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Sie schenkt Glück.

Andere gücklich zu machen, ist ein guter Weg, selbst glücklich zu werden! Sagt Sabine Siehl. Sie hat deshalb das erste, wirklich soziale Netzwerk gegründet: wellYunit   

 

Glück verschenken. Sabine Siel

11.Januar 2013 
Deine Internet-Plattform „wellYunit“ ist seit November online. Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen und was bedeutet der Name?

Ausgedacht habe ich mir den Namen zusammen mit einem Coach, einer Frau, die mich begleitet hat bei meiner Suche nach meiner wirklichen Berufung, also einer Aufgabe, die ich sozusagen aus tiefstem Herzen erfüllen möchte. Ich wollte etwas Sinnvolles, Sinnstiftendes für diese Welt tun. Mir geht es darum: Wie können wir besser zusammenleben, bewusster leben. Und das war Teil dieser Namensentwicklung.

Im Endeffekt drückt es aus, was die Plattform sein will. Es geht um das Wohl der Menschen – dafür steht das „well“. Und es geht darum, dass wir uns als Einheit begreifen. Wenn ich Dich beispielsweise glücklich mache, wirkt das auch auf Dein Umfeld und auch auf meines – dafür steht das „unit“. Und in die Mitte habe ich das Y gesetzt, das steht für „You“, d.h. das „Du“, denn ich bin überzeugt, jeder kann einen Beitrag für mehr Glück in unserer Gesellschaft leisten. 

 

Ist das der Grundgedanke der Plattform?

Ja, das ist meine Vision: Eine Plattform zu betreiben, mit der die Menschen etwas verändern können. Sie sollen spüren, es gibt Menschen, die ihnen helfen, die zu ihrem Glück beitragen, aber sie können es auch eben auch bei anderen – im Kleinen wie im Großen.

 

Und wie unterscheidet sich Deine Plattform von Tauschringen?

Bei wellYunit geht es nicht darum, ich gebe etwas und dafür bekomme ich auch etwas wie bei Tauschringen. Da muss man erstmal etwas ansammeln, um es einzulösen. Leistung – Gegenleistung ist dort das Prinzip. Das gibt es bei wellYunit nicht. Bei mir wird Glück verschenkt!

 

Glück schenken?! Wie sieht das aus?

Glück ist ja etwas völlig Individuelles. Für jeden bedeutet Glück etwas anderes, je nachdem auch, wo jemand steht. Bei mir kann Glück heute ganz anders aussehen als in einer Woche. Und das soll die Plattform abbilden. Alles ist möglich.

Ich glaube, dass zum Glück Vertrauen gehört, sich aufgehoben fühlen. Für mich gehört dazu, dass ich mich frei fühle, dass ich weiß, ich kann gestalten, ich habe mein Leben in der Hand, empfinde keine Ohnmacht. Und, dass man die schönen Dinge sehen kann, die Schönheit der Welt, und nicht nur sieht, was nicht so gut läuft …

 

Und wie erreichst Du das auf der Plattform – Glück zu verschenken?

In dem sich jemand registrierst, dann kann er oder sie in ihrem Profil Angebote und Gesuche einstellen, wie auf einem Marktplatz. Allerdings mit dem Unterschied, dass das, was jemand anbietet, ein Geschenk ist, ohne Bezahlung, ohne Tausch. Es bieten zum Beispiel Leute Bücher an, oder eine Reikimassage, oder jemand sucht Hilfe beim Streichen des Arbeitszimmers. Es können also Dinge sein, die zum Glück führen oder Taten. Es könnten auch gemeinnützige Organisationen auf wellYunit Leute suchen, die ehrenamtlich arbeiten möchten, oder sie können Rat und ihr Wissen weitergeben.

Die Angebote und Gesuche lassen sich filtern, z.B. nach Regionen, nach Art dessen, was verschenkt oder gesucht wird, wie Wissen über Geld, Taten oder Sachen. Aber auch nach Kategorien lassen sich die Angebote und Gesuche durchstöbern, nach Partnerschaft z.B. Gesundheit, Natur, Umwelt … etc.

 

Das Mitmachen auf Deiner Plattform ist nicht wie bei facebook gratis, sondern kostet etwas. Wieso?

