• SAKIDA Archiv

Sie kann Boss.

Marion Knaths hat die Männer durchschaut. Sie war Vorstand eines US-Großkonzerns und weiß, wie Frauen die gläserne Decke durchbrechen können. Ihr Wissen gibt sie als Führungskräftecoach an Frauen weiter. Wenn die androgyn wirkende Knaths als Rednerin auf Bühnen steht, wie zuletzt bei der WoManPower 2012 in Hannover, wird es amüsant. Und wahrhaftig. Knaths erzählt pointiert und mitreißend – und mit einer klaren Botschaft: Frauen, lasst euch nicht ausbremsen von den Männern, sondern spielt mit. 

 

Charismatische Rednerin -- Marion Knaths

sheboss heißt Knaths Firma — der Name ist Programm. Um „Boss“ zu werden, müssen Frauen sichtbar sein für Vorgesetzte und Kollegen, sagt Knaths. Wie das geht? Sich das eigene Rollenverhalten  bewusst und männliches Kommunikationsverhalten zu nutzen machen.

 

Frauen fragen, Männer machen Ansagen

Ein früh gelerntes Rollenverhalten steht vielen Frauen im Job im Weg. Knaths erklärt das in ihren Vorträgen in charmanter Weise so: Mädchen spielen gern Rollenspiele, Jungs Fußball. Beim Rollenspielen gibt es nichts zu gewinnen, dafür viel zu verlieren. Ein Mädchen kann von den anderen ausgeschlossen werden. Also achten sie später auch als gestandene Frauen darauf, alle einzubeziehen und gemocht zu werden. Anders bei den Fußball spielenden Jungs. Da sagt schon erstmal ein Trainer, wo es langgeht. Im Wettkampf läuft die Mannschaft als Team auf, da ist es egal, ob einer gemocht wird oder nicht. Was zählt sind Sieg und Lob vom Trainer – und den Kumpels! Entsprechend kommunizierten Mädchen und Jungs als Erwachsene.

Frauen fragen, damit sich alle einbezogen fühlen, und Männer machen Ansagen, wie früher ihre Trainer. Dass dadurch Missverständnisse entstehen, liegt auf der Hand, so Knath.

„Eine ernstgemeinte Frage ist bei sehr vielen Männern deshalb eine Rarität! Weil für sie gilt: Wer fragt, verliert!“ Knaths empfiehlt deshalb Frauen, sich diese Art zunutze zu machen, ohne sich zu verbiegen.

Ihr Tipp: Anweisungen an Männer nicht freundlich als Frage formulieren, sondern als Ansage. Wie das geht? Am Satzende mit der Stimme runter statt hoch. Das wirkt kompetent und freundlich.

Also nicht:  Herr Martin, bearbeiten Sie bitte bis morgen 10 Uhr das Dossier? (Stimme hoch) 
Sondern:  Herr Martin, bearbeiten Sie bitte bis morgen 10 Uhr das Dossier! (Stimme runter)

 

Timing wichtig

Konferenzen sind für Frauen oft ein Graus, eine Zeitverschwendung. Sie wollen schnell die Agenda abarbeiten, Zack-zack über alles reden und dann weiter. Anders die männlichen Kollegen. Sie tun erst einmal reihum ihre Ansichten kund, auch wenn sich die Argumente wiederholen. Solange der Chef ein Mann ist und das toleriert, hat Frau keine Chance, das zu ändern, so Knaths und meint: über sich ergehen lassen und auch etwas sagen, geistreich muss es gar nicht sein. Machen die Männer ja auch nicht jedes Mal. Und dann warten, Männer reden lassen, deren Lösungen und Einwände anhören. Und erst, wenn sich die Argumente zu einem bestimmten Zeitpunkt im Kreis zu drehen beginnen oder eine Lösung nicht greifbar ist, die eigene Idee oder einen Redebeitrag beisteuern – mit fester Stimme.

Und wenn sich ein Kollege die Idee schnappt und als seine verkauft, was ja oft vorkommen soll, reinhaken, die eigene Freude kundtun, dass der Kollege IHRE Idee offensichtlich gut findet, und dann die eigene Problemlösung mit anderen Worten noch einmal darlegen.

Wer gleich am Anfang mit seinen Ideen punkten will, um die Diskussion in die gewünschte Richtung zu lenken, geht oft unter, hat Knaths beobachtet, wird von Kollegen ignoriert, nicht ernst genommen. Und noch etwas ist wichtig gerade in Konferenzen: die Hierarchie einhalten.

 

Immer an die „Nummer Eins“

Die Nummer Eins ist der Chef oder die Chefin. Wer als Frau in einer Männerrunde — oder von Männern dominierten Runde — gehört und gesehen werden will, spricht nicht in die Runde, mit Blickkontakt reihum, sondern direkt die Nummer eins an. Das betont Marion Knaths immer und immer wieder. Denn die Nummer Eins ist wie früher der Trainer, der sagt, wo es langgeht, der lobt und tadelt. Ist die Idee, der Redebeitrag beim Chef angekommen, reagieren auch die Kollegen darauf, vorher meist nicht.

 

und schön wiederholen!

