Körpersprache.

Kleine Schritte, Beine verschränkt, Arme vor der Brust. Jede Frau kennt das und bewegt sich oft unbewusst so. Wirkung dieser Körpersprache? Meist unsicher. Aber das lasse sich ändern, sagt Jan Sentürk, Ex-Schauspieler, Sozialpädagoge und Dozent.

Sentürk beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Sprache des Körpers. Mit ihm haben wir eine kurze Analyse weiblicher Körpersprache gedreht und uns von ihm ein paar Tipps abgeholt, wie sich ein aufdringlicher Kollege auf Abstand halten lässt und Frau stärker wirkt.

von Dani Parthum, 2. April 2012



Körpersprache sagt ja schon, wir kommunizieren auch nonverbal. Wie haben wir diese „Sprache“ denn gelernt?

Sentürk: Wir lernen sie intuitiv. So, wie wir aufwachsen, nehmen wir Dinge aus unserer Umwelt an, deswegen gibt es hier und da kulturelle Unterschiede. Beispiel die Distanzzonen: Die Araber sind sich, auch wenn sie in geschäftlichen Zusammenhängen sprechen, so nah, dass sie gegenseitig ihren Atem riechen können. Das stellen wir uns in Deutschland eher unangenehm vor. Wir Nordeuropäer brauchen relativ viel Platz, etwa 60 Zentimeter, im Schnitt eine Armeslänge Intimdistanz, um uns wohlzufühlen. Wir machen viele Dinge intuitiv, von Natur aus, weil unsere Körpersprache von unserem limbischen System gesteuert wird und das ist Jahrtausende alt.

Wie unterscheiden sich denn männliche und weibliche Körpersprache.

Sentürk: Es gibt eine ganz grobe Kategorisierung. Das ist einmal: Frauen sind von ihrer gesamten Art her sozialer, sie lassen anderen mehr Raum und Entfaltung und nehmen auch weniger Raum in Anspruch. Männer breiten sich vielmehr aus. Das heißt, ein Mann, der selbstbewusst vor einer Gruppe steht, der wird die Füße generell breiter auseinander haben, etwa schulterbreit. Und eine Frau, die ebenso selbstbewusst ist, hat ihre Füße erfahrungsgemäß deutlich näher beieinander, etwa hüftbreit. Wenn ein Mann die Hand reicht, dann macht er das häufig aus dem Schultergelenk heraus, d.h. die Bewegung nimmt mehr Raum ein, wohingegen der weibliche Arm mit dem Ellbogen näher beim Körper bleibt. Auch hier sehen wir wieder: Frauen nehmen weniger Raum ein. Frauen sind sozialere Wesen. Sie bringen Kinder zur Welt, das muss ja auch einen Einfluss haben darauf, wie sie mit anderen Menschen umgehen.

Körpersprache: Sich ruhig mal ein bißchen ausbreiten, wenn der Kollege sich aufplustert.

Der Kollege steht zu nah und erzählt mal wieder großspurig? Arme an die Hüften, so demonstrieren Sie: Ich lasse mich nicht verdrängen!

Im Job gereicht Frauen diese rücksichtsvollere Körpersprache aber öfter zum Nachteil!

Sentürk: Das ist sicher so. Ich spreche, und das möchte ich betonten, pauschal – aber wir reden in der Körpersprache niemals von 100% aber deutlich von Mehrheiten. Also: Frauen sind harmoniebedürftiger, weil sie sozialer sind, auch rücksichtsvoller, wollen nicht verletzen, möchten verstanden werden, und das äußert sich auch in der Körpersprache. Und wenn ich dann immer darauf bedacht bin, verstanden zu werden, Männer aber eben gar nicht so sind! Die sagen: entweder es ist so, wie es ist, und so wird es gemacht, wie es gesagt wird, oder man verhält sich entsprechend, dann kann ich sie oder ihn respektieren oder eben nicht. Und dieses Harmoniebedürftige, alles bereden wollen, um zu einem guten Schluss zu kommen, was Frauen gerne wollen, und was viel besser wäre, akzeptieren Männer nicht und wollen das auch oft nicht. Und insofern ist es für die Frau nicht immer leicht im Berufsleben.

Heißt das, als Frau ist es strategisch besser, die Männer da abzuholen? Eher männlicher bewegen?

