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Ina und Frau Müller.

Ohne die Wirtin Ursula Müller würde bei Inas Nacht nichts laufen. Sie ist mit ihrer Seemanns-Kneipe Schellfischposten Gastgeberin für Ina Müller, seit vielen Jahren. Ein Interview mit der 60jährigen über 12-Stunden-Drehtage, aufdringliche Touristen, Wunschgast Grönemeier und eine – manchmal – unausstehliche Ina.

von Dani Parthum

Ursula Müller vor ihrer Kneipe Schellfischposten

Ursula Müller vor ihrer Kneipe Schellfischposten

Im August haben die Aufzeichnungen der neuen Staffel Inas Nacht begonnen.  „Hinter den Kulissen von Inas Nacht. Bei der ersten durfte ich dabei sein und sie dauerte fast vier Stunden!

Frau Müller: Kai Pflaume war ja bei der ersten Aufzeichnung der neuen Staffel der erste Gast und mit dem hat sie sich ein bisschen verquatscht. Grundsätzlich dauert eine Aufzeichnung drei bis vier Stunden, ja. Es fängt gegen halb zehn, viertel vor zehn Uhr abends an und geht bis in die Früh. Es muss ja dämmern!

 

Quasselt sich Ina häufiger mit einigen ihrer Gäste fest?

Wenn das Gespräch gut läuft, dann kann das passieren, dass sie gerade mit dem ersten Gast, der immer länger bleibt, etwas lange redet. Da muss der Regisseur, der Axel, schon mal sagen, jetzt machen wir einen Break, und dann brieft er sie. Die anderen Gäste und die Gastmusiker stehen ja in den Startlöchern, warten draußen, manchmal stundenlang. Und einige sind auch schon böse geworden, weil sie so lange warten mußten. Aber nicht vor der Kamera, sondern draußen; da müssen dann andere das Fell hinhalten, nicht Ina. Wenn sie hier durch die Kneipentür treten, ist dann Showtime.

 

Nach drei Stunden, sagen wir gegen Mitternacht, wurden die Fragen von Ina an die Schauspielerin Jessica Schwarz, die nach Kai Pflaume kam, etwas dünn. Langweilst Du Dich manchmal?

Es kann sein, dass die Zeit irgendwann zu lang ist, ihr die Notizen ausgehen, das Schlusswort aber noch fehlt. Ich selbst kann aber vieles aus der Sendung gar nicht wiedergeben, weil ich arbeite und mich konzentrieren muss. Sehr oft will jemand etwas von mir, für die Musiker zum Beispiel. Dazu muss ich gucken, wie an den Tischen die Getränke aussehen: wer hat noch viel im Glas, wer hat schon ausgetrunken, steht die nächste Runde an? Dann kommt Ina beispielsweise mit einer Gesangseinlage, darauf muss ich achten. Es geht deshalb vieles an mir vorbei.

Viermal erneuere ich eigentlich immer die Getränke an den beiden Tischen für das kleine Publikum, meist 14 Gäste. Es gibt aber auch Sendungen, da trinken die Gäste was weg! Da rufen die schon immer rüber zur Theke: „Können wir noch ein Bier haben?“ 

 

Ulla Müller hinter dem Tresen ihres Schellfischposten

Ulla Müller hinter dem Tresen

Ina kann aber auch ordentlich trinken! Sie hatte an dem Abend, an dem ich dabei war, bestimmt sechs Bier? Ich wäre da längst blau!

Ja, ich auch. Aber das hält sich alles im Rahmen. Ina verträgt schon was. Aber sie trinkt aber auch nicht jedes Glas aus. Wenn das Bier warm geworden ist oder nicht mehr gut aussieht, dann tausche ich es aus. Für sie wird es nur immer dann kritisch, wenn sie einen Gesprächsgast hat, der gern Schnaps trinkt. (An dieser Stelle senkt Ulla Müller die Stimme …) Ina trinkt aber auch nicht immer mit Alkohol …

 

Bist Du mit Ina per Du?

Ja. Sie sagt zwar immer während der Sendung Frau Müller, aber sonst Ulla und per Du. Das hat sie sich so ausgedacht. Sie möchte Frau Müller sagen.

 

Ina dreht mit ihrem Team in einer Woche vier Sendungen ab. Was ja ganz schön anstrengend ist. Und Du stehst immer hinter dem Tresen und bedienst sie und ihre Gäste. Auch anstrengend?

