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Die Kurzzeit-Väter.

Die Juni-Pressemeldung klingt gar nicht schlecht: Es gehen mehr Väter in Elternzeit, hat das Statistische Bundesamt für 2010 gezählt. Für jedes 4. geborene Kind hat der Vater Elterngeld in Anspruch genommen. Holen die Väter also auf beim ganztägigen Windeln wechseln, füttern, Babywiegen?

Das hat sich auch der Datenjournalisten Björn Schwentker gefragt, selbst noch bis vor kurzem engagierter Ganztagspapa einer wenige Monate alten Tochter.

 

Bjoern Schwentker

 

Björn, dass jeder 4. Vater eines Neugeborenen Elterngeld erhält, vier Jahre nach dessen Einführung, — ist das für Dich ein Grund zur Freude oder doch immer noch „nur ein Anfang“? 

Björn: Ein Anfang ist es. Es ist aber sehr ärgerlich, dass die 25,3 Prozent der Väter – so die genaue Zahl –, die 2010 Elterngeldzeit genommen haben, von Medien und Politik als Erfolg des Elterngeldes gefeiert werden. Das sollte ja einmal mehr Gleichberechtigung zwischen Müttern und Vätern schaffen. Davon sind wir aber noch meilenweit entfernt, wenn man die Zahlen richtig interpretiert.


Wie steht es denn wirklich um die Gleichberechtigung am Wickeltisch?

Björn: Es nehmen zwar jedes Jahr ein bisschen mehr Papas Vaterzeit, aber dafür auch immer kürzer. Wenn man bedenkt: 25 Prozent der Väter haben 2010 im Schnitt nur etwas mehr als 3 Monate lang Elterngeld erhalten, die große Mehrheit der Papas – die übrigen 75 Prozent – haben keins erhalten. Dadurch kommt man im Bundesdurchschnitt auf gerade mal 0,85 Monate pro Neugeborenem. Und das ist ziemlich dürftig. Ich nenne das Land ohne Väter.

 

Trotzdem ist die Entwicklung doch positiv, wenn jedes Jahr mehr Männer zuhause bleiben … ?

Björn: Klar! Das ist toll, und das Elterngeld im Prinzip das richtige Instrument. Aber wo stehen wir in Deutschland denn heute? In den nordischen Ländern liegen die Quoten bei 90 Prozent. Dort sind Mann und Frau der gerechten Aufteilung der Elterngeldzeit viel näher: In Schweden zum Beispiel nehmen Männer knapp ein Viertel der insgesamt beantragten Zeit, in Island sogar ein Drittel. In Deutschland gerade mal 7 Prozent. 93 Prozent bleiben für die Mütter. Das ist fast alles.

 

Auch die Neuen Väter leben also das alte Rollenmodell. Liegt es an den Papas, den Mamas oder … der Stimmung in der Wirtschaft? 

Björn: Gute Frage. Es liegt an allem. Denn unser Rollenmodell ist eine kulturelle Frage. Und da spielt mit rein, wie repressiv Arbeitgeber immer noch mit Männern umgehen, die in Vaterzeit gehen wollen, wie schlecht die Kita-Situation immer noch ist, dass junge Väter immer noch glauben, alleine die Familie ernähren zu müssen, dass Frauen hingegen glauben, das Kind sei bei ihnen am besten aufgehoben, und vieles mehr. All das prägt, was als normal angesehen wird. Und weil wir uns nach unserer Vorstellung von Normalität verhalten, zementieren wir so das Rollenbild.

 

Das klingt, als sei keine Veränderung möglich – oder eben extrem langsam?

Björn: Doch, Kulturwandel ist möglich! Nur sind die alten Vorstellungen in Deutschland ganz besonders tief verwurzelt. Man denke an die aktuelle Debatte über das Betreuungsgeld, über die lange Diskussion, ob man Kindern eine „Verwahrung“ in Kitas überhaupt zumuten darf, oder an den berühmten deutschen Begriff der „Rabenmutter“. Wir schaffen es nur, von diesen Vorstellungen loszukommen, wenn die Politik eine starke Rolle dabei spielt und eine klare Richtung mit eindeutigen Regeln vorgibt.

 

Das versucht sie ja mit dem Elterngeld und den Partnermonaten. Zu zögerlich?

Björn: Offensichtlich reicht das nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir noch 40 Jahre auf eine einigermaßen vorzeigbare Gleichberechtigung wie in Schweden warten wollen. Dort gibt es das Elterngeld nämlich seit 1974. Wenn wir schneller mehr Papas in längerer Väterzeit sehen wollen, müssen wir mindestens den Anteil der Partnermonate an den 14 Elterngeld-Monaten erhöhen. Noch besser wäre ein Modell ähnlich dem in Island: Drei Monate sind dort ausschließlich für die Mütter und weitere drei nur für den Vater vorgesehen. Nochmal drei stehen zur freien Verfügung. Nach diesem Muster könnten wir unsere 14 Monate zum Beispiel 6 – 6 – 2 aufteilen.

 

Wären verpflichtende Vätermonate also eine Option?

Björn: Ja, absolut. Das dürfte momentan aber keine demokratische Mehrheit finden, und eine solche Pflicht wäre auch auf Dauer keine gute Lösung. Aber als vorübergehendes Instrument sprächen dafür ähnliche Gründe wie für die Frauenquote: Ohne tut sich einfach nicht genug.

 

Einige Deiner Geschlechtsgenossen dürften das gar nicht toll finden…

Björn: Ich glaube, die jungen Väter würden eine solche „Pflicht“ gar nicht als Zwang empfinden. Sie würden erst staunen, dann sehr schnell begreifen, was ihnen da geschenkt wurde, und sich freuen. Gezwungen würden wohl eher die Arbeitgeber, ihre Männer wirklich nach Hause gehen zu lassen. Mit einem tollen Effekt übrigens für die Chancen der Frauen auf dem Arbeitsmarkt: Denn der Vorteil der Männer aus Sicht der Unternehmen schrumpft dadurch. Wenn ein Kind kommt, sind auf einmal nicht nur die Frauen weg, sondern auch die Männer. Die Wirtschaft hätte gar keine Wahl, sie müsste familienfreundlich werden. Bis irgendwann kinderfrei so normal ist wie bezahlter Urlaub.

 

Dani Parthum, 28. Juni 2012

Björn sitzt übrigens Tür an Tür mit SAKIDA. Dani und er teilen sich mit vier anderen Journalisten eine Bürogemeinschaft in Hamburg. Björns Leidenschaft für demographische Zusammenhänge und Zahlen beeindruckt Dani immer wieder. Beide planen eine Serie darüber, wie die Rente der Zukunft aussehen könnte, müßte oder wird. Björns Demografie-Blog ist übrigens top, findet nicht nur Dani.

 

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