Besoffen von Fallobst

In meiner Kindheit trällerte meine Mutter in der Küche manchmal einen Schlager von Peter Alexander. Darin hieß es: „ … die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere. Doch weil wir beide klein sind, erreichen wir sie nie!“Nun, heute weiß ich: meistens hängen die Süßen gar nicht weit oben, sondern liegen ganz unten. Auf dem Rasen. Fallobst. Falläpfel in meinem Fall.

Dieses Jahr besonders viele, weil wir im Frühjahr die Obstbäume nicht beschnitten hatten. Allerdings hat beinahe jede Frucht einen Bohrtunnel, den der Apfelwickler hineingefressen hat. Trotzdem ließen die Raupen am Apfel eine Menge dran, denn netterweise ziehen die Tierchen – wenn sie erst einmal Schmetterling sind – irgendwann weiter. Eine umzugsfreundliche Gattung! Und so sammelten wir bis Ende September jedes Wochenende gut und gern zwei Kisten passables Fallobst ein. Umtorkelt von besoffenen Wespen. Denn wenn die reifen Äpfel in der Sonne gären, dann möchte doch jede gestandene Wespe mal den Rüssel in das apfel-interne Maischefass tauchen. Und da Trunkenbolde ja bekanntlich zum Randalieren neigen, weiß man nie, wann Säufer-Wespen stechen. Also haben wir uns das Barfußlaufen beim Sammeln schon abgewöhnt.

Inzwischen sind auch die Äpfel an den Zweigen reif und Peter Alexander hat wieder Recht. Ohne Leiter geht da gar nichts.Und was machen wir mit den Früchtchen? Die Unversehrten lagern in Holzkisten in der dunkelsten Ecke des Gartenhauses. Sofern man regelmäßig nach ihnen schaut und die Fauligen aussortiert, halten sie bis in den Winter.

Das angebohrte Obst aber fault schnell. Ich mache es entweder zu Apfelkuchen oder Apfelmus. Das Mus koche ich mit etwas Wasser, ohne Zucker, gern mit Rosinen und Vanillemark und Zimt. Wer noch andere Trockenfrüchte, Calvados oder Orangenlikör dazugeben möchte – bitte schön! Und die Konservierung? Da mir bis heute das Händchen zum Einwecken fehlt, friere ich das Mus ein. Es funktioniert bestens.

von Kirsten Kahler


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