Agenturen, Stresstest und Zins steckt. Auch Josef Ackermann, Vorstandchef der Deutschen Bank, bekommt sein Fett weg, genauso wie der Ex-Chef der Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS, der beide kurz vor Bekanntwerden von Milliardenverlusten verließ.

Renè Zeyer weiß, wovon er schreibt. Er kennt die Branche, war selber jahrzehntelang mittendrin. Er hat für Printmedien wie „stern“, „Geo“ und die „FAZ“ über sie berichtet und später Großbanken in Kommunikationsfragen beraten. Mit Kenntnisreichtum und Humor führt er sie mal wieder vor und bezieht dabei klar Stellung. Manchmal übertreibt Zeyer es allerdings mit seiner Lust an der Pointe. Dann rutscht er in Polemik ab, statt zu analysieren. Unterhaltsam finde ich das dennoch jederzeit – und lehrreich dazu.

Ein handliches Buch für Bus und Bahn und zwischendurch, wenn eine Zeitung mal wieder einen Analysten zitiert, der Banken-Stresstest ansteht oder im politischen Betrieb von Hebel die Rede ist.

Mein Tipp für alle, die sich für Wirtschaft interessieren und Zusammenhänge besser verstehen wollen – und einen Sinn für Absurdes im Alltäglichen haben!

Renè Zeyer: „Cash oder Crash. Abzocker durchschauen.“ orell füssli Verlag

Das Interview zum Buch mit dem Autor: Gebt dem Geld wieder einen Wert!

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