Gebt dem Geld wieder einen Wert!

Der Autor und Publizist Renè Zeyer hat ein neues Buch geschrieben. In „Cash oder Crash“ nimmt er sich die Sprache der Finanzwirtschaft vor und ihre Argumente. Was beispielsweise ist ein Stresstest, das Gute an einem Staatsbankrott oder was ist von Analysten wie Ratingagenturen zu halten? Darauf gibt Zeyer Antworten, pointiert, zuweilen polemisch, aber immer Kenntnis- und lehrreich. SAKIDA hat sich mit ihm über sein Buch und die Krisen Europas unterhalten.
Rezension: Übersetzungshilfe für Bankerblala.

von Dani Parthum, Dezember 2011

Bankenkritiker Zeyer

Bankenkritiker Zeyer

Warum dieses Wörterbuch, Herr Zeyer? Ist ja eigentlich eine einfache Idee.
Es war ein verzweifelter Versuch, eine Fortsetzung meiner bisherigen Bücher zu schreiben. Die Zeiten werden härter, die Probleme größer. Ich begebe mich aus dem Schutz der Fiktion heraus und in die bittere Realität hinein und die kann nur in einer realen Abhandlung von realen Absurdbegriffen bestehen.

Welches Kapitel, welchen Begriff mögen Sie am meisten?
Diese Kapitel, wo ich eine Art Übersetzungshilfe zum „Anlageberater“ zu liefern versuche. Also, dass der Kunde, der dem Bankberater gegenüber sitzt, sich mal bewusst wird, was ihm da vorgeschwafelt wird, und was der Bankberater tatsächlich in sich selber denkt. Lieber Bankkunde, man muss es dir tausendmal sagen, sei Dir bewusst: Du sitzt einem völlig inkompetenten Verkäufer gegenüber, der nur an seinen Bonus, sein eigenes Gehalt denkt. Wenn sich das herumsprechen würde, wäre schon viel geholfen!

Ihr Vorschlag, wie die Finanz- und Bankenkrise beendet werden könnte? Sagen wir – ein Vorschlag?
Aus diesem ganzen Spielchen könnte man ganz einfach den Stecker raus ziehen mit der banalsten Methode aller Zeiten: In dem man Geld, den wichtigsten Rohstoff der kapitalistischen Welt, endlich mal wieder mit einem Wert versieht. Heute kann ich mich ja als Bank umsonst mit Geld versorgen. Ich gehe zur Zentralbank und da kriege ich die Millionen hinter her geschmissen. Dann gehe ich ins Spielkasino und zocke. Ich plädiere dafür, dass ein Gläubiger für sein Risiko, dass er jemanden Geld leiht, endlich wieder eine anständige Rendite bekommt. Wenn ich in deutsche Staatspapiere investiere, verliere ich durch die Inflation noch Geld. Das ist ein absurder Zustand. Und diesen absurden Zustand könnte man einfach reparieren, in dem man wieder Leitzinsen zwischen 5 und 10 Prozent einführen würde.

Seit 2007 dreht sich die Spirale aus Banken-, Finanz-, Staatsschulden- und Demokratiekrise immer schneller. Ziemlich deprimierend. Woher nehmen Sie ihren Humor?
Man darf ja alles verlieren, nur nicht seinen Humor! Das ist wirklich ein Bestandteil dieses Buches. Mir hilft wohl, das der Diagnostiker, als der ich mich eher empfinde, es leichter hat als der Therapeut, weil der Therapeut verzweifelt am Patienten und an der Realität und der Diagnostiker stellt den finalen Krebs fest und macht sich dann vom Acker. Auf der anderen Seite ist es so, dass das Erschreckende in diesem ganzen Finanzzirkus ist, dass da eine geradezu ans Mittelalter erinnernde Überkomplexität heraufbeschworen wird. Da wirken Kräfte, Tsunamis, Erdbeben, unvorhersehbare Entwicklungen. Das soll beim normalen Menschen den Eindruck auslösen, das alles ungefähr so kompliziert ist wie Quantenphysik, und da könne nur der Fachmann mitreden. Das ist Unsinn. Volkswirtschaftliche Grundlagen kann man in zwei Minuten jedem Schimpansen erklären!

 

Der Schweizer Autor und Publizist Renè Zeyer hat viele Jahre als Korrespondent für diverse deutsche Zeitungen und Magazine gearbeitet. Einen tiefen Einblick in das Denken von Bankern hat er durch seine Arbeit für die Branche erhalten; er hat viele Jahre Banken in Kommunikationsfragen beraten. 


Flattr this

0 Kommentare

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

zurück