Um die Seite richtig nutzen zu können, muss man registriert sein, am Anfang in einer Testmitgliedschaft, oder Schnuppermitgliedschaft. Ich wollte einen geschützten Bereich haben. Nach dem Registrieren kann das Angebot 30 Tage lang umsonst genutzt werden. Eine Jahresmitgliedschaft kostet dann 24 Euro. Automatisch verlängert sich die Testmitgliedschaft aber nicht. Ich erinnere per Mail daran, dass die Mitgliedschaft abläuft.

Mir ist wichtig, dass sich jeder aktiv entscheidet, auf der Plattform mit dabei zu sein. Ich finde das fairer, authentischer als eine automatische Verlängerung, die ich natürlich auch nach Ablauf der Schnuppermitgliedschaft und nach der Jahresfrist einrichten könnte.

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, dass es etwas kostet und ich das Portal werbefrei halte.

 

Sabine Siehl will die Welt glücklicher machen. Mit wellYunit

Sabine Siel hat Großes mit wellYunit vor: die Welt glücklicher zu machen.

Klingt für mich sehr idealistisch!

Ja, es gibt einige, die das so sehen und die gleich fragen, was habe ich davon? Wo ist der Nutzen und warum kostet das was? Aber es gibt auch Leute, die das interessant und wichtig finden. Man kann nicht jedem gefallen. Die Leute stehen ja auch an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben.

Ich glaube schon, dass viele Menschen den Wunsch nach Beziehungen haben, es gut miteinander meinen, sich aufgehoben fühlen wollen. Dass sie etwas suchen, das nicht egoistischer Natur ist, nicht materialistisch, nicht eigennützig. Denn das ist nicht das, was uns zufriedenstellt.

Am Ende wünschen sich die Meisten ein gutes Miteinander, Mitmenschlichkeit, weg von diesem Erwartungsdruck und – eben Glück! Und die, die so denken, spreche ich an. Weil es auch einfach Freude macht zu schenken!

 

Was habe ich denn für einen Anreiz, etwas über Deine Seiten zu verschenken, was ich im Grunde auch verkaufen könnte?

Im Endeffekt stellen die Leute ihre Sachen auf der Seite ein, weil sie nicht für alles Geld bekommen möchten. Das ist mein Ansatz, die Idee der Platform. Wir leben ja auch mit Leuten zusammen, Ehepartnern, Freunden, Kollegen und da fragen wir ja auch nicht ständig, was kriege ich dafür? Dinge herschenken, um anderen eine Freude zu bereiten. Das ist es.

 

Wie viele Mitglieder hast du schon?

Es sind jetzt über einhundert. Einige haben schon eine zahlende Mitgliedschaft abgeschlossen. Ich bin ganz zufrieden, wie es sich entwickelt, auch was die Leute reinstellen. Es sind erste Sachen verschenkt worden, wie eine Klangmassage oder Bücher.

 

Hast Du die Internet-Plattform, das Soziale-Netzwerk, gegründet, um davon leben zu können?

Ja, schon. Das Ziel geht aber über das Geldverdienen hinaus. Ich verstehe mich als Social Entrepreneur. Meine große Vision ist, das wir uns gegenseitig „Glück schenken“, von Person zu Person, in dem Sinne, dass – wenn ich jemanden etwas schenke, eine Tat oder Sache, ich mich selbst glücklich fühle, ich freue mich, und ich erfreue denjenigen, dem ich etwas geschenkt habe.

Darüber hinaus geht es mir darum, dass es, je mehr Mitglieder auf wellYunit sind, wir auch die Möglichkeit haben, Projekte zu unterstützten und sie mit zu finanzieren, sodass das eigene Glück auch zu mehr Zufriedenheit in unserer Gesellschaft führt.

In einem Aspekt ist das jetzt schon so. 20 Prozent der Mitgliedsbeiträge gehen an zwei gemeinnützige Projekte, die Stiftung Kinderjahre, die sich für gleiche Chancen für benachteiligte Kinder einsetzt. Die Stiftung hat z.B. auch an sechs Hamburger Schulen das Unterrichtsfach Glück eingerichtet. Und das andere Projekt ist das Jane Goodall Institut in München, Jane Goodall ist die Schimpansenforscherin und das Institut setzt sich für die Natur ein. Sie ist auch jemand, der dem Lebensmotto folgt: jeder kann etwas bewirken.