Sentürk: Nein, keine männliche Körpersprache für Frauen. Stellen Sie sich vor, eine Frau steht breitbeinig vor einer Gruppe. Das sieht albern aus. Aber es gibt schon einige Dinge, auf die eine Frau achten sollte, wenn sie in einem männlich dominierten Umfeld bestehen möchte und das muss sie tun, ob ihr das gefällt oder nicht. Das rat ich auch, das zu trainieren. Weil sich Männer schlicht und einfach nicht darum scheren, ob Frauen das gut finden oder nicht.

Wäre es dann aber nicht an den Männern, mal darüber nachzudenken und ihre Körpersprache zu ändern, weil ihre Körpersprache ja zum Teil ziemlich albern ist, zB. das Dasitzen mit weit offenen Beinen …

Sentürk: Das wäre fair, aber das Leben ist nicht immer fair!

Aber Männer haben Nachholbedarf, was Körpersprache betrifft!

Sentürk: Ja! Ich nenn‘ mal ein Beispiel, von dem ich weiß, dass viele Frauen das nicht mögen, ich nenne das den Sofafläzer. Der Mann, der sich insbesondere zuhause ins Sofa schmeißt, ins Sofa fläzt, breitbeinig hinlümmelt, und seine Frau im Raum ist, dann habe ich schon von vielen Frauen gehört, die sagen, ich mag das nicht. Das ist so eine Genitalpräsentation, dazu neigen Männer, und Frauen stehen meist überhaupt nicht drauf, weil es eine Respektlosigkeit ist. Und dieselbe Position würde der Mann bei seinem Chef im Büro auch nicht anwenden, eben weil es respektlos ist. Warum ist es das bei seiner Frau aber nicht! Zumindest wenn es sie stört.

Körpersprache: Wird jemand zu aufdringlich, Fuß nach vorn, das hält Distanz.

Wird jemand zu aufdringlich und kommt zu nah, Fuß nach vorn, das hält auf Distanz.

Was mache ich dann, wenn mein Chef so dasitzt, wenn ich mit ihm spreche, oder ein Mitarbeiter, wenn ich seine Vorgesetzte bin?

Sentürk: Das sind zwei unterschiedliche Situationen. Wenn Sie diejenige sind im hierarchisch untergeordneten Status, dann sollten Sie üblicherweise nichts dagegen tun. Er kann sich so hinsetzen, wie er will. Er ist Ihr Chef. Und es ist nicht an Ihnen zu sagen, wie er sich in seinem Büro hinzusetzen hat. Wenn es Ihr Mitarbeiter ist oder Ihr Untergebener, dann sollten Sie – wie auch immer – bedenken: Sie sollten nicht versuchen, mit ihm darüber zu reden. Er ist schon längst am agieren, auf der körpersprachlichen Ebene. Und während der Mann schon längst agiert, versucht die Frau noch zu erklären und zu reden. Das kann man einmal versuchen. Es kann aber so sein, dass Sie dann die Mimose sind, die Zicke, die sich anstellt. Wenn, müssen Sie auch körpersprachlich agieren und das ist abhängig von der Situation.

Ein Tipp, was tun?

Sentürk: Mein Tipp ist, stellen Sie sich hinter ihn. Entweder wird er das begreifen, oder er ist noch aufsässiger, und das ist ein unmissverständliches Zeichen von fehlendem Respekt. Dann müssen Sie sowieso reagieren. Oder er steht auf, und stellt sich Ihnen gegenüber mit breitbeiniger Position. Dann spontane Idee, stellen Sie sich sehr nahe gegenüber, verletzen Sie jedwede Intimdistanz, schauen Sie ihm in die Augen, und sagen Sie ihm, was er zu tun hat und setzen Sie das durch und halten Sie diese Anordnung und halten Sie den Blick. Denn wenn Sie das nicht tun, verlieren Sie schon wieder.

Körpersprache: Dieses Lächeln wirkt nett aber nicht durchsetzungsstark.

Dieses Lächeln wirkt nett aber nicht durchsetzungsstark.

 

Körpersprache: Wer dagegen so guckt, wirkt selbstbewußt und dennoch höflich.

Wer dagegen so guckt, wirkt selbstbewußt und dennoch höflich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Körpersprache ist also kein überschätztes Thema?