Ja! Und wenn ich etwas gefragt werde, dann antworte ich auch. Ina kommt zwischen vier und fünf Uhr am Nachmittag, dann probt sie bis längstens 19 Uhr und da bin ich auch schon in der Kneipe. Anschließend isst Ina noch etwas, ruht sich im Hotel gegenüber aus, geht in die Maske. Und dann geht es bis vier Uhr früh … da hat sie ein gutes Programm – und ich auch!

Zwischen den Drehtagen liegt aber immer ein Tag Pause. Da mach ich dann gar nichts, obwohl die Kneipe offen ist. Ich ruhe mich aus, lege mich vor der Sendung schön lang. Und dann bin ich gut ausgeruht und kann lange mithalten. Vor halb vier, vier in der Früh nach dem Dreh komme ich nämlich nicht raus aus der Kneipe. Denn wenn abgedreht ist, bleiben noch manche vom Publikum sitzen und dann fängt die Crew an.

 

Mit einer Sause?

Na klar! Mal mehr, mal weniger. Kommt drauf an, wie die Jungs drauf sind. Bei der ersten Aufzeichnung jetzt im August waren die Jungs diesmal gleich weg. Vier Stunden die schwere Kamera auf der Schulter halten, das ist ganz schön heftig. Die Crew geht gewöhnlich ins Cafe gegenüber. Dort ist ein Raum reserviert für die Aftershowparty mit Gästen. Einmal bei jeder Sendestaffel kommen aber alle zu mir in den Schellfischposten. Ina bleibt dann sitzen, es wird brechend voll und das ist schön!

Ich kann gar nicht so schnell zapfen, wie die alle die Biere wegzischen.

 

Ina sagt selbst von sich, sie sei manchmal anstrengend und werde laut. Selbst erlebt?

Hm, das kann sie schon. Es gab eine Sendung, da hat mir ein Tontechniker gesagt: „Ina ist ja heute unausstehlich! Da hat schon jeder sein Fett weggekriegt.“ Da habe ich natürlich gehofft, ich kriege keinen Anranzer. Aber der Techniker  meinte: „Ne, die hat sich schon beruhigt.“

Ich habe auch schon mal erlebt, dass Sie einen Prominenten zusammengestaucht hat. Der kam an, und das klappte bei der Gesangsprobe nicht sofort, und da her er sich entschuldigt. Er sei gerade erst aus dem Flieger gestiegen und war lange unterwegs. Da hat Ina geantwortet: „Das ist keine Entschuldigung. Das hier ist ein Job. Ich muss auch fit sein!“ Die ist knallhart, das kann sie auch.

 

Wand mit Promifotos im winzigen Schellfischposten

Wand mit Promifotos im winzigen Schellfischposten

Lohnt es sich für Dich geschäftlich, Gastgeberin für Inas Nacht zu sein?

Wir vermieten die Räume an die Produktionsfirma. Die zahlen auch noch den Verzehr. Inas Nacht ist für uns generell eine gute Werbung. Dadurch kommen viele Leute, die sich die Kneipe ansehen möchten, darunter sind auch manche, die denken, Ina Müller sei jeden Tag hier. Ja wirklich! Die wundern sich dann, warum sie nicht hier im Schellfischposten sitzt.

Manche kommen aber auch nur rein und machen Fotos. Das finde ich nicht gut, das belastet alle. Deshalb haben wir ein Schild draußen aufgestellt, das wir das nicht wünschen. Jeder Gast kann gerne fotografieren, er sollte vorher fragen. Aber dieses Rein, Knipsen, raus, ne, das nimmt Gemütlichkeit.

Was mich freut ist, wenn Schaulustige die Köpfe reinstecken und sagen, hier ist es ja gemütlich, auch ohne Ina!

 

Seit sieben Jahren säuft, sabbelt und singt (so Ina’s Untertitel zur Sendung) Ina Müller jetzt schon bei Dir im Schellfischposten. Hast Du eine Lieblingssendung?

Ach, es gab so viele schöne Sendungen … was ich mitgenommen habe aus den Sendungen betrifft die Promis. Es gibt viele, bei denen ich vorher gesagt habe, naja, so sympathisch sind die sicher nicht. Und dann habe ich sie kennen gelernt und festgestellt, die sind richtig nett! Umgekehrt gibt es das aber auch. Zu mir sind die meisten richtig nett, bedanken sich bei mir für den guten Service.

 

Dann vielleicht einen Wunschgast?

