KommtEssen! Zu Lisa!

Die Biokiste dürfte den meisten Bewohnern deutscher Großstädte ein Begriff sein. Doch die ist eigentlich ein alter Hut. Das Rad in Sachen Essenslieferung hat sich weitergedreht – wie ich auf einer Veranstaltung der Handelskammer unlängst erfahren durfte. Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Mittelstand und Social Media lernte ich Lisa Rentrop kennen.

Die gebürtige Schwedin ist Managerin, zweifache Mutter und Geschäftsführerin der Plattform „KommtEssen.de„. Das Prinzip dahinter erscheint Menschen wie mir (Arbeit, Familie, wenig Zeit!) bestechend: Das Team hinter KommtEssen.de kreiert jede Woche neue Rezepte und liefert die Zutaten dazu am Montag Abend nach Hause. Also: Das Grübeln über einen abwechslungsreichen Speiseplan (Brot?) entfällt, einkaufen entfällt, einzig kochen muss man noch. Wie heißt es bei KommtEssen.de: „Wir wissen, wie schwer es nach einem anstrengenden Tag sein kann, nicht doch zu einem Kompromiss zu greifen, der Tiefkühlpizza etwa. Doch das sollte nicht Ihr Anspruch sein. Seien Sie wählerisch! Nur das Beste für Sie und Ihre Familie. Jeden Tag!“

von Sandra Coy, 4. September 2012

 

Lisa Rentrop liefert Zutaten und Rezepte für leckeres Essen nach Hause.

Lisa Rentrop, Gründerin von KommtEssen.de

 

Ich bestellte also umgehend 3 Mahlzeiten für die laufende Woche online und traf dann Lisa Rentrop auf einen Kaffee im Hamburger Schanzenviertel, denn dort ist die deutsche Zentrale von KommtEssen.de.

 

Lisa, Supermarkt Shopping macht Dir keinen Spaß?

Kommt drauf an, wie viel Zeit ich habe… Als meine Tochter geboren wurde, war für nichts mehr so richtig Zeit. Und da erinnerte ich mich an Kicki und Viktor Theander, meine Studienfreunde aus Stockholm. Die beiden haben vor fünf Jahren die Plattform „Middagsfrid“ (deutsch: Essensfrieden) in Schweden gegründet. In Skandinavien arbeiten die Frauen viel, das Konzept, Essen nach Hause zu liefern, läuft also sehr gut. Ich selbst profitiere ja auch davon. Ich arbeite täglich bis 15.00 Uhr, hole dann meine Tochter aus der Kita ab, spiele mit meinem (Baby)Sohn, und nach dem Abendessen setze ich mich wieder an den Schreibtisch zur „Graveyard-Schicht“ bis Mitternacht. Dazwischen habe ich Zeit für die Kinder, da ich ja u.a. nicht einkaufen muss. 

Wie funktioniert KommtEssen.de?

Die Kunden können zwischen verschiedenen Lebensmittel-Tüten wählen. Man kann zwischen 3Mahl, 4Mahl und 5Mahl wählen. Alle Rezepte und Zutaten werden am Montag Abend geliefert. Mit dabei sind immer ein vegetarisches Gericht, einmal Fisch, einmal Fleisch. Alle Zutaten sind frisch und regional. Außerdem gibt es auch noch die Obsttüte – zumindest in Hamburg. Ich hoffe, sie in anderen Städten auch bald anbieten zu können. KommtEssen.de ist ein Abo ohne Mindestlaufzeit, jederzeit kündbar mit nur 7 Tage Vorlauf.

Wo kauft ihr ein?

Wir erobern gewissermaßen jede Stadt neu. Ich brauche in der Hauptsache immer zwei Lieferanten; denn Gemüse und Fleisch kaufen wir lokal ein. In Hamburg zum Beispiel beziehen wir die Ware vom Gemüsegroßmarkt und direkt vom Schlachthof. Einzig Fisch bestellen wir aus Nachhaltigkeitsgründen zentral über die Deutsche See. Wir achten dabei auf Art, Bestand und Fischereimethode und lassen uns von der WWF beraten.

Wie funktioniert die Logistik? Es geht hier um frische Lebensmittel und nicht wie beispielsweise bei Tchibo um vakuumverpackten Kaffee, der ja nicht schnell verdirbt.

Die Logistik ist tatsächlich unsere größte Herausforderung. Wir machen in den Städten zuerst Kühlflächen ausfindig, denn Fisch und Fleisch müssen durchgehend gekühlt werden. Und dann arbeiten wir mit Logistikpartnern, die über kleine Kühlautos verfügen. Mit deren „aktiver Kälte“, das heißt die Autos sind gekühlt, fahren wir die Produkte zu den Kunden. Das spart Verpackung, denn wir wollen nicht viel Plastik und Styropor um unsere Waren wickeln. Deshalb muss auch der Gemüsehändler die Ware direkt nach Rezeptangabe abwiegen, wir wollen jeden überflüssigen Müll vermeiden. Die Lieferung geht an unseren Packstationen quer durch Deutschland, die Packleiter bilden wir aus.

Woher stammen die Rezepte? Diese Woche gibt es bei euch zum Beispiel Champignon Hack Pfanne mit Ajvarreis oder Spinat-Ziegenkäse-Lasagne mit Krautsalat. Nicht typisch schwedisch!

Die Rezepte erstellt ein Team unserer Mutterfirma in Schweden. Dort wird unter Leitung einer Ökotrophologin gekocht, getestet und erneut dran gefeilt. Die Schweden erstellen dann auch zentral die Wochenblätter mit den Gerichten. Das ist insofern manchmal ein Problem, da wir weder Rentier noch Elch hier bekommen… Doch wir Schweden sind ja weltoffen, es gibt Rezepte aus aller Herren Länder, nicht nur Köttbullar und Lachs, wie man es von Ikea kennt!

Weche Rolle spielen Social Media Plattformen bei KommtEssen?  Ihr habt eine Facebook Seite, plant ihr darüber hinaus Maßnahmen? Wie wichtig ist euch der Kunden-Dialog?

Unsere Kunden sind das Wichtigste, was wir haben. Ohne sie dürften wir ja diesen tollen Job nicht machen. Es ist also sehr wichtig, dass wir für unsere Kunden erreichbar sind, dass wir erfahren was gut ankommt und was weniger gut – um an uns arbeiten zu können. Hier sind die sozialen Plattformen wie Facebook, Twitter und Konsorten wichtig. Wir wollen da sein, wo sich unsere Kunden bewegen.

Dein Lieblingsessen?

Fisch! Lachs auf Salzbett, Sushi, und als vegetarisches Beispiel – sehr lecker – rote Linsensuppe mit Kokosmilch.

Hast du eine Vision für KommtEssen?

Wir wollen organisch wachsen, und ich möchte ein Unternehmen aufbauen, in dem jeder gerne arbeitet. Mich hat immer das Motto „Wir behandeln jeden mit Respekt!“ gereizt, unsere Arbeitskultur soll auch unseren Alltag positiv beeinflussen.

 

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