Darum geht es mir auch: das wir nicht immer sehen, wo sind Missstände, das wir anklagen, meckern, Schuldige suchen oder sagen, da können wir nichts tun, sondern wir sagen: wir können etwas tun! 

 


Was macht dich sicher, dass Du mit Deinem Sozialen Netzwerk Erfolg haben wirst?

Ich bin nicht sicher! Ich kann das schwer beschreiben. Als ich nach über 20 Jahre langer Marketing- und Kommunikationstätigkeit in internationalen Konzernen einer Umstrukturierung „zum Opfer“ gefallen bin, stellte sich für mich die Frage: Mache ich weiter so oder probiere ich etwas anderes aus.

Schon vorher hat mich immer umgetrieben, was kann ich tun für die Gesellschaft? Der Jobverlust war dann die Gelegenheit, das anzupacken. Und ich habe es angepackt, weil ich diesen großen inneren Wunsch hatte und habe, dass sich das Glück unter den Menschen und auf der Welt ausbreitet.

Ich glaube fest daran, dass viele Menschen diesen Wunsch mit mir teilen. Aber sicher vorhersagen kann ich nicht, in welchem Maße und wie schnell sich der Erfolg einstellen wird. Mir war und ist aber klar, dass ich wellYunit trotz aller Unwägbarkeiten in die Welt bringen möchte. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, heißt es ja so schön und wellYunit will ein wahrhaftiger Glücksgewinn für alle sein.

 

Wann willst Du davon leben können? In vier, fünf Jahren?

Ich müsste früher davon leben können. Es gibt dabei aber zwei Aspekte. Klar, ich muss auch meine Rechnungen zahlen können. Aber, die Sache ist die, dass es viele Menschen braucht, damit meine Community zum Leben erweckt wird, dass die Mitglieder Spaß haben, Freude haben, die Plattform bunt wird, das lebt nicht von drei, vier Leuten. Es sollten sich größere Zellen bilden, bundesweit. Von daher braucht es auch eine gewisse Anzahl von Mitgliedern, damit die Idee auch funktioniert. Und wenn genügend Leute da sind, dass das Glück auch gelebt werden kann, dann wird das automatisch sein, dass ich davon leben kann.

 

Kalkulierst Du ein Scheitern ein?

Nicht wirklich. Ich glaube instinktiv, dass es funktioniert, dass ich genug Menschen finde, die die Idee mittragen. Ich bin noch in den Anfängen und es müssten eher tausende Mitglieder werden als hunderte. Aber wieso soll es nicht funktionieren? Die Zeit ist reif dafür. Für ein wirklich soziales Netzwerk, ein soziales Miteinander.

Es ist gerade gesellschaftlich viel in Bewegung, es laufen Utopiewochen in Hamburg, es gibt die Glücksforschung, Gemeinwohlökonomie oder die gift economy. Es kam vor kurzem der Film „Ökonomie des Glücks“ in die Kinos. Viele Leute sind an verschiedenen Stellen an diesem Thema Glück dran, sie wollen die Gesellschaft verändern.

Und ich habe für mich entschieden, mich stärker diesen Themen zu widmen. Und da passt wellYunit genau dazu, und nicht die Vermarktung irgendwelcher Produkte für einen Großkonzern, so wie ich es früher getan habe.

 

Du bist Alleinunternehmerin. Woher nimmst Du Deine Motivation, Kraft und Überzeugung?

Mir ist das ein Herzensanliegen. Mir wurde auf dem Weg die Frage gestellt, was mein Ziel ist, was mein Herz möchte. Und da ist mir vor allem eines eingefallen: dass es mir schon ganz, ganz lange darum ging – ich will glücklich sein. Was immer das bedeutet! Und da hat es geklickert bei mir, dass ich etwas tun will, dass die Menschen, wir alle, glücklicher sind.

 

Das Gespräch führte Dani Parthum im Januar 2013.

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