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Eva. Die Große.

 

Christoph klimperte mit dem Autoschlüssel – er wollte los. Jetzt oder nie, dachte ich mir. Ich nahm all meinen Mut zusammen. Ich wollte, ich musste ihr die Hand schütteln. Ich musste ihr sagen, wie sehr sie mich berührt hatte. Ich musste!

 

Zwischen unseren Tischen lagen nur zwei, drei große Schritte. Das sollte ja wohl zu schaffen sein! Das Herz klopfte mir bis zum Hals – wie bei einem Teenager, der gerade beschlossen hat, von Robbie Williams ein Autogramm zu ergattern. So was Blödes – dabei bin ich eine gestandene Frau von 52 Jahren. Und sie ist ungefähr im selben Alter. Sie unterhielt sich mit zwei Frauen, den Rücken mir zugewandt. Ich stand also entschlossen auf, überwand die räumliche Distanz von mir zu ihr.

 

„Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche.“ Alle drei sahen mich etwas verwundert, aber freundlich an. „Ich bin eine Kollegin von Christoph und eigentlich nur zufällig hier – aber, bevor ich gehe, muss ich Ihnen unbedingt sagen, wie sehr Sie mich beeindruckt haben, wie sehr Sie mich berührt haben. Dieser Abend war wunderbar! Diese Präsenz von Ihnen, soviel Leichtigkeit, soviel Spaß und Lebensfreude. Dieser Abend war eine unglaubliche Bereicherung. Es war einfach nur großartig. Ich habe jede Sekunde genossen und Ihnen so gerne zugehört. Und ich möchte Ihnen das unbedingt sagen, bevor ich gehe.“

 

Es sprudelte alles nur so aus mir heraus, nichts hatte ich mir vorher überlegt. Ich weiß inzwischen, dass ich oft besser spontan drauflosrede, anstatt vorher lange, komplizierte Sätze in meinem Kopf zu formulieren, die ich dann doch nicht mehr zusammenbekomme, wenn’s ernst wird. Atemlos machte ich eine Pause.

 

Wie würde sie reagieren?

 

Ich war mir nicht sicher, doch in ihren Augen konnte ich lesen, dass sie freudig überrascht war. Was jetzt passierte, war so spontan wie unglaublich, jedenfalls für mich.

 

Sie stand auf – sie ist etwa einen halben Kopf kleiner als ich – und legte mir ihren Arm um die Taille und drückte mich an sich. Ein kleiner, aber entschiedener inniger Druck übertrug sich von ihr zu mir. Ihr wunderbar weiblich proportionierter Körper fühlte sich weich und gleichzeitig fest an. Es waren nur Sekunden, aber selten habe ich einen Moment so bewusst erlebt wie diesen.

 

Sie ließ mich los und schaute mich sehr warm und herzlich an. Dann drehte sie sich um zu ihren Gesprächspartnerinnen, um sich sofort wieder mir zuzuwenden. “Das ist ja süß. Ach, das ist ja aber sehr nett. Wie schön, dass es Ihnen gefallen hat!“ So ehrlich, wie sie auf der Bühne gestanden hatte, so ehrlich und von Herzen antwortete sie mir und schaute mir in die Augen.

 

Ich drückte ihr nur noch einmal fest die Hand und schwebte hinter Christoph her zum Auto. Eva Mattes – eine ganz Große. 

Eva Mattes

 

von Britta Haarmann
geschrieben Februar 2011, veröffentlicht Februar 2013

 

Britta Haarmann hat sich auf SAKIDA auch schon Gedanken gemacht über: Madam L’Oreal

 

Und hier geht es zur Homepage von Eva Mattes 

 

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