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Frauen ernähren immer häufiger die Familie.

Und nicht nur das. Nach der Arbeit warten die Kinder  und Hausharbeit auf die berufstätigen Frauen!

Den Beruf mit der Familie zu vereinbaren, ist für die meisten Frauen ein ständiger Kampf. Im Osten Deutschland tragen ihn allerdings mehr Frauen als in den westdeutschen Bundesländern aus. In Ostdeutschland steigt die Zahl der Frauen, die ihre Familien allein oder gemeinsam mit ihrem Parnter ernähren. Dabei sorgen sie in der Regel auch weiterhin für Haushalt und Kinder – eine enorme Doppelbelastung.

 

Ablösung Hauptverdiener

Ablösung Hauptverdiener

Zu dieser Einschätzung kommen drei Forscherinnen in der aktuellen Ausgabe der Böckler Impulse. Die Forscherin Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut WSI hat zusammen mit Katrin Menke und Svenja Pfahl vom Berliner Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer die Lebenssituation ostdeutscher Familienernährerinnen untersucht. Sie werteten dafür Daten des Sozio-oekonomischen Panels aus und führten zusätzlich Intensiv-Interviews mit etwa 40 Frauen.

Eine 38-jährige erzählte zum Beispiel:
»Meine Wochenenden sehen dann so aus, dass ich dann am Sonnabend einkaufe, sauber mache, putze, mache, tue, alles, was jetzt hier nur so an die Seite fliegt, auf dem Schreibtisch. In der Küche ist so ein Stapel Papierkram, was ich mal eigentlich bearbeiten müsste. […] Ja, und Sonntag komme ich dann nachmittags zur Ruhe, indem ich dann einfach nur noch todmüde umfalle. Und das war’s.«
(Frau Baum, 39 Jahre alt, 9jähriger Sohn, Personaldisponentin in einer Pflegestation)

„Dass immer mehr Frauen die Familie ernähren, ist Ergebnis zweier sich simultan vollziehender Wandlungsprozesse“, fassen die Wissenschaftlerinnen ihr Ergebnis zusammen.
Zum einen sind Frauen immer besser in den Arbeitsmarkt integriert. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, schreiben die ForscherInnen, dass sie ihrem Partner hinsichtlich ihrer beruflichen Position und damit auch ihres Einkommens überlegen sind. Auch Vollzeitarbeit ist im Osten unter Frauen weiter verbreitet. Deshalb liegt der Frauenanteil in Führungspositionen auch höher als im Westen.
Auf der anderen Seite spiele aber der Bedeutungsverlust des männlichen Ernähers eine bedeutendere Rolle. Viele Männer können die Familie nicht oder nicht mehr ernähren, weil sie arbeitslos oder erwerbsunfähig sind. Deren Partnerinnen seien häufig selbst nicht hoch qualifiziert, arbeiten in einem frauentypischen, niedrig entlohnten Beruf, womöglich in Teilzeit – und müssen dennoch den Löwenanteil des Familieneinkommens erwirtschaften.

Andere Männer finden lediglich eine Teilzeitstelle oder verdienen im Rahmen ihrer Selbstständigkeit wenig. Auch ihre Partnerinnen rutschen dann schnell in die Rolle der Familienernährerin.

Beide Prozesse sind im Osten ausgeprägter als im Westen, so die Wissenschaftlerinnen. Das erkläre die stärkere Verbreitung von Familienernährerinnen-Haushalten in Ostdeutschland: Inklusive der Alleinerziehenden wird hier fast jeder vierte Mehrpersonenhaushalt von einer Frau ernährt.

Familienernährerinnen stellen „unter den gegenwärtigen Bedingungen die am meisten belastete Gruppe in der Gesellschaft dar“, stellen die Autorinnen deshalb fest.

Die ganze Studie finde Sie unter diesem Link.

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