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Sie bringt Räume zum Leuchten.

Sabine Brandi liebt Tageslicht. Eine Kunstlichtquelle aber begeistert sie fast genauso: LED. Damit werden Lichtwirkungen möglich, die bisher undenkbar waren. Ein Gespräch mit der international erfolgreichen Hamburger Lichtplanerin.

Dani Parthum, 20. März 2013

 

Frau Brandi, LED Lampen revolutionieren das Licht, sagen Sie als Lichtplanerin. Was ist so revolutionär an dieser Technik?

Lichtplanerin Ulrike Brandi arbeitet gern mit LED Lampen.

Brandi: LED Lampen verändern die Atmosphäre und die Raumwirkung. Ich gehe davon aus, dass Lichtquellen künftig nicht mehr als Objekte wahrgenommen werden, sondern dass sie die Raumwahrnehmung verändern. Das geht vor allem über Reflexionen, also indirektes Licht. Dadurch fangen Räume an zu leuchten. Vor allem mit der OLED-Technik (=organic light emitting diode), der organischen Leuchtdiode, lässt sich das erreichen, weil die Lichtquelle flächig aufgetragen wird und nicht mehr als kleine Punkte. Dadurch leuchten ganze Fläche und damit die Räume.

Ein wichtiger Aspekt dieser Revolution ist, dass wir LED sehr gut steuern können. Licht-Steuerung über spezielle Schalter, beispielsweise zum Dimmen, gibt es zwar schon jetzt. LED aber ist eine viel geeignetere Technik, weil sich das Licht der Leuchtdioden sehr gut richten lässt und sich verschiedene Lichtfarben in einer Diode über Steuerungstechnik erzeugen lassen.

Und: LED Lampen verbrauchen sehr wenig Strom und haben eine Lebensdauer von Jahrzehnten.

 

Wird LED vor allem in Gewerbe- und Büroimmobilien das Licht verändern und bei öffentlichen Gebäuden oder auch bei uns Zuhause?

Brandi: Das ist auch etwas für Zuhause! Dort sind wir in den vergangenen Jahren mit der Energiesparlampe gebeutelt worden, die in meinen Augen furchtbar ist. Sie ist zwar energieeffizienter als die Glühlampe, aber sie gibt ein scheußliches Licht ab, und sie hat auch auch oft gar nicht die lange Lebensdauer, wie uns versprochen worden ist. Wir mussten uns alle von der 2-Euro-Glühlampe trennen und plötzlich die 15-Euro-Energiesparlampe kaufen und haben gleichzeitig einen unglaublichen Wust an Verbundmüll mit gekauft. Da ist die Leuchtdiode deutlich im Vorteil. Sie hat ein besseres, brillanteres, richtbareres Licht. Sie muss allerdings noch weiterentwickelt werden.

 

LED Lampen kann man bereits kaufen; die Leuchtdioden sehen Glühbirnen – zumindest in der Form – sehr ähnlich, sind aber viel, viel teuer …

Brandi: Ja, und da gibt es auch riesige Qualitätsunterschiede. Von den ganzen billigen LEDs kann ich nur abraten. Und ich kann dazu raten, wenn man eine Leuchtdiode kauft, dorthin zu gehen, wo einem in Mustern gezeigt wird, wie das Licht aussieht, also welche Farbe es hat. Dann kann ich hinter die Lichtquellen ein weißes Blatt Papier halten und die Farben vergleichen. Dadurch sieht man, ob die LED Lampe eine warme Lichtfarbe oder eine kühle ausstrahlt. Das warme Licht ist ja das, was wir Zuhause am liebsten haben und in den Abendstunden das angenehmste ist. Die kühlen LED-Lichtfarben kennen wir eher von billigen Außenprodukten.

 

Wird es durch LED ganz neue Lampentypen geben?

Brandi: Die glühende Wand zum Beispiel wird mit der OLED-Technologie kommen, noch ist das wahnsinnig teuer, aber das kommt. Dieses Austauschen von Glühlampen, was wir jetzt haben, Birne oder Energiesparlampe gegen LED, sehe ich als Übergangsphase. Das sind dann diese LEDs, die Retrofit genannt werden. Wir Lichtplaner hoffen sehr, dass künftig auch Leuchten entworfen werden, die die Möglichkeiten des neuen Leuchtmittels auch ausnutzen. Jetzt versucht man noch, die alte Technik der Glühlampe mit LED Lampen nachzuempfinden. Da muss sich noch einiges tun.

Ich wünsche mir aber, dass alte Lüster auch in Zukunft bei uns Zuhause hängen werden mit alten Lichtquellen. Für mich gehört das zusammen, es schafft eine schöne Atmosphäre. Glühlampen sind so schön zu dimmen und gehen ins Rötliche hinein. Das ist etwas, das wir vom Tageslicht kennen; dass es am Tag hell ist und am Abend wird das Licht rötlich. Das werden wir mit LEDs simulieren könnten – über die  Steuerungstechnik. Es wird neue Leuchtensysteme geben, die gemeinsam mit herkömmlichen Lampen benutzt werden.

Ich jedenfalls sehe nicht, dass LED die einzige Medizin gegen alle Lichtprobleme sein wird. Für mich kommt diese neue Technik hinzu. Und eröffnet ganz neue Designmöglichkeiten, auch für Zuhause.

 

An was denken Sie da?

Brandi: Zum Beispiel an indirektes Licht in kleinen, engen Fluren. Mit sehr kleinen Lichtlinien aus LED Lampen können Wände hell erleuchtet werden. Das geht dann auch ohne großen Energieaufwand. Das andere ist diese Steuerbarkeit der Leuchtdioden. Für das Wohnzimmer kann ich sagen, wenn es draußen neblig ist, will ich drinnen viel Licht haben, weißes Licht, und gegen Abend soll es wärmer und dunkler werden. Und das kann ich mit einem Steuerungsprogramm abrufen.