Ich würde sehr gern Herbert Grönemeier hier haben, Udo Lindenberg und Udo Jürgens, der ist ja auch eine Legende. Über Lindenberg wurde schon öfter mal gesprochen als Gast für Inas Nacht, aber der Regisseur hat gesagt: „Was soll sie mit dem? Mit dem kann sie nicht schnacken. Udo nuschelt.“ Aber sie könnte ihn ja mal als Gesangseinlage einladen …

 

Wie bist Du überhaupt zu Deiner Kneipe, dem Schellfischposten, gekommen?

Die Seemanns-Kneipe ist der Traum meines Vaters. Mein Vater war während des Krieges bei der Marine. Das hat ihn so beeindruckt, dass er irgendwann mal eine Hafenkneipe haben wollte. Diesen Traum hat er sich mit dem Schellfischposten erfüllt.

Als Familie kamen wir Anfang der 60er Jahre von Düsseldorf hierher. Meine Eltern betrieben da in einer Nobelgegend eine Gastronomie. Als wir hierhin zogen, waren die Zeiten ziemlich rau. Die Arbeiter von den Fischkuttern zogen von Kneipe zu Kneipe und haben überall gesoffen. Und dann gingen die Schlägereien los. Wir waren aufgelöst, wir Mädels und meine Mutter, haben nur geheult.

Als meine Eltern gestorben sind vor 25 Jahren, haben mein Mann und ich die Kneipe zuerst verpachtet, was aber nicht funktioniert hat. Weil viel Herzblut an ihr hängt, wollten wir sie aber nicht aus den Händen geben. Und da haben wir uns gedacht: Wir machen das so nebenbei. Dass das aber soviel Arbeit ist, hätten wir aber nicht gedacht!

 

Du bist also gar nicht die geborene Wirtin?

Ich bin absolut nicht die geborene Wirtin! Ich habe viele Jahre als Zahnarzthelferin gearbeitet. Ich bin oft bei meinem Mann, einem Kapitän, auch auf dem Schiff mitgefahren. Dann kam unsere Tochter zur Welt, und irgendwann bin ich zuhause geblieben. Ich mochte gern Hausfrau und Mutter sein. Und als unsere Tochter alt genug war, verschwand unsere damalige Pächterin. Es passte also.

Als Wirtin bin ich wohl nicht genug Geschäftsfrau. Mir liegt daran, dass es menschlich zugeht. Dass ich zu meinen Stammgästen einen guten Kontakt habe, dass die Touristen und Fremden, die kommen, das Gefühl haben, hier hört ihnen jemand zu, hier wird gelacht.

Wenn ich ständig dran denken würde, wie viel Bier ich verkauft habe und das dieser und jener Gast noch eins trinken könnte, das würde nicht zu mir passen.

Ich wollte eigentlich gar nicht Wirtin sein. Es dauerte eine Weile, dann habe ich aber gemerkt, wie schön es ist, eine Kneipe zu betreiben.

 

Vorbereitungen für Inas Nacht vor dem Schellfischposten

Vorbereitungen für Inas Nacht vor dem Schellfischposten

 

Das heißt, Du schnackst gern mit Deinen Gästen — wie Ina Müller?

Ja! Es gibt aber auch Typen, die anstrengend werden, die einen vollquatschen. Denen sage ich dann: „Du schnackst mich hier so voll, jetzt ist mal genug. Halt mal den Rand!“ Das musste ich erst lernen. Das habe ich hier gelernt. Ich bin eigentlich eine ganz Ruhige, auch eher so ein bisschen gehemmt gewesen. Hier in der Kneipe, bin ich so frei geworden.

(Und hier geht es zum Bericht über die Aufzeichnung von Inas Nacht …  Hinter den Kulissen von Inas Nacht.

Der Schellfischposten nahe des Fischmarkts ist in Hamburg eine Institution. Die urig dekorierte Kneipe ist täglich ab 12 Uhr geöffnet, Sonntags ab 7 Uhr. Der Renner bei Wirtin Ulla Müller sind Pferdewurst und ihr handgefilterter Kaffee. Ihre Stammgäste schwören aber auch auf ihre frisch belegten Fischbrötchen und andere einfache Snacks. Ulla hat zwar eigentlich nie frei, manchmal aber knapst sie sich einen Vormittag ab, schläft dann lang, frühstückt auf ihrer Dach-Terrasse und guckt ins Grüne. Das entspannt.

 

Das Interview führte Dani Parthum am 13. August 2012
9. September 2012 

Fotos: Dani Parthum 

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