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Mehr Frauen in die Wissenschaft!

Sie hatten sich viel vorgenommen, im Herbst 2006. Sieben Wissenschafts-organisationen schlossen sich vor sechs Jahren zusammen, um die Chancenungleichheit von Frauen in der Wissenschaft zu beenden, darunter federführend der Wissenschaftsrat, aber auch die Deutsche Forschungs-gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft und die Hochschulrektorenkonferenz. Sie wollten dafür eintreten, dass bis 2011 der Anteil von Frauen an Führungs-positionen in der Wissenschaft deutlich erhöht wird.

 

Denn die Ungleichbehandlung in der Wissenschaft ist haaresträubend. Während heutzutage mehr Frauen ein Studium aufnehmen und es abschließen, entfallen auch in etwa die Hälfte der Promotionen auf WissenschaftlerInnen. Der Anteil der ProfessorInnen aber beträgt dann weniger als 15 Prozent! Das heißt: Von zehn Professorenstellen sind noch nicht mal zwei mit Frauen besetzt.

 

An diesem Auseinanderdriften der Chancen konnte auch die Offensive in den vergangenen fünf Jahren nichts ändern. Sie ist gescheitert und das Fazit ernüchternd, das der Wissenschaftsrat in seiner Bestandsaufnahme Ende Mai gezogen hat.

 

Zwar hat sich die Zahl der ProfessorInnen etwas erhöht. Aber eben nur etwas und nicht deutlich. Und beim Blick auf die Besoldungsgruppe, also wie die WissenschaftlerInnen bezahlt werden, stellt sich zudem heraus: Je besser eine Professorenstelle dotiert ist, desto seltener hat sie eine Frau inne.

 

Der Rat will jetzt die Hochschulen und Forschungseinrichtungen auffordern, Quoten einzuführen. In den Gremien der Unis und auch außeruniversitären Einrichtungen sollen zum Beispiel bei zehn Gremiums-Mitgliedern mindestens vier Frauen darunter sein.

 

Als Hauptproblem der Chancenungleichheit hat der Wissenschaftsrat festgestellt: die Karriere als WissenschaftlerIn sei „unzureichend planbar“. Das heißt: nach der Promotion, und vielleicht auch Habilitation, wissen WissenschaftlerInnen nicht, wie es beruflich weitergeht. Es gibt kaum Planungssicherheit. Eine feste Stelle an den Unis und Forschungseinrichtung ist zur Seltenheit geworden. An ihre Stelle sind befristete Verträge getreten.

 

Wie der Wissenschaftsrat und die anderen Forschungseinrichtungen allerdings ganz praktisch die Chancen für Frauen im Wissenschaftsbetrieb verbessern wollen, dazu haben sie nicht viel geschrieben. 

 

Dani Parthum, 30. Mai 2012

 

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