 

D.h. ich habe dann einen Reglerkasten an der Wand und nicht mehr nur einen Lichtschalter?

Brandi: Ja, mit Fernsteuerung zum Beispiel. Früher habe ich immer gesagt: Du brauchst viele verschiedene Lichtquellen zuhause. Das gerichtete Licht am Esstisch, die etwas niedrigere Leselampe neben dem Sessel und indirektes Licht zum Sauberzumachen oder Sport treiben. Sicher wird es auch mit LED verschiedene Lichtquellen in Wohnungen geben, aber die kann ich sowohl bei der Helligkeit als auch der Lichtfarbe je nach Laune anpassen.

 

Sie sind seit 26 Jahren Lichtplanerin. Als Sie angefangen haben, waren Sie doch sicher eine Exotin!?

Brandi: Ja, das war ich! Als ich Ende der 80er Jahre anfing, gab es drei Lichtplanungsbüros, die im deutschsprachigen Raum bekannt waren. Da hat sich inzwischen viel entwickelt. Als ich anfing, habe ich mir gedacht, ich muss meinen Beruf selber erfinden, denn es gab dafür keine Anleitung. Schon während des Studium habe ich damit angefangen. Ich habe Industrial Design an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg studiert – bei Dieter Rams. Dabei habe ich verschiedene Produkte entworfen, darunter eine Leuchte. Und dabei ist mir aufgefallen, dass mich mehr interessiert, was mit dem Licht passiert, das aus der Leuchte kommt, als die Frage, wie die Leuchte aussehen soll.

Und genau das macht mir heute immer noch riesigen Spaß. Deshalb habe ich auch das Brandi-Institut for Light and Design gegründet. Dort will ich Leute mit Berufserfahrung fortbilden, die ihre Erfahrung mit Licht vertiefen wollen, auch, um ihr Wissen besser vermitteln zu können. Das ist ein Punkt, der mir wichtig scheint: Das man erklären kann, was man selber will, und es auch so erklärt, dass es die anderen überzeugt. Und dabei spielt Erfahrung eine große Rolle. Das ist ein Aspekt, etwas ausprobieren und gemeinsam Erfahrungen sammeln. Ich lade aber auch Teilnehmer aus aller Welt ein. Mein Institut soll eine internationale Plattform sein, wo jüngere Planer auf älteren treffen.

 

Eines Ihrer jüngsten Großprojekte ist das Lichtkonzept für die Elbphilharmonie. Was erwartet uns dort, wenn die Philharmonie fertig gebaut ist – wann immer das auch sein wird.

Brandi: Beim Lichtkonzept sind wir konsequent von der Nutzung des Gebäudes ausgegangen. Im Empfangsbereich der Elbphilharmonie bewegen sich die Gäste über eine Rolltreppe zum Konzertsaal. Dabei eröffnet sich ein toller Blick auf die Elbe und den Hafen. Das Licht haben wir deshalb etwas dunkler gelassen, um diesen Ausblick zu inszenieren.

Dann erreichen die Gäste die Plaza. Dort geht es uns darum, das Tageslicht zu unterstützen und abends zu ersetzen; wir haben hier eine leichte, luftige Situation geschaffen. In den Foyers, die um den Konzertsaal angeordnet sind, fließt wahnsinnig viel Tageslicht. Als Lichtplaner haben wir die Lichter so gesetzt, dass sich der Innenraum nicht in den Fenstern spiegelt und die Gäste nach draußen sehen können, um die tolle Lage mitten im Hafen zu genießen. Das Licht ist am Abend deswegen auch stärker gedimmt.

 

Sehen Sie sich Ihre Lichtentwürfe lieber an einem Modell oder am Computer an?

Brandi: Lieber am Modell. Den Computer brauchen wir zwar auch, um alles mathematisch zu berechnen. Das ist wichtig, um die Wirkung des Lichts zu zeigen. Um aber zu wissen, wie das Licht wirkt, mit den verschiedenen Materialien, halte ich eine Computersimulation für nicht geeignet, weil sie nicht das Sinnliche hat, was man braucht um beurteilen zu können, wie das Licht letztlich wirkt. Denn Licht wirkt ganz anders, wenn es beispielsweise auf eine leicht strukturierte Materialoberfläche an den Wänden fällt, als wenn es auf eine glatte Oberfläche trifft.


 

Die 56jährige Ulrike Brandi gehört zu den bekanntesten Lichtplanern Deutschlands. 1986 hat sie in Hamburg ihr Büro „Ulrike Brandi Licht“ gegründet. Sie arbeitet mit ihrem Team international und unterhält neben Hamburg ein Büro in München. Ulrike Brandi hat nach eigenen Angaben weltweit über 600 Lichtprojekte für Museen, Theater, Krankenhäuser, Bahnhöfe, Büros, Parks und Plätze umgesetzt. Zu ihren wichtigsten Arbeiten gehören Lichtkonzepte und Masterpläne für die Elbphilharmonie in Hamburg, das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart, für die Stadt Rotterdam und die Nationalbank von Kuala Lumur.

 

(LED steht für Light Emittin Diode. Die Leuchtdiode ist von der Glühbirne rund 130 Jahre Technikgeschichte entfernt. Bei der Leuchtdiode wird nicht, wie bei der Glühbirne, ein Stück Metallfaden zum Glühen gebracht. LED Lampen glühen nicht. Sie bestehen aus einem Halbleiterkristall. An diesen Kristall wird eine elektrische Spannung angelegt, wodurch  Photonen ausgesendet werden, die unser Auge als Licht wahrnimmt.)

Foto: Dani Parthum

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