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Netzwerkerin.

Heike Andersen ist Lebensfreude pur! In ihrem lindgrün gestrichenen Laden in der Kegelhofstraße trifft sich halb Hamburg. Ihre Firma nennt sie Kommunikationsküche. Ein Ort, an dem Heike Andersen Menschen zusammenbringt, die offen für Neues sind, die Lernen möchten, die sich verändern wollen und spannende Unternehmensideen haben. Aber auch hungrige Mäuler sind ihr willkommen! Es ist viel los im Leben der 56jährigen.  Kommunikation ist ihr Leben.

Ein Frühstücksbesuch in ihrer Kegelhofer Kommunikationsküche.

 

 

Warum haben Sie sich selbstständig gemacht?

Andersen:  Es war so: Nachdem ich aus meinem Werbejob entfernt worden bin nach dem Motto: Du passt nicht mehr in meine Vision, musste ich mich erst einmal neu orientieren und den Schock überwinden. Ich hatte 2002 angefangen, neben meinem Job, mich in Sachen Feng Shui ausbilden zu lassen. 2005 ereilte mich dann der Karriereknick. 2006 habe ich mich selbständig gemacht mit einer Feng Shui Beratung – von zuhause aus – und hab‘ außerdem auch alles gemacht, was meinem Weg gekreuzt hat, Übersetzungen, Marktforschungen, Relocation, Vorstandssekretariat … . Dann wollte ich mit ein paar Leuten eine richtige Feng Shui Sozietät gründen, nach dem Motto: Mach es groß, wenn du es klein machst, krepeln alle vor sich hin. Aber das hat sich dann nicht materialisiert, und ich erkannte „mach’ es allein“. Und ich wollte trotzdem zuhause raus. Und da gab’s diesen kleinen, leer stehenden Laden in meiner Straße …

 

den Sie „Kommunikationsküche“ genannt haben. Wie sind Sie auf diesen Namen gekommen?

Andersen:  Als ich das erste Mal den Laden betrat, fühlte ich schon im ersten Raum: Das ist meins! Alte Hamburger Küchenfliesen, schön gestalteter Minigarten. Bei der aufwändigen Renovierung kamen dann Küchenanschlüsse zum Vorschein und da hatte ich plötzlich die Idee. „Wir machen eine Mietküche daraus!“, habe ich zu meinem Mann gesagt. So hat sich der Name von selbst ergeben, denn „meine Küche“ ist in der Kegelhofstraße. Ich wollte Netzwerke haben, die man zuhause nicht hat, ich brauchte wieder Betrieb um mich herum. Und so ist dieser Ort geworden, was er ist: Ein Raum zum Kommunizieren.

 

Und wer kommuniziert hier in Ihrer Küche, wer kocht und was?

Andersen:  Hier werden vor allem Ideen gekocht … (lacht) … würde ich sagen. Es ist absolut nicht so, dass es hier in meiner Küche ziel- und planlos zugeht. Aber es ist alles sehr offen, und der Raum wählt selber aus, wer kommen soll. Schauen, was passiert. Kommen lassen, wer kommen will.

Nach vier Jahren ist es so, egal wo ich hingehe, wenn man mich fragt: „Wer sind Sie denn und was machen Sie?“ Und ich sage dann: „Ich bin Heike Andersen, und ich betreibe in Eppendorf die Kegel …“, da komm ich gar nicht weiter! Dann heißt es: Davon habe ich schon gehört! Viele waren noch nicht da, haben aber schon davon gehört. Das ist es auch, was es ausmacht: Es kommuniziert einfach!

 

Nutzen hauptsächlich Freiberufler Ihr Angebot?

Andersen:  Ja, hauptsächlich, ich sage aber lieber Unternehmer, denn ich finde nicht, dass man Unternehmer nur so definieren muss, dass man Angestellte hat. Ich glaub auch nicht, dass angestellt zu sein die Zukunft ist. Ich glaube eher, dass wir eine Art Rückwärtsrolle haben. Früher hatte jeder seine Expertise, sein Handwerk, hat seine eigenen Produkte verkauft und getauscht. Dann kam die Industrialisierung und damit die Arbeitsteilung. Und es ist gut, sich seiner Fähigkeiten und Talente bewusst zu werden. Mir geht es dabei immer um Verantwortung. Wir wurden geboren, um Verantwortung für unser Leben zu übernehmen und es selbst zu gestalten.

 

Und über was wird kommuniziert?

Andersen:  Wir haben die aberwitzigsten Themen: High Heels Training, Sexualität im Alter, Geldthemen, über die man sonst nicht spricht – was mache ich mit Geld z.B., wir schärfen das Geldbewusstsein, wir haben Expertenabende, ganz viel Business Coaching für angehende Unternehmer/Innen, Autorenlesungen und bei mir treffen sich auch regelmäßig einige Netzwerk-Gruppen.

 

Willkommen!  Heike Andersen vor ihrem Laden

Willkommen! Heike Andersen vor ihrem Laden

Ich kann Ihre Küche ja auch mieten. Kochen Sie dann?

Andersen:  Ja, das machen wir sehr gerne – ob Firmenmeeting, Seminar oder Privatanlass, Geburtstag, Taufe, kleine Hochzeit – wir kochen und verwöhnen unsere Gäste mit allem, was sie haben möchten. Aber sie können auch die Küche mieten und alles selber machen und selber mitbringen. Geht nicht, gibt’s nicht. Wir machen, was der Kunde will!

