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Hinter den Kulissen von Inas Nacht.

Die Entertainerin Ina Müller ist ein Knaller. Von vielen geliebt, von einigen für zu laut befunden, ist ihre Sendung Inas Nacht ein Quotenhit in der ARD geworden, ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis. Ich hatte jetzt das Glück, bei der Aufzeichnung der ersten neuen Sendestaffel in der ältesten Seemanns-Kneipe Hamburgs dabei sein zu können. Ein Late-Talk-Bericht.

Dani Parthum, 9. September 2012 

 

Eintritt zu Inas Nacht

 

Prolog.

Es dauert. Die Assistentin hatte per Mail gemahnt: Viertel vor neun sollen wir bitte da sein! 21:30 Uhr stehen wir immer noch vor der Kneipe, dem Schellfischposten, mein Mann und ich, zusammen mit 12 anderen Gästen. Wir 14 dürfen heute mit von der Partie sein in der winzigen  Seemannskneipe im Hamburger Hafen – als trinkende und klatschende Kulisse für Ina Müller. Und auch die heutigen Gäste bei Inas Nacht lungern vor’m Cafe gegenüber herum: Kai Pflaume im Freizeitlook, Jessica Schwarz gepflegt ungepflegt und Tim Bendzko entspannt, weil er heute mal nicht die Welt retten muss.

Dann endlich Sitzprobe für uns Gäste an den zwei Kneipen-Tischen, dazu die forsche Ansage des Regie-Assistenten: „Tisch eins! Ihr Drei fahrt mit Ina im Bus mit.“ Wir sind gemeint. Schön! Wirtin Ulla Müller (Ina und Frau Müller.) fragt noch schnell, was jeder während der Aufzeichnung trinken möchte (denn dieses Getränk bleibt immer das Gleiche). Und dann geht es raus in den hergerichteten, hellblauen VW-Kleinbus.

Inas kultiger VW-Bus

Wir schwitzen. Es ist August und weit über 25 Grad warm. Dann kommt Ina: kurz vor 22 Uhr steigt sie unter großem Hallo der umstehenden Neugierigen in den kultigen VW-Bus – aufgedreht, angespannt und verdammt hübsch. 

Äktschn.

Kleine Ehrenrunde um den Block. Ina legt gleich los mit Fragen, ob wir gut drauf seien und was wir singen wollen. Sie stimmt dann lauthals „All you need is love“ an und bittet uns, kräftig mitzusingen. Und das tun wir auch gern. Ich fühle mich wie auf einem Schulausflug. All-you-need-is-love-schmetternd fährt Ina vor den Schellfischposten, hält die Türen auf; wir steigen aus, gehen rein in die Kneipe, setzen uns hin, Bierchen hoch, anstoßen. Ina wird singend und moderierend von den Schaulustigen, die sich vor den offenen Fenstern drängeln, in die Kneipe geklatscht. Und dann wird mir klar, warum sie ausgerechnet den Beatles Gassenhauer als Eröffnungssong ihrer heutigen Inas Nacht Show gewählt hat. 

Kai.

Denn als ersten Gesprächsgast begrüßt Ina Kai Pflaume, der ja die Fernsehsendung „Nur die Liebe zählt“ moderierte. Superschlank, in Ringelpulli und Freizeithose, springt Kai von draußen in die Kneipe. „Hallo!“ Sonst trägt Pflaume Anzug. Heute Nacht nicht. Ina bestellt Bier, Kai Alsterwasser. Das bringt ihm sofort einen Spruch ein: „Du bestellst ja Mädchenbier!“ „Ich bin eben ’ne gute Freundin.“, kontert Kai. Der Shanti-Chor schmettert den ersten Tusch. Hohohohoho. Hey! Geht gut los.

Ina spricht mit Kai Pflaume

Ina plaudert mit Kai über Boxershorts, Frauen und seinen Titel „Mr. Informatik“

Zuerst will Ina alles über Kais Anzüge wissen. Dabei erfahren wir: Kai trägt gern Boss, weil er „optisch niemanden zur Last fallen“ möchte, kauft seiner Frau mehr Klamotten als sich selbst und hat in der DDR Boxershorts entworfen, seine Schwägerin hat sie genäht und Kai für 15 DDR-Mark das Stück verkauft. Damit machte er im Monat etwa 1.000 DDR-Mark (das war mehr als ein Ingenieur in der DDR verdient hat!) Und Kai verrät, dass er mit 18 während seines Informatikstudiums zum „Mister Informatik“ gewählt wurde. Das gefällt Ina – und dem Shanti-Chor. Tusch. Hohohohoho. Hey! 

Ablaufplan der Sendung für Ina, befestigt über der Klotür

Ablaufplan der Sendung über der Klotür

So geht es weiter: Ina fragt, macht Witze auf Kais Kosten. Der antwortet clever, sodass Ina manchmal die Spucke wegbleibt. Sie kommen ins Plaudern, das Bier wird warm. Unvermittelt ruft Ina: „Stop!“ Das Kommando für die Visagistin. Ein Schweißtuch der Inas Nacht Crew wandert auf Inas glänzendes Gesicht und ein kalter Waschlappen in ihren Nacken. „Fünf Minuten Pause!“, weist der Regisseur an. Während zwei Visagistinnen Inas Make-up richten, können die Kameramänner durchatmen. 

