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Klebstoff des Lebens.

Schafft es eine Autorin in einem Roman gleichzeitig über Ehekrise und Trennung, den Israel-Palästina-Konflikt, Pflegebedürftigkeit im Alter, die technischen Probleme moderner Klebstoffe und Pubertätsprobleme zu schreiben, ohne oberflächlich und trivial zu sein? Marina Lewycka kann das!

Marina Lewycka  by Gabriel Szabo

Marina Lewycka fotografiert von Gabriel Szabo

Wie schon in ihren beiden vorherigen Büchern „Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch“ und „Caravan“ beweist sie in ihrem neuesten Roman einmal mehr, dass sie eine Meisterin der kaleidoskopartigen Erzählung ist:

Die Ich-Erzählerin Georgie Sinclair ist Mitte vierzig und freie Mitarbeiterin der Zeitschrift „Klebstoffe in der modernen Welt“. Eigentlich träumt sie schon seit Jahren davon, Schriftstellerin zu sein. Aber ihr großer autobiografischer Roman mit dem Titel „Das verspritzte Herz“ kommt trotz aller Mühen nicht über das Groschenroman-Niveau hinaus. Selbstkritisch stellt die Protagonistin fest: „Na gut, ich weiß, ich bin nicht Jane Austen.“

Als ihr Ehemann sie verlässt, wirft Georgie aus Rache seine Schallplattensammlung in einen eigens bestellten Müllcontainer. An diesem Container lernt sie eines Abends dann die alte, ziemlich verschrobene Naomi Shapiro kennen, die die Platten Tschaikowskys, Prokofjews und Schostakowitschs wieder herausfischt, um sie vor dem Müll zu retten. Als die beiden Frauen sich ein weiteres Mal treffen, beginnt die Freundschaft zwischen der frustrierten Georgie und der immer lebensfrohen 80-jährigen Mrs. Shapiro, die allein mit unzähligen Katzen in einer viktorianischen Villa namens Canaan House lebt.

Marina Lewycka schafft es, mit skurrilem Humor und gelungener Dramaturgie, eine vielschichtige Erzählung zu entspannen, die filmreif ist. Tatsächlich hat eine britische Independent-Film-Firma die Rechte an dem Buch bereits gekauft. Über das Lesevergnügen hinaus ist „Das Leben kleben“ eine Hymne für die Überwindung von Vorurteilen und für die Toleranz.

Unbedingt lesenswert!

meint: Barbara Dünkel, März 2012

dtv Verlag, 9,90 Euro

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