 

 

 

Wie finden die kommunikationsfreudigen und -hungrigen Leuten Sie und Ihren Laden?

Andersen:  Es netzwerkelt in Hamburg! Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt. Viele sind auf der Suche nach einem Raum, manchmal finden sie mich über das Internet, meistens haben sie von jemandem von mir gehört, und da ich auch viel unterwegs bin, zu Netzwerkveranstaltungen – ich bin im Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft, war im Verband der Frauen im Business und Management – und ein paar Nachbarn kennen mich auch. Wie finden die Leute hierher? Die werden auch mitgebracht. Erleben das hier und fragen, „kann ich hier auch mal was machen?“. Selbstverständlich! Sehr gerne! Wann möchten Sie? Wir haben mitunter 25 Leute hier. Und dann gebe ich auch noch einen Newsletter heraus.

Ich werbe auch ganz offensiv, habe immer Visitenkarten und Flyer dabei. Ich bin da hemmungslos geworden! (lacht fröhlich)

 

Können Sie vom Netzwerken leben?

Andersen:  Sagen wir es mal so: Ich bin sehr froh, dass mein Mann auch ein Einkommen hat. Vom Netzwerken allein kann man nicht leben, aber von meiner Arbeit kann ich schon leben, aber es wäre sehr, sehr knapp. Und ich sag mal so: So einen Partner an seiner Seite zu haben, ist wirklich ein großes Geschenk. Das sollten sich auch Frauen vor Augen führen. Es hat viel mit Wertschätzung und Anerkennung zu tun. Männer wollen davon ja oft gar nichts hören, wenn ich beispielsweise meinem Mann sage, das finde ich super, dass du das machst, dass Du mir hier hilfst, und vielen, vielen Dank!. Dann sagt er, „ist ja nicht der Rede wert!“ Mir aber ist das wichtig, ihm das zu sagen. Ich habe durch meine Tätigkeit aber auch Freunde verloren, weil die nicht verstehen, dass ich nicht mehr die Alte bin.

 

Was hat sich denn an Ihnen verändert durch Ihre Selbständigkeit?

Andersen:  Ich bin sehr neugierig auf Menschen und sehr offen, und wer jeden Tag denselben Job macht, ist es vielleicht nicht. Manche Leute können es auch nicht aushalten, wenn hier soviel Betrieb ist und man ist selbst jeden Tag den gleichen Tagesablauf gewöhnt. Ich weiß es aber nicht, sie haben es mir nicht gesagt. Ich habe in den letzten drei Jahren wirklich gute Freunde gefunden. Aber man muss gucken, was ist Business und was ist Freundschaft. Man kann auch Businessfreundschaften haben, davon lebt das Netzwerk auch.

 

Was ist Ihr nächstes, großes Projekt?

Andersen:  Das wichtigste ist die Messe, „that’s my business“ am 8. und 9. Juni im Hamburg-Haus Eimsbüttel. Vor zwei Jahren hatte ich die Idee, am Abend nach einem spirituellen Seminar, mal eine Messe zu veranstalten. Es gibt in Hamburg allein etwa 100.000 kleine Unternehmen bis zehn Mitarbeiter. Die sieht man gar nicht. Wir haben auch ein paar hundert größere Firmen. Auf denen orgeln Politik, Medien und Werbeagenturen herum. Aber wir kleinen Unternehmen bringen auch unsere Leistung. Wir sorgen dafür, dass wir eine Arbeit haben, sorgen dafür, dass andere Leute eine Arbeit haben. Das hat wirklich einen Wert, und wir zahlen Steuern.

Ich will diese ganzen kleinen Unternehmer auf eine Plattform stellen, damit die Welt von uns Notiz nimmt. Deshalb heißt es „that’s MY business“ – die Messe von kleinen Unternehmen mit großen Ideen.

Ich möchte gern, dass andere kleine Unternehmer kommen, aber auch größere Unternehmen als wir selbst, dass die allgemeine Bevölkerung und die Nachbarn kommen, um zu sehen, „was macht Ihr da eigentlich?“

 

Was würden Sie Frauen empfehlen, die ihr Arbeitsleben ändern möchten?

Andersen:  Sie sollten es Leuten erzählen, die nicht so dicht an ihnen dran sind. Die beste Freundin will oft nicht, dass sich irgendwas ändert. Wenn man schwanger geht mit einer Idee, und das kann ja ganz schön lange dauern, sollte man vor allem Leute fragen, die Kunden werden könnten. Und Kunden werden nur die, die neugierig auf das sind, was wir anbieten. Aber ich finde diese Kunden nur, wenn ich selbst ebenso neugierig bin auf diese Leute. Das heißt: Neugier ist der Schlüssel zu anderen Leuten.

Man sollte auch dafür sorgen, mit seinem Partner in enger Kommunikation zu stehen. Frauen sollten die Ideen ihrer Männer unterstützen, dann unterstützen die auch die Ideen ihrer Frauen, geben männliche Sichtweisen mit rein, die Frauen auch brauchen, denn schließlich sind ja auch andere Männer Kunden. Betriebswirtschaftlich sich vorzubereiten gehört auch dazu.

Sich selbstständig zu machen, ist eine Investition in sich selbst, und für die bin in erster Linie selbst verantwortlich, nicht mein Mann, nicht der Staat mit möglichen Förderprogrammen. Und natürlich muss man eine Vision haben, und ein Ziel, für das man brennt.

 

Dani Parthum, 5. Mai 2012

 

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