Schweiß und Enge.

Drei Kameras zeichnen die Sendung Inas Nacht im Schellfischposten auf, der etwa so groß ist wie ein Wohnzimmer. Eine Kamera hält auf Ina, eine filmt den Gesprächsgast und die dritte den Raum, Shanti-Chor und Kneipen-Gäste, also uns (bloß nicht in die Kamera sehen!!!). Überhaupt ist die bei Inas Nacht Kneipe gerammelt voll: Ein Regisseur, ein Assistent, der Ina Texttafeln hochhält, zwei Techniker, ein Producer, ein Fotograf, dazu die dreiköpfige Band. Und wir natürlich! 14 Gäste an zwei Tischen, Schenkel an Schenkel. Ellenbogen rein und nicht zappeln, heißt hier die Arbeits- und Sitzdevise, und Bauch einziehen! 

Während die Visagistin Ina trockentupft und sie mal durchatmet, bringt Wirtin Frau Müller die nächste Runde an den Tisch. Herrlich so ein kühles Bier! Prost und weiter geht’s. Jetzt will Ina mit Kai singen. Dazu stemmt sie sich auf den Kneipentisch, rutscht rüber, balanciert sich auf ihren 16-Zentimeter-Heels (!) aus und stopft fix die Bluse ordnend in den Rock, als wäre sie zuhause. Das Team grinst. Kai auch. Wir grinsen mit. Und Kai singt gar nicht mal übel.

Der Assistent hält für Ina den Liedtext hoch

Spickzettel. Der Assistent hält für Ina den Liedtext

Nach eineinhalb Stunden sabbeln und singen mit Kai strömt der Schweiß wieder. Pause! Drei Minuten. Die Visagistin rennt. Ina ordert bei Frau Müller „ … noch ’n frisch Gezapftes, bitte!“, und trinkt es auf ex. Dazu eine Zigarette und ein Gespräch mit dem Regisseur. Sind die Kameras aus, wird Ina ernst, konzentriert sich. Mit einem flotten Spruch zu Kai geht es weiter. Die Bierdeckelchen sind jetzt dran.

Der Assistent reicht Stifte und Bierdeckel herum, wir sollen uns Fragen an Kai ausdenken. Dazu serviert Frau Müller das nächste kalte Bierchen, Nr. 3. Prost in die Runde. Schon leicht angeschickert dichtet mein Mann dann so etwas wie: „Kai, gehst Du immer noch an den FKK-Strand?“ (war in der DDR üblich, nackig auf Rügen und Usedom zu liegen). Und … mir fällt nicht wirklich was witziges um kurz vor Mitternacht ein. Ich kapituliere. Der Assistent sammelt die Deckelchen ein – und steckt sie zu unserer Überraschung hinter andere Deckel, die er schon in der Hand hält. Diese nimmt Ina zuerst: Bierdeckelchen mit vorbereiteten Fragen? Also doch nicht alles so spontan hier in Inas Nacht? 

Bierdeckelchen für Kai

Wer spontan ist, ist Kai! Zwar gibt er sich wie immer als netter Kerl von nebenan, aber erstaunt mit seiner Schlagfertigkeit wohl auch gelegentlich Ina. Sie lacht dazu herzlich und der Shanti-Chor tuscht. Hohohohoho. Hey!

Dann kurz Hektik. Auftritt Tim Bendzko. Das ist der junge Musiker, der mit dem Titel „Muss nur noch kurz die Welt retten“ einen Sensationshit gelandet hat. Er bringt seinen Klavierspieler mit. Kai filmt mit dem  Smartphone Tims fünf-Minuten-Auftritt; er singt „Ich laufe“, Ina wippt mit dem Fuß mit und bevor ich mich in der Kuschelrockstimmung einrichten kann, ist Tim auch schon wieder weg. Das vierte Bier schwebt heran. Langsam wird das anstrengend … hier bei Inas Nacht. Ich vertrag ja nichts.

Jessica.

Ina legt nochmal einen Zahn zu und kündigt singend die Schauspielerin Jessica Schwarz an. Großes Hallo in der Runde für die schöne Frau in roter Bluse und dunklem Rock und ich freue mich auf Einblicke in das Schwarz’sche Schauspieler- und damit hoffentlich auch Seelenleben. Aber es kommt anders. (Jessica Schwarz hat Romy Schneider gespielt, sie war u.a. in den „Buddenbrooks“ zu sehen und in „Das Parfum“.)