Sentürk: Nein, definitiv nicht. Weil – wir haben sie immer bei uns, sie sendet immer Signale, und wir haben auch keine Alltags- und keine private Körpersprache. Wenn wir z.B. jemand sind, der sich durchzusetzen weiß, dann wird sich das auch in unserer Körpersprache zeigen, egal ob wir privat unterwegs sind oder beruflich. Wir können natürlich gewissen Signale bewusst im beruflichen und wichtigem Umfeld einsetzen, wo wir vielleicht privat sagen, darauf kann ich verzichten, das ist nicht wichtig. Aber wir haben nur eine Körpersprache und die haben wir immer. Und deshalb ist sie immens wichtig. Und nach allen Untersuchungen ist es so, dass die Körpersprache zu einem Großteil zu unserer Wirkung beiträgt. Das sehen sie schon daran, wenn ich Ihnen mit einem aufgeschlossenen Blick und einem zur Seite geneigten Kopf sage, dass ich Sie sympathisch finde, oder ich sage Ihnen das Gleiche, in dem ich Sie starr angucke und den Mund danach schließe: „Ich finde Sie sympathisch.“ Sofort geht mit meiner veränderten Körpersprache meine Stimme in eine ganz andere Lage und Sie wissen, dass ich das eine so meine, das andere nicht.

Ist das Bewusstwerden der eigenen Körpersprache mehr eine Sache für Frauen in Führungspositionen oder ist das auch für die Verkäuferin wichtig, sich Gedanken zu machen, wie sie wirkt?

Sentürk: Grundsätzlich halte ich das für jeden wichtig, weil jeder eine hat. Und der Körper immer spricht. Natürlich ist es so, dass eine Frau, die in eine Führungsposition gelangen will, sich mehr Gedanken darüber machen muss als eine Frau, die Verkäufer ist und es auch bleiben will. Wenn aber die Verkäuferin sagt, ich will zur Marktleiterin aufsteigen, dann wird auch sie sich anders verhalten müssen und wird es automatisch tun, wenn sie generell den Ehrgeiz hat, sich weiterzuentwickeln. Und man kann definitiv seine Wirkung immer verändern, wenn man seine Körpersprache verändert. Aber das muss man trainieren. Und das ist auch nicht damit getan, dass ich einfach nur mal sage, ich nehme diese Geste ein, weil ich gehört habe, die wirkt so und so.

Wirkt die Persönlichkeit eher auf die Körpersprache oder die Körpersprache auf die Persönlichkeit?

Sentürk: Sowohl als auch. In der Wissenschaft spricht man von „Body Feedback“. Genauso, wie der Körper darstellt, was sie innerlich fühlen, so können sie durch die Einnahme einer äußeren Position auch die innere Haltung erzeugen. Es ist nicht ganz einfach. Aber es funktioniert definitiv! Das machen auch alle Schauspieler so.

Das heißt, es ist möglich, sich eine gewisse Körpersprache anzutrainieren, sodass ich sie strategisch einsetzen kann, wie eine Fremdsprache?

Sentürk: Das würde funktionieren, aber das ist Arbeit. Zum einen muss ich auch so offen sein, um zu sagen, die Körpersprache macht’s nicht nur, ich muss auch ein entsprechendes Outfit haben, auch meine Kompetenzen. Mit der Körpersprache können wir aber an uns arbeiten. Wenn wir zielgerichteter werden wollen, wenn wir gewisse Dinge körpersprachlich transportieren wollen, wenn wir eine Selbstsicherheit ausstrahlen wollen, dann tun wir das immer und zwangsläufig mit unserem Körper. Und wenn wir das verstärken wollen und verbessern wollen, dann können wir mit unserem Körper arbeiten und das heißt aber auch, wir müssen bestimmte Dinge üben, trainieren, und wenn wir unsere Körpersprache ändern, dann wird sich auch die innere Haltung verändern. Aber das ist nicht von heute auf morgen getan. Und ich empfehle auch jeden, das nicht in einer öffentlichen Situation auszuprobieren, sondern das zu trainieren, da, wo es nichts schadet.

Eine Situation, die viele Frauen mit Bürojob kennen: Frau kommt in den Konferenzraum, es ist freie Platzwahl. Wo setze ich mich hin, um eine strategisch günstige Position zu haben, wenn ich etwas zu sagen habe?

Sentürk: Als Position, die als selbstbewusst gilt, und für die man ein gewisses Standing zeigen kann, und wo man auch bereit ist, konfrontativ zu sein, ist z.B. die gegenüber des Redners. Oder vorne, wo die Musik spielt, bei Reihen hintereinander. Da bin ich direkt dran. Ich suche mir möglichst eine Position, wo ich möglichst wenig Barrieren zwischen mir und meinem Gesprächspartner oder Gegenüber habe.

 

Das Interview führte Dani Parthum am 29. März 2012

Wer mehr von Jan Sentürk lesen will: Er hat ein Buch zum Thema geschrieben. Titel: „Schulterblick und Stöckelschuh“, erschienen bei Springer Gabler.

 

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