Die Sache mit dem Schuh.

Meine Freundin Kathrin mag keinen Sport. Möchte Kathrin abnehmen – und das möchte sie oft – zählt sie Punkte nach der Methode der US Gewichtsbeobachter. Sie kennen das sicher. Meine Freundin hat oft Migräne und im Augenblick auch „zwei taube Finger“. Doch die tauben Finger sind jetzt weg. Wie das?!

Kathrin feierte vorgestern ihren 46. Geburtstag. Im kleinen Rahmen – mit Ehemann und ein paar Freunden. Das Programm: unserem Alter angemessen, Essen beim Italiener, dann „vielleicht in den Jazzclub“. In den hatten wir es seit unserem Umzug ins Viertel, und der liegt lange zurück, noch nie geschafft. An Kathrins Geburtstag schafften wir es auch nicht.

Die meisten von uns fielen nach dem Espresso in ihre Betten, nur Kathrin nicht – die tanzte mit Martin durch die Nacht. Nicht im Jazzclub, sondern im Wohnzimmer. Zu Joe Cocker und Supertramp. Immer noch glühend erzählte sie mir tags darauf vom „die Sau rausgelassen“. Und das Schönste, so Kathrin, sowohl Kopfweh als auch Taubheitsgefühle seien wie weggefegt. Ein schönes Geschenk: Die Wunderwirkung körperlicher Ausdauer-Betätigung auf das allgemeine Wohlbefinden zu entdecken!

Ich selbst kann gut reden. Noch in der Schülerrunde des 1. SC Gröbenzell lief ich die Achthundertmeter beim Wettkampf lieber in 10 Minuten als wie meine Wettstreiterinnen giftgrün ins Ziel zu stolpern. Aerobic, Step, Basketball, Bauch, Beine, Po, Pilates, Nia, Spinning – jahrelang kein Problem für mich – doch Langlauf, Joggen? Ging gar nicht! Bis vor zwei Jahren.

Der neue Vollzeitjob verwandelte meine Mitgliedschaft im Fitnessclub mangels Anwesenheit in ein überteuertes Wertpapier. Abgesehen davon, nach neun Stunden Großraumbüro zwei Stunden Großraumstudio? Letzte Konsequenz: raus bei jedem Wetter. Was dort tun? Na, wohl doch joggen. Die ersten Wochen schleppte ich mich elefantengleich mit schweren Gliedern durch den Park. Nach ein paar Monaten waren immerhin drei Kilometer drin. Schlappe 24 Monate später umrunde ich – mit rotem Kopf und immer noch nicht elfengleich – die Hamburger Alster.

Aber das Ergebnis ist genial: durchpustete Herzklappen, Sauerstoff in jeder Körperzelle, ein freies Gehirn und ein stark reduziertes Aggressionspotenzial. Punkte zähle ich übrigens auch nicht. Zum nächsten Geburtstag bekommt Kathrin ein paar Laufschuhe.

von Sandra Coy, 24. Januar 2012

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