Auch wenn es einem vielleicht doof vorkommt! Um in der Hierarchie aufzusteigen, ist es in Konferenzen und Mitarbeitertreffen mit Chefbeteiligung enorm wichtig, einen „wahrnehmbaren Beitrag für’s Team zu leisten“, sagt Marion Knaths. Das müsse nicht grimmepreisverdächtig sein. Es genügt, die guten Ideen oder eine gute Idee der KollegInnen zu wiederholen und besonders herauszustreichen. Beim Chef bleibt dann hängen: die Kollegin ist engagiert!

 

Über Erfolge sprechen

Klappern gehört bekanntermaßen zum Handwerk. Wer die oberen Sprossen der Karriereleiter erreichen will, sollte das Klappern beherrschen. Erfolgreich gemeisterte Projekt gegenüber Kollegen unbedingt ansprechen, den eigenen Anteil daran herausstellen, sagt Knaths, auch wenn es schwerfällt und ungewohnt ist. Männer tun das ständig. Nur wenn auch frau über ihre Erfolge spricht, wird sie von Kollegen und Vorgesetzten wahrgenommen. Und:

 

Prestigeträchtige Aufgaben übernehmen

Und die Fleißarbeiten anderen überlassen, zum Beispiel dem neuen, jungen Kollegen. Oder dem Kollegen, der ständig alles besser weiß, vielleicht mit den Worten: „Sie können das doch viel gründlicher erledigen als ich, Herr Müller, Sie mit Ihrem Überblick!“ Wie kann dann der Kollege die Fleißarbeit ablehnen? Und Sie haben Zeit für Aufgaben, die wichtig sind für Team und Firma.

 

Frau-Sein ist gut, Mädchen-Sein Schrott

Noch so ein Erfahrungsschatz. Sich dem männlichen Kommunikationsverhalten anzupassen, bedeutet auf keinen Fall, die eigene Weiblichkeit und Persönlichkeit aufzugeben, sondern nur, sich im Job den Gegebenheiten anzupassen. Das ist professionell! Das Mädchen in uns, das gluckst, die Beine im Stand kreuzt, den Kollegen den Vortritt lässt, immer hilfsbereit und nett ist und bei Gesprächen mit geneigtem Kopf ständig lächelt – bleibe besser zuhause, appelliert Knaths.

 

Das war suboptimal

Und geht mal etwas gründlich in die Hose, läuft zum Beispiel eine Präsentation wirklich schlecht, hat frau in einer wichtigen Debatte einen Black Out oder irgendeinen Fehler gemacht – nicht lange hadern, sich den Fehler besser verzeihen und ihn innerlich mit den Worten kommentieren (so macht das auch Knaths): „Das war suboptimal!!“ Ein Satz von Gerhard Schröder im Interview mit der „ZEIT“ auf die Frage, wie er sein Auftreten in der Elefantenrunde 2005 im Nachhinein einschätzt.

Suboptimal! Was für eine grandiose Verharmlosung. Schröder war in der Elefantenrunde am Wahlabend außer Rand und Band, wirkte angetrunken. Elefantenrunde wird die  Fernsehdebatte bei der ARD genannt. Zwei Journalisten befragen nach der Wahl die Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien. Schröder als Noch-Bundeskanzler konnte sich in dieser Sendung nicht zu seiner Wahlniederlage bekennen, er beharrte darauf, dass ER natürlich Kanzler bleibe und „der eigentliche Verlierer dieser Wahl doch Frau Merkel“ sei! „Niemand außer mir kann eine stabile Regierung bilden!“, wetterte er selbstgerecht. Und machte sich unvorstellbar lächerlich.

Jede Frau hätte sich für diesen Auftritt vor Scham monatelang nicht mehr auf die Straße getraut. Schröder aber, das Alphaltier, findet seinen Auftritt lediglich „suboptimal“!

Natürlich verhalten sich Frauen und Männern nicht alle und ständig so stereotyp, wie Marion Knaths das in ihren Vorträgen anspricht. In der Zuspitzung aber liegt viel Wahrheit.

 

Wir Frauen sind lernfähig!

Mit diesen Worten beendet die Beraterin Marion Knaths bei der WoManPower ihren Vortrag über die zwei Seiten der Gläsernen Decke. Recht hat sie. 

 

Begehrte Fachfrau Knaths bei der WoManPower 2012

 

Marion Knaths hat es geschafft, sich in der Männerwelt eines Großkonzerns zu behaupten — als Vorstandsmitglied, gerade einmal 34 Jahre alt. Sie stellte auf ihrem Weg nach oben aber fest, dass viele ihrer Kolleginnen an die so genannte Gläserne Decke stießen und nicht im Unternehmen aufstiegen wie sie. An der Fachkompetenz habe es jedenfalls nicht gelegen, bemerkte Knaths, sondern an der Rolle, die die Frauen spielten und wie sie in der männlich dominierten Hierarchie kommunizierten, verbal und nonverbal. Nach einer überstandenen Krebserkrankung legte Marion Knaths ein Sabbatical-Jahr ein. Den Vorstandsjob quittierte sie anschließend und gründete ihre eigene Firma sheboss. Seither bietet sie Führungskräfteseminare an — von Frauen für Frauen.  

 

0 Kommentare

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

zurück