Schwarz drückt Ina eine Flasche Kräuterlikör in die Hand, mit lieben Grüßen von ihrem Vater. Der sitzt wie „zufällig“ auch im Publikum, am Nachbartisch, dort, wo es besonders eng ist. Ina fängt mit ihm ein Gespräch an, Jessica steht daneben. Und über was redet Ina mit Vater Schwarz? Über seinen Kräuterlikör, den er herstellt und vertreibt und der schlappe 40 Euro kostet. Das ist nicht mehr nur Schleichwerbung, sondern ganz offensive Werbung. Und das um halb ein Uhr früh und bei der ARD?!?!?! Ob das gesendet wird? Jessica, um die es ja eigentlich gehen soll, ist dafür Stichwortgeberin. Und Ina hört gar nicht wieder auf, Vater Schwarz in das Gast-Gespräch einzubeziehen. Seltsamer Plot. 

Irgendwann lässt Ina dann doch vom Schwarz-Papa und wendet sich ihrem Gast Jessica zu und beginnt die Plauderei mit deren Kindheit – schon wieder geht es dabei um „Vati“ (so nennt Jessica ihren Vater), dass er einen Kiosk hatte und die kleine Jessica dort alle Zeitschriften ansehen durfte. Und dass sie schon als Kind immer vor der Kamera ihres Vatis posiert hat und er die geschossenen Fotos stolz herumzeigte. 

Ina und Jessica plaudern mit Papa Schwarz

Ina und Jessica plaudern mit Papa Schwarz

Mich überkommt Müdigkeit. Ist doch schon arg spät. Vom Posen für Vati fragt sich Ina zum Posen in New York für Modemagazine durch (Jessica Schwarz hat eine zeitlang als Fotomodell gearbeitet). Es geht um Magersucht, schlechte Bezahlung, WG-Erfahrungen und um ihr Hotel in Michelstadt. Die Frauen fabulieren. Wo bleibt das Schauspielerleben der wunderbaren Jessica Schwarz, frage ich mich? Ina scheinen die Fragen auszugehen, und auch die Schlagfertigkeit. Der Shanti-Chor steht sich die Beine in den Bauch (seit drei Stunden!) und findet keinen Anlass mehr, an dem er einen Tusch dazwischen schmettern könnte. Ich denke: „Hey!“ 

Es dauert.

Endlich geht es um Schwarz‘ neue Rolle als krebskranke Frau in dem Film „Heiter bis wolkig“. Für diese Rolle habe sie arg hungern müssen, erzählt sie. Unterstützt hat sie dabei ein Arzt und eine Art Hormontherapie. Irgendwie verstehe ich den Zusammenhang nicht. Bin ich kurz eingenickt? Ich bin wirklich müde. Na jedenfalls durfte die Schauspielerin schon gleich nach dieser anstrengenden Rolle wieder reinhauen, Pasta satt essen, weil sie für eine andere Filmfigur viel zu dünn geworden war. Wie anstrengend! 

So faszinierend Jessica Schwarz auf der Leinwand ist, so wenig Esprit versprüht sie heute bei Inas Nacht, jedenfalls für mich, jetzt so gegen 1 Uhr. Aber wer ist um diese Nachtzeit schon noch frisch! Der Dialog zwischen den beiden driftet teilweise ins Banale ab. Ina schwächelt. Der Assistent gähnt. Ich auch. 

Wirtin Müller bringt Bier-Runde fünf. Noch eins vertrage ich nicht, denke ich belustigt. Das Publikum vor der Tür hat sich auch ausgedünnt. Nur noch die ganz Wackeren halten durch. Dann singt Ina noch fix ein Lied mit Jessica, die eine erstaunliche Stimme hat. Kai hat Spaß und filmt mit seinem Handy. Die Bierdeckelchenrunde hält Ina kurz. Sie kann offenbar nicht mehr. Denn als der Regisseur sie fragt, ob sie noch die Abschlussband interviewen möchte, wiegelt sie ab: „Ich hab keine Fragen mehr!“ Also Pause.

Ina raucht und lauscht gespannt ihrem Regisseur

Ina raucht und lauscht gespannt ihrem Regisseur

Die Abschlussband baut auf. Ina raucht. Guckt ernst. Dann Ansage, die Band spielt auf; Ina, Jessica und Kai tanzen und dann ist Schluss.  

Nach drei Stunden sabbeln, saufen und singen hat es Ina Müller geschafft. Es ist 1:30 Uhr. Sie hat alles gegeben, mindestens sechs Bier getrunken, dazu am Schnaps genippt, einige Zigaretten geraucht und den Laden gerockt. Das alles durchzuhalten? Auch noch vier Tage hintereinander? Respekt!

 

Drei weitere Aufzeichnungen folgen in den nächsten Tagen; dann sind die ersten neuen Sendungen von Inas Nacht im Kasten. Im Oktober startet die neue Staffel von Inas Nacht. Aus den viereinhalb Stunden Aufzeichnung bleibt am Ende eine Stunde übrig.    

 

Inas Nacht in Hamburgs ältester Seemannskneipe Schellfischposten

Inas Nacht in Hamburgs ältester Seemannskneipe Schellfischposten

 

 

Ein Interview mit der Wirtin und Eigentümerin des Schellfischposten Ulla Müller über Ina, ihre Rolle bei Inas Nacht, lärmende Gäste und frische Brötchen könnten Sie hier lesen: Ina und Frau Müller.

Fotos:  Dani Parthum

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